Prozess: Ihm drohen fünf Jahre Haft

Falscher Schönheitschirurg macht OPs daheim

Regensburg - Ein falscher Schönheitschirurg hat seine Patienten via Facebook aufgeklärt und die OPs schließlich dahoam im Wohnzimmer durchgeführt. Jetzt muss er sich vor Gericht verantworten.

Es ist einer der schillerndsten Prozesse Bayerns: Seit Montag muss sich der falsche Schönheitschirurg Christian B. (31) vor dem Landgericht Regensburg wegen 110-facher gefährlicher Körperverletzung verantworten. Als Opfer soll er sich vor allem Transsexuelle ausgesucht haben.

Seine Diplome waren gefälscht, die Aufklärung der Patienten erfolgte über Facebook! Dennoch fielen Männer, die lieber Frauen sein wollten, auf den gelifteten Arbeitslosen aus Regensburg he­rein. „Ich wusste, wie man Behandlungen in Eigenregie durchführt, ich habe mich ja selbst am Hals und im Gesicht operiert“, gestand der Angeklagte zum Prozessauftakt.

Weil er an „Entstellungsangst“ litt, sei er in Kontakt mit einem transsexuellen TV-Sternchen gekommen, die mit ihrem Äußeren ebenso unzufrieden gewesen sei wie er. In einem Hotelzimmer habe er ihr 2013 Silikon ins Gesicht gespritzt, das eigentlich nur fürs Augeninnere zugelassen war. Die Behandelte sei dennoch zufrieden mit dem Ergebnis gewesen.

Durch Mund-zu-Mund-Propaganda kamen immer mehr Nachfragen an den jungen Mann aus gutem Elternhaus, der sich mal als Assistenzarzt und mal als plastischer Chirurg ausgab. Operiert wurde dahoam im Wohnzimmer, das er wie eine Praxis ausstattete.

Über 60.000 Euro soll er mit seiner Masche eingenommen haben. Obwohl Patientinnen über Verhärtungen in den Lippen, über Schwellungen und ungleiche Wangen klagten und teilweise sogar in Ohnmacht fielen, konnte Christian B. sein Treiben bis August 2014 fortsetzen. Erst da wurde er festgenommen.

Die Opfer erfuhren durch die Kripo, dass sie einem Hochstapler aufgesessen waren. Claudia B. (24): „Es hat sich viel zu viel Gewebe aufgelöst, das ähnelt einer Brandnarbe.“ B. drohen bis zu fünf Jahre Haft.

tz

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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