Flugobjekt sorgt für Aufregung in Unterfranken

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Rund um Karlstadt in Unterfranken war der Feuerschweif am Himmel gut zu beobachten

Karlstadt - Der Feuerball, der am Heiligabend für tausende Menschen zu sehen war, raste besonders deutlich in Unterfranken über den Himmel. Eine Expertin antwortet auf die Fragen rund um das spekatkuläre Flugobjekt.

Es ist Heiligabend, gegen 17.30 Uhr. Fröhlich verlassen die Besucher der Weihnachtsmette die Kirche in Wiesenfeld, einem Ortsteil von Karlstadt (Landkreis Main-Spessart). Und plötzlich starren alle gleichzeitig in den Nachthimmel - was sie sehen, ist kaum zu glauben: Ein riesiger Feuerball rast den Himmel entlang. Ein Meteorit? Eine riesige Sternschnuppe? Die Kinder sind sich sicher: „Das Christkind!“

Die Sojus-Rakete ist insgesamt rund 50 Meter hoch - unten sitzen die Brennkammern.

Das spektakuläre Flugobjekt - tausende Menschen bekamen es in Bayern an Heiligabend zu sehen. Besonders deutlich aber raste der riesige Schweif in Unterfranken wie ein leuchtendes Zeichen über den Himmel. „Ich habe so etwas in meinem Leben noch nie gesehen“, sagte eine Augenzeugin über das Phänomen. Sie war nicht die Einzige: Viele Menschen waren so erschrocken, dass sie die Polizei anriefen und etwas von Kometen und gar vom Weihnachtsstern erzählten. Im Internet war bald die Rede von herabfallendem Weltraumschrott, einem Tank der Sojus-Rakete. Viele hatten den Sternenschweif auch gefilmt oder fotografiert und diskutierten sofort über dessen Bedeutung.

Was genau war nun der Feuerball? Die tz sprach mit Sabine Göge vom Luft- und Raumfahrtzentrum in Köln und klärt alle Rätsel:

Was war nun dieser Feuerball? Ein Meteorit oder Weltraumschrott?

Sabine Göge vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt: „Es waren wohl Reste der letzten Stufe der russischen Sojus-Rakete - also ein Teil des Treibstofftanks.“ Auch die belgische Königliche Sternwarte bestätigte den abgestürzten Schrott - dort war der Schweif ebenso deutlich zu sehen. Der Tank wird abgestoßen, wenn die Rakete ihn nicht mehr benötigt.

Welche Aufgabe hat die Sojus-Rakete?

Die Rakete war am vergangenen Mittwoch vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan gestartet, um drei Weltraumfahrer zur Raumstation ISS zu bringen. Nichts Besonderes also. Mit an Bord: der russische Astronaut André Kuipers.

Woher weiß man, dass es sich wahrscheinlich um Weltraumschrott handelte?

„Es gibt ein weltweites Beobachtungsnetz, wo alle Himmelsbewegungen registriert werden“, sagt die Sprecherin des Luft- und Raumfahrtzentrums. Wäre es ein Meteorit gewesen, hätten bestimmte Beobachtungsposten schon vorher Veränderungen in der Atmosphäre gemeldet.

Leuchtet Weltraumschrott länger als Sternschnuppen oder Feuerkugeln?

Expertin Sabine Göge.

Eine normale Sternschnuppe hat eine Leuchtdauer von weniger als einer Sekunde und erzeugt einen leuchtenden Strich am Himmel.Eine Feuerkugel leuchtet wenige Sekunden, selten sind es mehr. Weltraumschrott, wie er jetzt an Weihnachten zu sehen war, kann aber auch mehrere Sekunden glühen. Es ist ein weiteres Indiz dafür, dass es sich tatsächlich um die Sojus-Rakete handelte: Deren Brennkammern sind immerhin mehrere Meter lang.
Was passiert mit dem Weltraumschrott, sobald er in die Atmosphäre eintritt? Landet er irgendwo auf der Erde?

„Das kommt drauf an, wie groß er ist“, sagt Sabine Göge. Im aktuellen Fall sei zwar die Brenndauer relativ lange gewesen (der Schweif leuchtete lange), aber bei dem Wiedereintritt in die Erdatmosphäre entstehe extreme Hitze, die den Schrott meist vollständig verglühen lasse. „Wir gehen davon aus, dass nichts übrig geblieben ist.“

War das eine Ausnahme oder passiert so etwas öfter?

„Dieser Feuerball war nichts Ungewöhnliches“, sagt Sabine Göge. Jährlich fallen 60 bis 70 Tonnen Weltraummüll zurück auf die Erde. Hierbei handelt es sich um technischen Müll wie Raketen sowie um natürliche Abfälle wie Meteoriten und Sterne. Aber: Fast nie hat man so viel Glück und sieht den verglühenden Schrott so gut und so lang wie an diesem Weihnachtsabend. „Der Tag, die Zeit - das war reine Glückssache“, lacht Göge.

aw/age

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