Drama in Rosenheim

Alles ganz anders? Nachbarin: Darum war Nadine wirklich eingesperrt

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Der Sprecher der Polizei Oberbayern-Süd, Stefan Sonntag, spricht vor Ort mit Journalisten.

Rosenheim - Neue Aussagen einer direkten Nachbarin werfen ein völlig neues Licht auf das Familiendrama in Rosenheim, das am Dienstag für deutschlandweite Schlagzeilen sorgte.

Bei einer Zwangsräumung in Rosenheim gelangten Polizisten am Dienstag in eine völlig vermüllte Wohnung. Der Selbstmordversuch der Mieterin brachte eine menschliche Tragödie ans Licht: Ihre kranke Tochter durfte die Wohnung in Rosenheim kaum verlassen. Erste Vermutungen waren, dass die Tochter vielleicht jahrelang in einem Zimmer eingesperrt war. Inzwischen meldete sich eine weitere Nachbarin, Alena E. Siesagte unserem Partnerportal "Rosenheim24.de", die Medienberichte hätten den Ruf der Mutter geschädigt. 

Alena E. wohnte direkt neben der Angelika E. (54), der Frau, über die seit gestern ganz Deutschland spricht. Laut der Polizei hat sie ihre völlig verwahrloste und geistig behinderte Tochter Nadine (26) in einem Zimmer eingesperrt. Die Polizei befreite sie am Dienstagvormittag.

Alena E. wohnte laut eigener Aussage Wand an Wand mit Mutter und Tochter. Mit einer "Richtigstellung" wandte sie sich jetzt an "Rosenheim24.de". Sie sagt, die junge Frau sei ab und an eingesperrt worden - weil es offenbar nicht anders ging:

"Es war gefährlich, Nadine ohne Aufsicht allein zu lassen"

"Für die Schulzeit hatte Nadine von der Caritas eine Begleitung bekommen. Das war wegen ihrer Aggressivität nötig. Danach war sie meistens nur zu Hause, aber nie nur in einem Zimmer eingesperrt. Frau E. musste sie aber immer kurz einsperren, wenn sie zum Beispiel zum Einkaufen ging. Seitdem die Tochter einmal die Badewanne hatte überlaufen lassen, so dass Wasser durch das ganze Treppenhaus floss, hat sie das gemacht. Es war gefährlich sie ohne Aufsicht allein zu lassen." Die junge Frau sei aber nicht jahrelang eingeschlossen gewesen.  

"Ich habe immer durch die dünne und hellhörige Wand gehört, wann das Mädchen in ihr Zimmer zum Schlafen kam. Vorher stand ihm die ganze Wohnung zu Verfügung. Die Frau E. hat erzählt, dass ihre Tochter gerne mit ihr auf dem Sofa schmust, aber dass sie auch sehr aggressiv werden kann. Das habe ich an ihren verkratzten Armen gesehen. Trotzdem behaupte ich, dass sie ihre Tochter sehr geliebt hat."

Auch die Staatsanwaltschaft warnte am Mittwoch vor voreiligen Schuldzuweisungen. „Nach dem bisherigen Kenntnisstand ist es noch nicht sicher, ob zureichende tatsächliche Anhaltspunkte für strafbare Handlungen vorliegen“, sagte Oberstaatsanwalt Jürgen Branz.Er sprach von einer menschlichen Tragödie.

dpa, mm/tz

Rosenheim: Verwahrloste Frau befreit 

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