Nebeldrama in Wien: Zwei Franken kommen bei Unglück ums Leben

Flieger stürzt in Zentrale von Anti-Terroreinheit

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Feuerwehrleute bergen am Dienstagabend (21.10.2008) Wrackteile auf dem Dach des Hauptquartiers der österreichischen Elitepolizei Cobra bei Wiener Neustadt.

Wien - Es gab nichts, was dem Fluglehrer und Unternehmer Alfred K. (56) in seinem Beruf wichtiger war als Sicherheit.

Wenn etwa das Wetter nicht mitspielte, ließ er zwischen zwei Flugplätzen seine Maschine stehen und ließ sich lieber im Auto chauffieren. „Ein umsichtiger Mann“, sagen seine traurigen und geschockten Freunde, „ein Kumpel, wie in jeder gerne gehabt hätte, ein liebevoller Mensch.“ Und ein Chef, der in Krisenzeiten für seine Belegschaft sogar aufs eigene Gehalt verzichtete.

Am Dienstagabend kam der Erlanger, der in Haßfurt mit einem Kompagnon eine Konstruktionsfirma für Ultraleichtflugzeuge betrieb, bei einem Absturz in Wien ums Leben. Gemeinsam mit seinem Freund Achim H. aus Buttenheim (Kreis Bamberg) stürzte er mit einer Corvus Phantom im dichten Nebel über Wien ins Hauptquartier der Anti-Terroreinheit Cobra, des österreichischen Pendants zur GSG9. Das Dach des Komplexes ging sofort in Flammen auf.

Alfred K. kam bei dem Absturz ums Leben.

Alfred K. und Achim H. waren gegen 15 Uhr in Haßfurt gestartet. Wer von beiden die 100 000-Euro-teure Maschine, die Achim gehörte, flog, ist bisher noch unklar. Ihr Ziel war der Flugplatz Fertoszentmiklos in Ungarn, in dessen Nähe eine Partnerfirma des Haßfurter Unternehmes ihren Sitz hat. Alfred K. wollte dort eine neue Maschine übernehmen, um sie für einen Kunden nach Deutschland zu überführen.

Doch auf dem Weg nach Wien verschlechterte sich das Wetter plötzlich dramatisch. Dichter Nebel machte dem Piloten zu schaffen. Um kein Risiko einzugehen, wollte er notlanden. Gegen 17.30 Uhr bat er deshalb beim Flugplatz Wiener Neustadt West um eine Landeerlaubnis. Dort meldete sich aber niemand! Der kleine Militärflugplatz ist um diese Jahrezeit nur bis 16 Uhr besetzt! Der Anrufbeantworter zeichnete aber die Stimme auf. Ein erschütterndes Tondokument – das letzte Lebenszeichen der beiden Freunde.

Feuerwehrleute sind am Dienstagabend (21.10.2008) vor dem Hauptquartier der österreichischen Elitepolizei Cobra bei Wiener Neustadt im Einsatz, um das brennende Dach zu löschen.

Da der Pilot keine Antwort bekam, versuchte er in seiner Not auf eigene Faust in Neustadt West zu landen. Die Maschine verlor an Höhe, durchbrach die dichte Nebelwand – und vor den beiden Franken tauchte das Cobra-Hauptquartier auf. In diesem Moment gab es noch eine letzte Chance: Die Corvus Phantom verfügt über ein Sicherheitssystem, das die gesamte Maschine an einem Fallschirm zu Boden schweben lässt. Wird das System aktiviert, zündet eine Rakete und diese zieht einen Fallschirm auf. Der Pilot drückte noch den Auslöser-Knopf, doch das Flugzeug war bereits zu tief …

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20 Cobra-Polizisten befanden sich bei dem Crash in dem Gebäude. Sie glaubten zunächst an eine Übung! Dann sahen sie die Flammen. Der Treibstoff hatte das Bitumen der Dachpappe entzündet. Die zwei Piloten verbrannten bis zur Unkenntlichkeit.

Markus Christandl

Quelle: tz

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