Brand brach in Gästezimmer aus

Feuer in Promi-Ruine „Hotel Geiger“

Zunächst schlugen Flammen aus dem Dach des Anbaus, es folgte ein mehrstündiger Einsatz.
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Zunächst schlugen Flammen aus dem Dach des Anbaus, es folgte ein mehrstündiger Einsatz.

Bischofswiesen - Der Anbau eines einstigen Luxushotels bei Berchtesgaden ist schwer beschädigt worden - durch ein Großfeuer.

Das Hotel Geiger in der Stanggaß bei Bischofswiesen hat tolle Zeiten erlebt. Drinnen spürt man zwischen all dem Gerümpel noch einen Hauch von luxuriösem Leben, wie man es sich vor Jahrzehnten vorstellte – es ist eine Zeitreise in die 50er- und 60er-Jahre und später: tiefe, beigefarbene Sessel, dunkle Holzdecke, draußen wurde mal eine kaputte Hammondorgel abgelichtet. Trotzdem: Das Geiger war tatsächlich mal eine Topadresse für bekannte Sommerfrischler. 

Der Hotelkomplex wurde aber nach einer Insolvenz dem Verfall preisgegeben. Und dieser hat sich in der Nacht auf Freitag massiv beschleunigt. In einem leerstehenden Bettenanbau mit Gästezimmern brach ein Großfeuer aus. Immer wieder loderten bis in die Mittagsstunden des Freitags Brände auf. Feuerwehren aus dem gesamten Berchtesgadener Land wurden zusammengezogen, gut 200 Männer und Frauen. Verletzt wurde aber niemand.

Ein Autofahrer hatte am Donnerstagabend den Qualm über dem Hotelkomplex bemerkt und die Helfer alarmiert. Die Feuerwehren konnten den Großbrand aber nur noch eindämmen. Wie hoch der Sachschaden ist, dürfte unklar sein und wird sich auch schwer ermitteln lassen. Für den Komplex waren seit der Insolvenz immer wieder Projekte vorgestellt worden, um neues Leben in die Bruchbude zu bekommen. Verwirklicht wurde aber nichts. Mitte 2015 war von einer Betreiber- und Investorengrupppe ein Chalet-Projekt mit einem Zentralgebäude in Planung gewesen. Wie das Feuer hier das weitere Vorgehen beeinflusst, wurde nicht bekannt. Baubeginn, so hieß es, sollte im Jahr 2018 sein und hätte das Ortsbild zum Guten hin verändert. Denn schon damals war klar: Weite Teile des ehemaligen Hotels sind nicht sanierungsfähig. Die Kripo ermittelt wegen des Großfeuers, weil Brandstiftung nicht ausgeschlossen werden könne.

Ein Hort für die A-Promis

Elvis Presley.

Watzmannblick und frische Luft – mit dieser Kombination kann man nichts falsch machen. Deswegen war das Hotel Geiger auch bei den A-Promis eine erste Adresse. Die niederländische Königin Emma zu Waldeck und Pyrmont stieg im Hotel Geiger in den 20er-Jahren ab, wie auch Mediziner Ferdinand Sauerbruch und vor ihnen der Dichter Paul Heyse und Schriftsteller Thomas Mann. Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen die Amerikaner und mit ihnen ein junger Offizier namens John F. Kennedy. In den Gästebüchern des Hotels trugen sich auch Elvis Presley, die Bee Gees und der frühere kanadische Premier Pierre Trudeau ein, Vater des jetzigen Premiers Justin. Das Areal selbst wurde vom pensionierten königlich-bayerischen Zollinspektor Hugo Geiger im Jahr 1865 erworben. Er baute das aus dem 15. Jahrhundert stammende Bauernhaus zur Pension um, die immer wieder erweitert wurde.

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