Unter dem Dach Gottes

Flüchtlingsunterbringung: Der Beitrag der Kirche

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Auch einige kirchliche Institutionen nehmen nach Bayern kommenden Flüchtlinge auf.

München - Fast zwei Monate ist es her, dass Papst Franziskus alle Pfarreien zur Aufnahme von Flüchtlingen aufrief. Drei Beispiele, wie die Kirche bei der Unterbringung hilft – allerdings nicht immer unentgeltlich.

Der Syrer Anas formt aus dem Teig schöne runde Knödel. Jeden einzelnen wiegt er akkurat ab und legt die Knödel auf ein Backblech. Anas ist Flüchtling, und er wohnt im Kloster Münsterschwarzach in Unterfranken. Hier ist der 40-Jährige untergebracht, während er auf seine Aufenthaltsgenehmigung wartet. Doch statt nur zu hoffen, packt der Syrer in der Küche des Klosters kräftig mit an. In Syrien hat er in einer Hotelküche gearbeitet, für ihn sind viele Handgriffe Routine. 

Die Benediktiner-Abtei im unterfränkischen Schwarzach am Main nimmt seit fast einem Jahr Flüchtlinge auf. Sowohl Erwachsene als auch unbegleitete Minderjährige. Damit ist die Abtei dem Appell von Papst Franziskus vorausgeeilt. Er hatte vor rund zwei Monaten alle Pfarreien aufgefordert, eine Flüchtlingsfamilie aufzunehmen. „Zuerst haben wir in unseren Gottesdiensten für die Flüchtlinge gebetet. Dann aber wurde uns klar: Wir können nicht nur beten, wir müssen auch was tun“, sagt Abt Michael, der dem Kloster vorsteht. Also gingen die Brüder auf ihrem Gelände auf die Suche nach geeigneten Zimmern in ihrem Kloster. 22 Plätze konnten so geschaffen werden. Und seit Dezember sind die vor allem mit syrischen Männern belegt. 

"Es ist unser Grundauftrag"

Einige der etwa 80 auf dem Gelände wohnenden Brüder und ein gutes Dutzend Ehrenamtliche aus der Region kümmern sich um die Männer. Sie geben ihnen Deutschkurse, begleiten sie zu den Behörden und helfen nach dem positiven Bescheid bei der Wohnungssuche. „Es ist unser Grundauftrag jemanden aufzunehmen. Jesus war auch fremd und obdachlos“, sagt Abt Michael. 

Auch im Tegernseer Tal hilft die Kirche bei der Unterbringung von Flüchtlingen. Erst am Mittwoch konnte eine Familie mit drei Kindern in einer Wohnung der katholischen Kirche in Rottach-Egern (Kreis Miesbach) untergebracht werden. Die Wohnung war eigentlich für Pfarrer gedacht, die in den Ruhestand gehen. „Da haben wir heuer aber keinen, also sind wir uns mit der Kirchenverwaltung schnell einig geworden, diese Wohnung anzubieten“, sagt Dekan Walter Waldschütz, Leiter des Pfarrverbands Tegernsee-Egern-Kreuth. Drei Familien beherbergt sein Pfarrverband derzeit insgesamt. Der Appell des Papstes sei eine Bestätigung gewesen und gleichzeitig Ansporn, „dass wir uns weiter bemühen“. „Außerdem hat der Appell geholfen, die Ordinariatsmühlen in Gang zu setzen.“ Nicht nur die Landkreise kämpfen mit der Bürokratie. Ganz selbstlos ist der Einsatz der Kirche aber nicht: Die Miete für die Wohnungen übernehmen laut Waldschütz die Kommunen beziehungsweise der Landkreis. 

"Asylzentrum Wolfratshausen"

Auch in einer Wolfratshauser Wohnung des Ordinariats treffen sich seit Kurzem täglich Flüchtlinge. Die 100 Quadratmeter große, zentral gelegene Wohnung ist seit Oktober offiziell das „Asylzentrum Wolfratshausen“. Ein Helferkreis organisiert dort Hausaufgabenbetreuung, Sprachkurse, eine Kleiderkammer und einen Fahrkartenverleih für Flüchtlinge aus den umliegenden dezentralen Unterkünften. Das Ordinariat stellte die Wohnung zur Verfügung, verlangt allerdings auch hier Miete, rund 1000 Euro im Monat. Ein Drittel übernimmt eine katholische Stiftung, ein Drittel die Stadt, den Rest muss der Helferkreis mit Spenden finanzieren. Viel Geld, aber: „Es wird wunderbar angenommen“, sagt Ines Lobenstein vom örtlichen Helferkreis. Und so erlebt sie täglich Dinge, die so manchem negativen Klischee widersprechen. „Bei der Eröffnung ist ein Becher mit Saft umgekippt. Sofort hat mir ein junger Muslim den Lappen aus der Hand gerissen. Er wollte das unbedingt selbst aufwischen.“

Wo Flüchtlinge in Bayern unterkommen

Von den derzeit mehr als 100 000 in Bayern lebenden Flüchtlingen haben die Kirchen des Freistaats einige Tausend aufgenommen. Bistümer und Dekanate stellen Notunterkünfte für die Menschen, die gerade erst im Freistaat angekommen sind. Kirchengemeinden und Pfarreien bieten in dezentralen Einrichtungen Wohnungen für die Flüchtlinge, die nun auf Antwort vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge warten. Klöster kümmern sich um unbegleitete minderjährige Flüchtlinge und Wohlfahrtsverbände unterstützen die Menschen durch Beratung, Kleidung und Betreuung. 

