Lkw-Fahrer wegen Betrugs verurteilt

Falscher Arzt (36) heult vor Gericht

Regensburg - Seine Patienten vertrauten Thomas K. (36): Weil er ihnen bei jedem Wehwehchen Heilung versprach. Dabei war der nette Herr Doktor von nebenan nur ein profaner Lkw-Fahrer! Jetzt wurde er verurteilt.

Wie ein Häufchen Elend saß Hochstapler K. aus Neutraubling Montag vor der Regensburger Amtsrichterin Cornelia Blankenhorn und bettelte um Gnade: „Es tut mir leid, außerordentlich!“ Doch die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft sind gravierend: K. gab sich im Branchenbuch und im Internet als Allgemeinarzt und Mediziner für Naturheilverfahren aus, verteilte Visitenkarten mit schickem Doktor-Titel in der Nachbarschaft. Bei einer Razzia im vergangenen September beschlagnahmte die Kripo Stempel und falsches Briefpapier, darüber hinaus auch noch einen Schlagring. Seiner Freundin verschrieb er die Pille und setzte Spritzen, einer Rentnerin attestierte er Bronchitis und schickte sie in die Apotheke.

Zudem behandelte er Wunden, Husten und Magenkrämpfe – mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg. Einige Patienten schwärmten hinterher sogar: „Der beste Arzt, den ich je hatte.“ Dass Thomas K. bereits zweimal vom Amtsgericht Regensburg wegen Betrugs verurteilt worden war, erzählte er natürlich nicht. Den Bogen überspannte er aber, als er sich bei Facebook als Betriebsarzt der Neutraublinger Krones AG ausgab.

„Motiv war Einsamkeit“, sagte K.‘s Verteidiger am Montag. Sich selbst äußern wollte sich der Angeklagte nicht mehr. Er lebt inzwischen im Bezirkskrankenhaus, klagt über körperliche und psychische Defizite. „Wenn alles vorbei ist, will ich ins Kloster nach Wien gehen“, kündigte er Montag an. Die versprochene Wiedergutmachung bei den Opfern wird er wohl schuldig bleiben – denn derzeit lebt K. von Hartz IV.

Nach nur 40 Minuten Verhandlung verurteilte Richterin Cornelia Blankenhorn den Mann zu einem Jahr und sieben Monaten Haft auf Bewährung und 1000 Euro Geldstrafe. „Es ist letztlich kein Schaden entstanden und ich sehe, dass Ihnen die Sache leid tut“, so die Amtsrichterin. Doch sie warnte den falschen Arzt vorsorglich: „Beim nächsten Mal ist keine Bewährung mehr drin!“

aw

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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