Fliegt uns Olympia um die Ohren?

Garmisch-Partenkirchen - Defiliermarsch, bitte! Ministerpräsident Horst Seehofer in Garmisch-Partenkirchen – mit großem Trara zum Empfang. Sein Tagesplan am Dienstag: Spatenstich für Tunnelbauarbeiten, eine Kabinettssitzung.

Und: Worte über die Münchner Olympiabewerbung für die Winterspiele 2018. Die Lage in Garmisch ist so festgefahren, dass sich der Landesherr zuletzt ja persönlich eingeschaltet hat. Hintergrund sind die schwierigen Verhandlungen mit Landeigentümern, deren Flächen für das Olympische Dorf, Straßen und Parkplätze gebraucht werden. Viele hofften auf eine klare Botschaft des Ministerpräsidenten. Am besten einen fertigen Rettungsplan, wie die Olympiabewerbung aus den Problemen rauskommt.

Allerdings: Diese Hoffnungen wurden enttäuscht. Seehofer sagte zum Olympia-Fortschritt nur: „Die Dinge laufen gut – und fertig!“ Und er bestätigte: Die Regierung prüft jetzt tatsächlich alternative Standorte fürs Olympische Dorf, falls die Grundbesitzer nicht mitziehen. Details gab’s nicht. Denn: „Wir machen das klug und in aller Ruhe. Schon seit den Griechen wird alles Wichtige und Große in Ruhe und Klugheit gemacht.“ Ehrlich gesagt: Grieche war am Dienstag keiner anwesend. Das Bemühen um Ruhe ist zwar ein edles Anliegen. Aber: Die Fakten brüllen mit voller Lautstärke mittenrein.

Schlicht und einfach: Das Thema muss schnell geklärt werden. Staastkanzlei-Chef Siegfried Schneider will spätestens Ende August den Plan fertig haben (auch, wenn der Garmischer Bürgermeister Thomas Schmid gestern Nachmittag auf tz-Nachfrage nichts von einer Frist für seine Grundstücksverhandlungen wusste: „Es gibt keine Deadline“). Die Ausgangslage ist jedenfalls klar: Bei Plan A, also der Variante mit vielen privaten Grundstücken, gibt’s bisher kaum Fortschritte. Josef Glatz, Chef der Weidegenossenschaft Garmisch: „Meiner Kenntnis nach hat fast keiner unterschrieben.“ Bürgermeister Schmid setzt dennoch sein zuversichtliches Lächeln auf: „Das Grundstück wächst…“ Man sei zwar „auf einem schwierigen Weg, es ist mühsam“ – aber: „Ich kann nicht erkennen, dass die Fronten verhärtet wären.“ Die Gespräche sollen jetzt so still wie möglich ablaufen.

Seehofer fordert: Ruhe jetzt endlich! Keine öffentliche Diskussion mehr über dieses Thema!

Denn: „Wir begleiten persönliche Gespräche nicht mit öffentlichen Blaskapellen und Tschingdarassabumm.“ Also eher kein Defiliermarsch in diesem Fall… Wenn aber auch die ganze Vertraulichkeit nichts nützt? Wenn’s nicht klappt mit den Grundstücken? Dann hat Schmid einen Plan B – das Oly-Dorf auf der Bahnbrache, zur Not mehrstöckig. Problem: So gut wie sicher würde es ein Bürgerbegehren dagegen geben. Ein Bürgerbegehren, das die ganze Olympiabewerbung zum Explodieren bringen könnte. Weil, logisch: ohne Olympia-Bauten kein Olympia. Wobei die Wurzel tiefer liegt…

Gemeinderätin Elisabeth Koch (CSU) sagt: „Die Kernfrage ist doch: Ist Olympia in Garmisch-Partenkirchen überhaupt gewollt? Meines Erachtens ist diese Frage bisher nicht geklärt.“ Definitiv noch ungeklärt ist auf alle Fälle die Frage nach dem Plan C fürs Olympische Dorf. Als möglicher Standort war zuletzt der Golfplatz Burgrain ins Gespräch gekommen. Schmid bestätigt: „Da ist eine Überprüfung eingeleitet worden. Das macht die Staatsregierung.“ Aber: Auch da gibt’s Probleme. Die Golfer, so hört man, wollen ihren Platz nicht hergeben, auch nicht übergangsweise. Womit auch der Plan C schon wieder vor einer riesigen Hürde steht. Ein Insider sagt der tz: „Das klappt auf gar keinen Fall.“

Die Pläne B und C: Ihre Aussichten sind zweifelhaft. So zweifehlhaft, dass es sich bestimmt lohnt, die Kraft jetzt noch mal auf Plan A zu konzentrieren. Vielleicht wird’s ja doch noch was mit den Grundstücksverhandlungen. Vielleicht jetzt, wo der Ministerpräsident da war! Darauf hofft jedenfalls Christian Neureuther, die Ski-Legende aus Garmisch-Partenkirchen: „Ich bin dankbar, dass Horst Seehofer sich der Sache angenommen hat. Als verantwortlicher Politiker kann er den Menschen die Zusagen geben, die sie brauchen.“ Und ein Machtwort hie und da schadet ja auch nicht…

hei

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