Bistum Würzburg

Das Bistum hat in seinem Nachtragshaushalt zusätzlich drei Millionen Euro für die Flüchtlingshilfe eingeplant. Von Würzburg bis Aschaffenburg sind fast 1000 asylsuchende Menschen untergebracht. Allein 300 von ihnen sind unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Klöster der Region haben zudem mehr als 300 Menschen aufgenommen.

Bistum Augsburg

Ob Kloster, Pfarrhöfe oder Jugendhilfeeinrichtungen - in kirchlichen Einrichtungen des Bistums sind derzeit mehr als 600 Flüchtlinge untergebracht. Mehr als die Hälfte davon, nämlich fast 400, sind unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Rund 800 weitere Plätze seien derzeit in Planung, sagte ein Sprecher. Für die Jahre 2015 und 2016 hat das Bistum bislang fast 4,5 Millionen Euro für die Flüchtlingshilfe eingeplant.

Erzbistum Bamberg

Konkrete Zahlen hat das Bistum zum Thema Flüchtlinge nicht. Die Pressestelle weiß aber von gut einem Dutzend Pfarreien, die jeweils zwei bis drei Flüchtlingsfamilien aufgenommen haben. „Wir gehen aber davon aus, dass es doppelt so viele sind“, sagte eine Sprecherin. Viele Kirchgemeinden organisierten zudem vielsprachige Gottesdienste, Kleidermärkte, Spielfeste und Ähnliches. „Es ist unsere Verantwortung, sich um das Überleben der Menschen zu kümmern.“ Dabei gehe es nicht nur um die lebensnotwendigen Dinge, sondern auch die Psyche der Menschen.

Bistum Eichstätt

Mindestens 60 Pfarreien des Bistums Eichstätt leben Flüchtlinge in ihrem Seelsorgebereich. Genaue Zahlen hat das Bistum nicht. Doch die Diözese hat einen Flüchtlingsseelsorger. Er organisiert pastorale Angebote für die Flüchtlinge und ist vor allem vermittelnd tätig. Zudem hat das Bistum 100 000 Euro Soforthilfe für die Flüchtlingsarbeit zur Verfügung gestellt. Zudem übernimmt der Diözesan-Caritasverband Regensburg in der Erstaufnahme die tägliche Betreuung der Flüchtlingskinder.

Bistum Regensburg

In der Diözese kümmern sich mehrere Tausend Ehrenamtliche um die Flüchtlinge. Genaue Zahlen zu in Kirchenimmobilien wohnenden Flüchtlingen liegen dem Bistum nicht vor. Für die Projektarbeit auf Pfarrebene wurde ein Hilfsfonds von einer Million Euro eingerichtet, damit die Flüchtlingsarbeit in allen Bereichen des kirchlichen Lebens intensiviert werden kann.

Bistum München/Freising

In etwa 60 kirchlichen Objekten des Bistums sind den Angaben eines Sprechers zufolge derzeit rund 1000 Flüchtlinge untergekommen. Das Bistum hat zudem einen Sonderetat über fünf Millionen Euro für die Flüchtlingshilfe aufgelegt und versucht die Flüchtlinge aktiv über Sport- und Kulturangebote zu integrieren.

Bistum Passau

„Unsere Priorität ist es derzeit, Gebäude freizuschaufeln. Wir stellen uns täglich die Frage: Wo können wir noch mehr Platz schaffen?“, sagte eine Bistumssprecherin. In Passau kommen derzeit die meisten Flüchtlinge an. Ob die Diözese einen Sonderetat auflegen wird, sei noch unklar. „Dazu sind wir bis jetzt noch nicht so recht gekommen.“

Caritas

Der katholische Wohlfahrtsverband Caritas macht sich sehr stark bei der Asylberatung. „Etwa 60 Prozent der Beratungen im Freistaat übernimmt die Caritas“, sagte ein Sprecher des Landesverbandes. Derzeit sind für die Caritas 312 Asyl-Sozialberater tätig. Sie sind sozialpädagogische Fachkräfte, weil die Caritas großen Wert auf den fachlichen Standard der Beratung legt.

Evangelisch-Lutherische Landeskirche

Im September haben der Landesbischof und die Synodalpräsidentinin einem Brief alle Kirchengemeinden gebeten, weitere Wohnungen für Flüchtlinge zu schaffen. Die Landeskirche stellte gleichzeitig eine Million Euro zur Verfügung, damit die Gebäude dafür umgebaut werden können. „Das läuft, das Geld wird abgerufen“, sagte ein Sprecher.

Die evangelischen Kirchengemeinden nehmen schon jetzt mehrere tausend Flüchtlinge auf. Genaue Zahlen lagen nicht vor. „Aber allein der Kirchenkreis München/Oberbayern hat Platz für mehr als 1000 Flüchtlinge.“ Zudem betreue die Diakonie derzeit rund 2000 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge und es würden immer mehr Häuser für Flüchtlinge umgebaut. Die Landessynode will Ende November einen Nachtragshaushalt von zehn Millionen Euro für die Flüchtlingsarbeit verabschieden.

Aktuelle Informationen lesen Sie in unserem News-Ticker zum Thema Flüchtlinskrise.

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