Ärzte mit Meisterleistung

Fingerglied abgetrennt: Mikro-OP rettet Aarons Zeigefinger

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Glücklich mit dem Ergebnis der OP: Aaron und seine Mutter Anna. Die Chirurgen (v.l.) Dr. Heinrich Schubert und Dr. Armin-Johannes Michel sowie der Vorstand der Kinder- und Jugendchirurgie Univ.-Prof. Dr. Roman Metzger freuen sich mit.

Salzburg - Aaron (12) ist froh. Einem Ärzteteam des Uniklinikums Salzburg ist es gelungen, ihm das oberste Glied des Zeigefingers wieder anzunähen. Wie es zum Unfall kam.

Jetzt können sie alle wieder entspannt schauen. Und Aaron (12) präsentiert seine dick eingebundene Hand fast ein bisserl stolz. Einem Ärzteteam des Uniklinikums Salzburg ist bei dem Buben ein toller Erfolg gelungen: Sie haben das oberste Glied des Zeigefingers, das Aaron bei einem Unfall verloren hatte, wieder angenäht. Eine medizinische Meisterleistung.

Angefangen hatte es damit, dass Aaron im Unterricht an der Berchtesgadener Mittelschule in seinem Heft dringend etwas unterstreichen wollte. Doch er hatte sein Lineal vergessen. Gut, dass sein Spezl eins besaß, das er sich ausleihen konnte. „Dann habe ich aber im Unterricht vergessen, es ihm zurückzugeben“, erzählt der Siebtklässler im Gespräch mit der tz. Das holte er nach der letzten Stunde an der Garderobe nach. Und wie es so ist bei Zwölfjährigen nach einem langen Unterrichtsvormittag, blödelten Aaron und sein Freund mit dem Lineal herum.

Das Röntgenbild von der Verletzung: Ein Lineal hatte das obere Fingerglied abgetrennt.

„Erst habe ich das Lineal weggezogen, dann hat er selbst daran gezogen“, sagt Aaron, der in Bischofswiesen wohnt, Es ging hin und her, und auf einmal blieb Aaron mit seinem linken Zeigefinger am Lineal hängen. „Und dann war am Finger die Spitze ab.“ Er war so unglücklich an einer scharfen Kante hängen geblieben, dass das Endglied glatt abgetrennt wurde. „Ich bin dann zu meiner Lehrerin und habe ihr das gezeigt“, erzählt der Zwölfjährige weiter. Ein weiterer Lehrer versorgte die Wunde, jemand packte das Fingerglied in eine Plastiktüte – dann lag Aaron auch schon im Notarztwagen.

„Es hat erst einmal gar nicht wehgetan“, erinnert er sich, „es war nur alles voller Blut.“ Dann ging es in die Uniklinik nach Salzburg. „Die liegt am nächsten, und hier sind alle Kompetenzen gebündelt“, sagt Dr. Heinrich Schubert.

Der Wiederherstellungschirurg und sein Team operieren Aaron vier Stunden lang. Unter dem Mikroskop werden Knochen, Sehnen, Nerven und Arterien wieder miteinander verbunden.

Es sei kein Routineeingriff gewesen, sagt der Mediziner. „Das Besondere war die Kleinheit der Strukturen.“ Bei einem Erwachsenen hätte man womöglich wegen der komplizierten Ausgangslage und der problematischen Prognose auf so eine Operation verzichtet. Nicht aber bei einem Patienten wie Aaron. „Bei Kindern versucht man, alles zu geben, was man kann“, sagt Dr. Heinrich Schubert. Und sie hatten Erfolg. „Er wird den Finger wieder normal bewegen können.“ Auch die Sensibilität werde wieder da sein.

Seine Mutter hat Aaron jeden Tag besucht. „Der hat mir schon ein paar schlaflose Nächte bereitet“, sagt sie. Aarons Lehrerin hat ihn besucht und auch sein Spezl. „Der hat sich bei mir entschuldigt“, sagt Aaron, „aber es war ja ein Unfall, der wollte das ja gar nicht.“ Sie sind sich natürlich wieder gut. Und gefallen hat ihm auch, wie er umsorgt wurde: „Die Schwestern waren saunett!“

Am Freitag durfte der Zwölfjährige nach zehn Tagen im Krankenhaus nach Hause. Gut sechs Wochen wird Aaron noch auf Fußball, Eishockey und Skifahren verzichten müssen. Das wird er verschmerzen, denn sein Finger ist gerettet. Dr. Heinrich Schubert: „Das macht uns selbst die größte Freude.“

Volker Pfau

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