BRK fordert Drei-Punkte-Plan

Flüchtlings-Krise: Die Helfer funken SOS

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Haben derzeit alle Hände voll zu tun: Die Helfer des Bayerischen Roten Kreuzes versorgen mehrere hunderttausend Flüchtlinge im Freistaat.

München - Tagtäglich strömen Flüchtlinge in den Freistaat. Das bringt die Helfer um das Bayerische Rote Kreuz an den Rand der Kräfte. Jetzt werden Forderungen zum Umdenken laut.

Eigentlich ist Theo Zellner eher der gelassene Typ Mensch. Doch am Mittwoch zeigte sich der Chef des Bayerischen Roten Kreuzes von einer anderen Seite – der wütenden: „Unsere Möglichkeiten sind erschöpft, unsere Helfer sind am Ende ihrer Kräfte“, schimpfte der 66-Jährige in München und funkte SOS. Seit Monaten seien die Männer und Frauen des BRK wegen der Flüchtlingsmassen im Dauereinsatz. „Jetzt können wir nicht mehr!“ Und dann nahm sich Zellner auch Bundeskanzlerin Angela Merkel vor: „Sie sagt immer: Wir schaffen das. Dann soll sie uns sagen, wie wir das schaffen sollen. Das geht nicht mehr nur mit Ehrenamtlichen! Basta!“

Die Stimmung beim BRK ist derzeit mehr als gereizt. Kein Wunder: Gut 500 Frauen und Männer hat die Hilfsorganisation jeden Tag in Bayern im Einsatz – und das fast rund um die Uhr: Passau, Simbach am Inn, Straubing – überall versorgen die Helfer Flüchtlinge mit Essen, bauen Zelte auf oder kümmern sich um die medizinische Versorgung. „Teils haben die Ehrenamtlichen längst ihren Urlaub aufgebraucht, haben wochenlang durchgearbeitet“, beschreibt Zellner die Situation. Es seien einfach zu viele Menschen zu versorgen. „Das ist eine nationale Notlage“, so der BRK-Boss. Zur Erinnerung: Allein im vergangenen Monat kamen im Freistaat 225.000 Flüchtlinge an.

BRK braucht dringend Unterstützung

Was also tun? Theo Zellner hat einen Drei-Punkte-Plan entworfen, der seiner Meinung nach sofort umgesetzt werden muss: Zum einem müsse die Politik endlich mehr Druck machen, dass die Asylbewerber in ganz Europa gerecht verteilt werden. „Es kann nicht sein, dass Frankreich so viele Menschen aufnimmt wie Passau und Simbach in einer Nacht. Das ist eine Frechheit!“ Zweitens brauche das BRK Unterstützung von hauptamtlichen Helfern. Diese Experten könnten von Hilfsorganisationen stammen, aber auch von der Bundeswehr. „Wir sind einfach zu wenig mittlerweile.“ Und schließlich müsse es für Ehrenamtliche eine „Helfer-Freistellung“ gelten. Heißt: Ihnen wird vom Arbeitgeber das weitere Engagement erlaubt – und der Verdienst vom Bund erstattet.

Die Überbelastung der Helfer gelte übrigens besonders für den ländlichen Raum, erklärten die BRK-Verantwortlichen. „Dass es in München viele Freiwillige gibt, mag richtig sein“, sagte Zellner und bezog sich hierbei auf eine Caritas-Meldung. „Wir brauchen aber auch ausgebildete Fachkräfte – und da herrscht einfach ein Mangel.“ Jeder, der mal in einem Flüchtlingscamp war, könne dies sofort sehen.

Armin Geier

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