Familiendrama in Eichenau: Das Tatort-Protokoll

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Das schmucke Reiheneckhauswurde bereits am letzten Wochenende Schauplatz des unbegreiflichen Verbrechens.

Eichenau - Sie trauern. Sie weinen. Sie versuchen, zu verstehen. Und bekommen doch keine wirkliche Antwort auf die große Frage: Warum? Das Tatort-Protokoll zum Familiendrama:

Am Tag nach der Entdeckung des tödlichen Dramas der Manager-Familie A. in Eichenau (Landkreis Fürstenfeldbruck) herrscht in der stillen Wohnsiedlung um die Schutzengel-Kirche Fassungslosigkeit. Viele hier haben die A.’s gut gekannt – die beiden fröhlichen Zwillingsmädchen Nele und Mara, beide erst sieben Jahre alt und ihre Mutter Simone A. (42). Sie alle sind tot – ermordet von Familienvater Wolfgang A. (40), der offenbar im psychischen Ausnahmezustand seine ganze Familie mit unbegreiflicher Brutalität auslöschte und sich dann selbst richtete. 

Familiendrama in Eichenau

Bei einer Familientragödie in Eichenau (Kreis Fürstenfeldbruck) sind ein Elternpaar und seine siebenjährigen Zwillingstöchter zu Tode gekommen. © Tobias Gehre
Bei einer Familientragödie in Eichenau (Kreis Fürstenfeldbruck) sind ein Elternpaar und seine siebenjährigen Zwillingstöchter zu Tode gekommen. © Tobias Gehre
Bei einer Familientragödie in Eichenau (Kreis Fürstenfeldbruck) sind ein Elternpaar und seine siebenjährigen Zwillingstöchter zu Tode gekommen. © Tobias Gehre
Eichenau: Familiendrama © Peter Weber
Eichenau: Familiendrama © Peter Weber
Eichenau: Familiendrama © Peter Weber
Eichenau: Familiendrama © Peter Weber
Eichenau: Familiendrama © Peter Weber
Eichenau: Familiendrama © Peter Weber
Eichenau: Familiendrama © Peter Weber
Eichenau: Familiendrama © Peter Weber
Eichenau: Familiendrama © Peter Weber
Eichenau: Familiendrama © Peter Weber
Eichenau: Familiendrama © Peter Weber
Eichenau: Familiendrama © Peter Weber
Eichenau: Familiendrama © Peter Weber
Eichenau: Familiendrama © Peter Weber
Eichenau: Familiendrama © Peter Weber
Eichenau: Familiendrama © Peter Weber
Eichenau: Familiendrama © Peter Weber
Eichenau: Familiendrama © Peter Weber
Eichenau: Familiendrama © Peter Weber
Eichenau: Familiendrama © Peter Weber
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Eichenau: Familiendrama © Peter Weber
Eichenau: Familiendrama © Peter Weber
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Familiendrama in Eichenau
Familiendrama in Eichenau © dpa
Familiendrama in Eichenau
Familiendrama in Eichenau © dpa
Familiendrama in Eichenau
Familiendrama in Eichenau © dpa
Familiendrama in Eichenau
Familiendrama in Eichenau © dpa
Familiendrama in Eichenau
Familiendrama in Eichenau © Tobias Gehre
Familiendrama in Eichenau
Familiendrama in Eichenau © Tobias Gehre
Familiendrama in Eichenau
Familiendrama in Eichenau © Tobias Gehre

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Am Mittwoch wurden weitere Details des Dramas bekannt. Demnach wurde das schmucke Reiheneckhaus am letzten Wochenende Schauplatz des unbegreiflichen Verbrechens. Am Samstag wurden die A.’s zum letzten Mal lebend gesehen. Am Dienstag schließlich verständigte Simone A.’s Chef die Olchinger Polizei, weil die Verlags-Angestellte schon am Montag nicht zur Arbeit gekommen und seitdem auch nicht mehr erreichbar war. Der Schlüsseldienst öffnete um 15.10 Uhr die Haustür. Drinnen erwartete die Beamten das Grauen: Im Keller fanden sie Simone A. – qualvoll erdrosselt. Im Obergeschoss fanden die Polizisten die Mädchen. Jede hatte ein eigenes Zimmer, beide lagen in ihren Bettchen – ebenfalls erdrosselt. Um die Hälse seiner Mädchen hatte der Vater Kabelbinder geschlungen und zugezogen. Zudem wiesen beide Kinderleichen Kopfverletzungen auf.

Sich selbst bereitete der Mörder einen vergleichsweise friedlichen Tod. Auch er lag tot im Bett – neben einem Gas-Kugelgrill, der bis hinten aufgedreht war. Wolfgang A. starb an einer Kohlenmonoxid-Vergiftung. Dies bestätigte im Wesentlichen auch das von der Staatsanwaltschaft München II Mittwochabend veröffentlichte Obduktionsergebnis. Ob die Kinder vor ihrer Ermordung betäubt worden waren und ob auch Wolfgang A. möglicherweise Tabletten geschluckt hatte, ist noch unklar.

Über einen Abschiedsbrief ist nichts bekannt, sodass auch das Motiv noch Rätsel aufgibt. Vater Wolfgang A. war ein freiberuflicher Projektmanager, der seit Jahren selbständig von daheim aus arbeitete. Er soll zuletzt keinen einzigen Auftrag mehr gehabt haben – finanzielle Sorgen als Auslöser für die unbegreifliche Tat? Möglicherweise durchlebten die A.’s jedoch auch eine Ehekrise. Sie hatten harte Zeiten hinter sich, denn die kleine Mara hatte Nierenkrebs. Die schwere Krankheit des Kindes schien aber überwunden.

Eichenaus Bürgermeister Hubert Jung wurde von der Polizei von der Tragödie in seiner Gemeinde informiert. Er kannte die Familie zwar nicht persönlich, erklärte im Fürstenfeldbrucker Tagblatt aber geschockt: „Als Bürgermeister wird man mit vielen Schicksalen konfrontiert. Aber auf eine derartige Situation ist man einfach nie vorbereitet.“

Fassungslosigkeit auch im Schulamt und im Hort der katholischen Schutzengelkirche, in den Mara und Nele nahezu täglich kamen und der auch in den Ferien geöffnet ist. Psychologisch geschulte Mitarbeiter des Kriseninterventionsteams (KIT) suchten dort am Mittwoch das Gespräch mit den befreundeten Familien und Schulkameraden der ermordeten Mädchen. Auf einer großen Tafel malten die unglücklichen Kinder ein schönes Bild für Mara und Nele und schrieben dazu ihre Abschiedsgrüße. Zum Schluss hat jedes Kind für Mara und Nele noch eine Kerze angezündet. Schwer zu ertragen und doch sicherlich der einzige Weg zur Bewältigung.

Die Beerdigung findet vermutlich erst nach Ostern statt. Alle Hortkinder sollen die Möglichkeit bekommen, auch auf dem Friedhof Abschied zu nehmen. Vor dem Haus der Familie A. legten Bekannte, Freunde und Nachbarn am Mittwoch viele Blumen und Kerzen ab. Die KIT-Helfer haben versucht, den Kindern zu erklären, dass Maras und Neles Papa eine kranke Seele hatte. Ein kleiner Bub fasste das Unvorstellbare für sich in eigene Worte. Seine kindliche Logik traf die Erwachsenen mitten ins Herz, als der Kleine tieftraurig sagte: „Ein guter Papa macht doch so etwas nicht. . .“

Dorita Plange, Jacob Mell, Stefan Weinzierl

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