Es geht um einen Blechschaden von 2500 Euro:

Familienvater wegen Lappalie in Beugehaft

Lichtenfels - Es war eine Kleinigkeit, wie sie täglich zigmal vorkommt: Ein Laster touchierte beim Rangieren ein Auto – es gab einen Lackschaden und ein Spiegel war kaputt.

Schaden: 2500 Euro. Doch dieser Unfall brachte den Speditionsfahrer Stephan S. (43) aus Lichtenfels ins Gefängnis, obwohl er noch nicht einmal am Steuer gesessen hatte. Ein Staatsanwalt ließ den Familienvater in Beugehaft nehmen, weil er ihn der Falschaussage zugunsten seines der Fahrerflucht verdächtigten Kollegen beschuldigt.

Seit drei Wochen sitzt Stephan S. in der JVA Nürnberg. Seine Frau Elke (40) ist verzweifelt, denn sie und die Kinder Lisa (11) und Simon (8) durften ihn bisher nicht einmal besuchen. Auch in seiner Firma Kraus + Pabst ist das Unverständnis groß. Betriebsratsvorsitzender Harald Kober (53): „Leben wir hier in einer Bananenrepublik, dass man wegen so einer Kleinigkeit in den Knast kommt?“ Er hat 320 Unterschriften für die Freilassung seines Betriebsratskollegen gesammelt. Der Chef zahlt Stephan S. überdies den Lohn weiter.

Der Fall selbst war zunächst klar: Im April ist Stephan S. mit seinem Kollegen Werner V. (56) in Schwabach unterwegs. Beim Rangieren soll V. einen Opel Corsa touchiert haben und weitergefahren sein – so lautet jedenfalls der Vorwurf. V. sagt: „Ich habe nichts bemerkt.“ 20 Meter weiter hält er den 7,5-Tonner an, um dort eine Küche abzuladen.

15 Minuten nach dem Unfall ist die Polizei da. Schon vor Ort macht V. deutlich, dass die Versicherung seiner Firma den Schaden regulieren werde, wenn er tatsächlich der Verursacher sei. Trotzdem muss sich V. wegen Fahrerflucht vor Gericht verantworten: Am 6. Oktober findet die Verhandlung vor dem Amtsgericht Schwabach statt. V.’s Anwalt nimmt dazu den Beifahrer des Angeklagten – Stephan S. – als Zeugen mit. Der sagt aus, er habe als Beifahrer ebenfalls nichts von einem Anstoß bemerkt. Doch die Besitzerin des Opels kontert: „Er hat gar nicht im Wagen gesessen!“ Daraufhin ruft der Staatsanwalt die Polizei, die noch im Gerichtssaal Stephan S. abführt. Einen Tag später erlässt ein Richter Haftbefehl: „Es steht zu befürchten, dass der Beschuldigte in Freiheit belassen mit dem Angeklagten weitere Absprachen über das Verfahren treffen könnte. Dies scheint aufgrund seiner Falschaussage bereits geschehen zu sein.“

Ehefrau Elke ist am Boden zerstört: „Mein Mann fehlt an allen Ecken und Enden. Die Kinder fragen nach ihm, sie weinen sich nur noch in den Schlaf.“ Sie bekommen inzwischen psychologische Betreuung. Doch die Justiz bleibt unerbittlich. Der Nürnberger Justizsprecher Andreas Quentin: „Der Haftbefehl kann nur außer Kraft gesetzt werden, wenn keine Verdunklungsgefahr mehr gegeben ist.“ Er sagt aber zu, dass beschleunigt eine Hauptverhandlung angesetzt werde.

Solange wollen die Kollegen von Stephan S. nicht warten, sie setzen ein Ultimatum. Harald Kober: „Wenn er nicht bis Ende der Woche freikommt, fahren wir geschlossen nach Nürnberg und protestieren vor der JVA.“

MC

Quelle: tz

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