1500 Euro für Hochwasser-Opfer

Flut-Soforthilfe: Schamlose Abzocker!

München - Gemeine Abzocker treiben nach dem Jahrhundert-Hochwasser ihr Unwesen: Trittbrettfahrer nehmen die Flut-Soforthilfe über 1500 Euro mit.

Nach dem Hochwasser kam die Flut der Anträge auf die Soforthilfe über 1500 Euro – an welche die Opfer zurecht besonders leicht und ohne tiefergehende Überprüfung gelangten. Schließlich hatte Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) angekündigt: „Ich möchte, dass wir in Bayern ein Modell sind für unbürokratisch und schnell.“

Für die echten Opfer der Katastrophe vom Juni bedeutete die Summe eine Linderung der höchsten Not – ein wahrer Segen. Doch es gab wohl auch nur vermeintliche Opfer, die das Geld mal so eben mitnahmen.

Die Stadt Kolbermoor, der Ort im Kreis Rosenheim, der schwer von der Mangfall getroffen wurde, bearbeitete mittlerweile 750 Anträge von Privatpersonen auf die Soforthilfe und zahlte diese aus – macht 1,125 Millionen Euro „Die Anzahl der Anträge ist überraschend“, sagte Christian Poitsch von der Stadt und denkt über einen Verdacht nach, den er vorsichtig so formuliert. „Es gibt sicher Menschen, die wegen des Gießkannenprinzips sich gesagt haben: Da regnet’s auf mich auch ein bisschen runter. Also Leute, die das Geld gar nicht gebraucht haben.“ Trittbrettfahrer bei der Fluthilfe? Poitsch: „Es hilft nichts, die Augen davor zu verschließen.“

Eine Kontrolle ist im Nachhinein unmöglich. „Wenn einer etwa fünf Paar Skischuhe im Keller hatte und die zum Sperrmüll gab, dann muss die Kommune den Verlust der Skischuhe einfach glauben“, sagt Poitsch. Sicher, jeder, der Sofortgeld beantragte, musste wahrheitsgemäße Angaben machen. Poitsch schätzt, dass aber ein Drittel der Anträge einer strengen Prüfung nicht standhalten würden, was bedeutet: Einige Hochwassergeschädigte waren überhaupt keine, sondern nutzten die Katastrophe aus. „In extremen Situationen kommen die menschlichen Charakterzüge hervor“, stellt Poitsch fest. „Die negativen wie die positiven.“

Man mag es kaum glauben, noch während Kinder für abgesoffene Nachbarn sammelten, Gratiskonzerte gegeben wurden und Helfer bis zu Erschöpfung malochten, trieb es bereits Gestalten durch die Katastrophengebiete, für die Poitsch nur das Wort „schamlos“ einfällt. Da etwa die Stadt Sperrmüllpressen durch die zuvor überfluteten Gebiete fahren ließ, wuchs in der Nacht der Sperrmüll an den Straßen auf wundersame Weise an. Andere hatten offenbar die Situation zur günstigen Entsorgung ihres alten Krams genutzt. Wie auch die Anlaufstellen für Sachspenden. „40 Prozent der Spenden waren Schrott,“ ärgert sich eine Freiwillige. „Dreckige Matratzen, ungewaschene Kleidung – sogar ein angekotztes Babylätzchen war dabei.“ Eine weitere meinte angesichts der Sachspenden, unter denen sich auch mal versteckter Hausmüll verbarg: „Es ist schlimm, wie würdelos diese sogenannten Spender mit den Hochwasseropfern umgehen und sich dafür wegen ihrer ,Spende‘ noch feiern lassen.“

Laut BR hat der Freistaat bislang 42 Millionen Euro an Soforthilfe überwiesen, das meiste davon sicher an die Richtigen. Nur ein angezeigter Betrugsfall ist derzeit bekannt. Eine Frau aus Deggendorf soll mit falschem Mietvertrag sich die 1500 Euro erschwindelt haben – die Dame wohnte gar nicht im Flutgebiet.

mc

Rubriklistenbild: © dpa

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