"Bin noch putzmunter"

Charlotte I. ist die 100-jährige Prinzessin

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Gestatten, das neue Prinzenpaar: Seit dem 11. November steht die 100-jährige Charlotte I. mit ihrem Sohn Bruno I. dem Faschingsverein Kempten vor.

Kempten - Seit dem 11. November hält der Faschingsverein Kempten einen Rekord. Denn die neue Prinzessin ist schon 100 Jahre alt. Charlotte I. schaut gespannt auf ihre kommenden Aufgaben.

Auf die närrischen Hoheiten Lady Doreen und Markus I. folgt das Prinzenpaar Charlotte und Bruno. So weit, so normal. Doch die Prinzessin, die seit dem 11.11. den Faschingsverein Kempten repräsentiert, ist stolze 100 Jahre alt. Und der Prinz – ihr Sohn – zählt auch schon 71 Lenze.

„Ich bin noch putzmunter!“, betont die närrische Hoheit im Gespräch mit der tz. Sie fühle sich keineswegs so alt, wie es in ihrem Ausweis steht. Und sie genieße die neue Ehre: „Das fühlt sich richtig gut an.“ Die Strapazen des neuen Amtes nehme sie gar nicht wahr. „Die Faschingsbälle? Das ist doch kein Problem“, sagt sie mit Nachdruck. „Ich mache alles mit, alle Schandtaten!“

Auch Bruno Geppert wird’s nicht zu viel. Der gelernte Kürschner arbeitet jeden Tag in einem Pelz- und Ledermodengeschäft in der Kemptener Altstadt. Für das Ehrenamt beim Faschingsverein nimmt er sich aber gerne die Zeit. „Ich habe gesagt, diesen Spaß mache ich mit“, sagt er. „Man darf das nicht so tierisch ernst nehmen.“ Es ist ja Fasching. Sorgen um die Gesundheit seiner hochbetagten Mutter müsse man sich keine machen: „Die ist die Fitteste in der ganzen Familie.“ Obendrein sei die Saison heuer ja auch recht kurz.

Aus einem Jux wird Realität

Faschingsverein Kempten

Die Reaktionen auf das ungewöhnliche Prinzenpaar seien sehr positiv gewesen, berichtet Bruno Gep­pert. „Aber vermutlich werden wir auch von manchen belächelt.“ Damit könne er leben. „Es ist doch eine rechte Gaudi, was Ausgefallenes, was Neues.“ Das hat sich wohl auch Richard Brunner gedacht, als er Charlotte Geppert, mit der er seit vielen Jahren befreundet sei, dieses Amt antrug. Ursprünglich sei es zwar ein Jux gewesen, erinnert sich der Präsident des Karnevalvereins. „Ich habe mal zu ihr gesagt, dass ich sie zur Prinzessin mache, wenn sie 100 wird.“ Das war dann am 1. Juli der Fall, und aus Charlotte Geppert wurde Charlotte I. mit Diadem im Haar, Zepter in der Hand und Faschingsorden um den Hals.

Bei der Inthronisation am 11. November habe sie feste getanzt, erinnert sich Richard Brunner, „am liebsten Walzer.“ Den Auftakt hat die Würdenträgerin bestens gemeistert, es warten diverse weitere Termine. Umzüge bei befreundeten Vereinen im Allgäu, dazu kommt der Rathaussturm an Weiberfasching, der große Umzug in Kempten und der Rosenmontagsball. Und als Höhepunkt der Knallerball des eigenen Vereins, der am 23. Februar gefeiert wird. Da darf Majestät Charlotte I. Ehrengäste begrüßen, Orden überreichen und immer wieder den Narrenruf „Schlangenbach fließ!“ anbringen.

"Normal essen, jeden Tag Gymnastik, malen"

Wie sie dieses Programm durchsteht? „Ich esse normal, ich mache jeden Tag Gymnastik, ich male und ich habe wunderbare Freunde“, sagt Charlotte I. Täglich steige sie zudem die 50 Stufen zu ihrer Wohnung in der Altstadt von Kempten mehrmals hoch und runter. „Das mache ich doch mit links!“

Und vielleicht hält sie auch das Wissen fit, dass bis jetzt keine ältere Faschingsprinzessin bekannt ist. „Ich denke, ich bin jetzt in ganz Deutschland bekannt“, sagt sie stolz. Übrigens ist auch ein Auftritt in München geplant: Der Karnevalsverein Kempten will am 31. Januar beim 11. Faschingszug der Damischen Ritter teilnehmen.

Volker Pfau

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