Frankenberger fliegt aus dem Festzelt!

Sebastian Frankenberger ist der Initiator des absoluten Rauchverbots
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Sebastian Frankenberger ist der Initiator des absoluten Rauchverbots

Waldkirchen - Sebastian Frankenberger, der Initiator des absoluten Rauchverbots, ist beim Waldkirchner Volksfest in der Nähe von Passau aus dem Bierzelt geworfen worden.

Das Waldkirchner Volksfest läuft seit Freitag. Ein Kettenkarussell, Fischbuden und im Zentrum das blauweiße Bierzelt, Platz für 2400 Gäste. Seit Sonntag darf im Zelt nicht mehr gequalmt werden. Geraucht wird tatsächlich nicht, der Zigarettenautomat steht draußen beim Biergarten. Um 17.30 Uhr betritt ein langhaariger junger Mann mit einem Radioreporter das Festzelt, das kaum zu einem Drittel gefüllt ist. Fast alle Köpfe recken sich nach ihm – nach Sebastian Frankenberger, dem Initiator des absoluten Rauchverbots.

Rauchverbote in den Bundesländern

Gesetze zum Nichtraucherschutz gibt es in allen Bundesländern. © dpa
Seit August 2010 gilt in Bayern wieder ein striktes Rauchverbot. Ein Überblick über die Bundesländer: © dpa
BADEN-WÜRTTEMBERG: Gaststätten müssen rauchfrei sein, können aber abgeschlossene Raucherräume einrichten. Rauchen in Einraumkneipen, ist erlaubt. In Diskotheken darf nur in vollständig abgetrennten Nebenräumen ohne Tanzfläche gequalmt werden, wenn sie nicht von Jugendlichen besucht werden. Das Rauchen in Festzelten ist erlaubt. © dpa
BAYERN: Von August an ist Qualmen in Gaststätten, Kneipen und Bierzelten ausnahmslos verboten. © dpa
Auf dem Oktoberfest darf in diesem Jahr noch geraucht werden, im nächsten nicht mehr. © dpa
BERLIN: Rauchen ist nur in abgetrennten Raucherräumen von Restaurants und Kneipen erlaubt sowie in Kneipen, die kleiner als 75 Quadratmeter sind. Clubs und Diskotheken, die auch von unter 18-Jährigen besucht werden, müssen rauchfrei sein. Wenn nur Erwachsene Zutritt haben, dürfen separate Raucherräume eingerichtet werden. © dpa
In Shisha(Wasserpfeifen)-Gaststätten ohne Alkoholausschank darf geraucht werden, wenn Minderjährige draußenbleiben. © dpa
BRANDENBURG: In Brandenburg darf geraucht werden, wenn die Gastfläche nicht größer als 75 Quadratmeter ist, kein abgetrennter Nebenraum existiert und keine zubereiteten Speisen angeboten werden. Das Lokal muss als Rauchergaststätte gekennzeichnet sein. Bei größeren Einheiten darf ein Raum für Raucher abgetrennt werden. © dpa
BREMEN: In Gaststätten und Diskotheken sind separate Raucherräume erlaubt, wenn Minderjährige keinen Zutritt haben. In Einraumgaststätten bis 75 Quadratmeter darf geraucht werden, wenn sie als Raucherkneipe gekennzeichnet sind und unter 18-Jährige keinen Eintritt haben. In Festzelten, auf Jahrmärkten und Volksfesten müssen Nichtraucher den blauen Dunst ertragen. © dpa
HAMBURG: Bisher durfte nur in Kneipen geraucht werden. Doch nun ist in Hamburg auch die Zigarette zum Essen erlaubt. Voraussetzung: Ein abgetrennter Raucherraum. © dpa
HESSEN: In Einraumkneipen darf gequalmt werden, in größeren Gaststätten und Diskotheken nur in Nebenräumen. In Festzelten, die nur vorübergehend betrieben werden, gilt das gesetzliche Rauchverbot nicht. © dpa
MECKLENBURG-VORPOMMERN: Tabakqualm ist in Kneipen und Restaurants nur in separaten Nebenräumen erlaubt. Für Einraumkneipen gelten Ausnahmen. In Diskotheken darf generell nicht geraucht werden. © dpa
NIEDERSACHSEN: In Restaurants, Kneipen und Diskotheken ist Rauchen nur in abgetrennten Räumen erlaubt. In Einraumkneipen darf geraucht werden, wenn dort kein Essen serviert wird. Die Kneipe muss als Rauchergaststätte gekennzeichnet werden, Jugendliche unter 18 Jahren haben keinen Zutritt. © dpa
NORDRHEIN-WESTFALEN: Rauchen ist in Einraumgaststätten erlaubt, die nicht größer als 75 Quadratmeter sind. Sie müssen als Raucherkneipen gekennzeichnet sein, Jugendlichen unter 18 Jahren dürfen keinen Zutritt haben, und in solchen Kneipen dürfen keine zubereiteten Speisen serviert werden. In Diskotheken darf nur in abgetrennten Räumen gequalmt werden. © dpa
SAARLAND: Der blaue Dunst ist derzeit nur in separaten Nebenräumen, in einer inhabergeführten Gaststätte oder einer Gaststätte mit einem Schankraum unter 75 Quadratmetern ohne Speisenangebot erlaubt. Nach einem neuen Gesetz soll das Rauchen bald in allen Gastronomiebetrieben grundsätzlich verboten sein. Die Regel sollte ursprünglich von Juli an gelten, wurde aber Ende Juni vom Verfassungsgerichtshof nach Klagen von Gastwirten vorläufig gestoppt. Die Richter wollen im kommenden Jahr in der Sache entscheiden. © dpa
SACHSEN: Kneipen können einen separaten Raucherraum einrichten. Außerdem dürfen Einraum-Gaststätten, Spielhallen und Diskotheken ihren Gästen das Qualmen erlauben, wenn Minderjährige keinen Zutritt haben. Zulässig ist das Rauchen außerdem bei geschlossenen Gesellschaften wie bei Familienfeiern. © dpa
SACHSEN-ANHALT: Gaststätten können einen Raucherraum einrichten, Jugendliche dürfen diesen nicht betreten. In Einraumkneipen darf gequalmt werden, in Nebenräumen von Diskotheken nur, wenn Minderjährige generell keinen Zutritt haben. © dpa
SCHLESWIG-HOLSTEIN: Gequalmt wird in Einraumkneipen und in Nebenräumen von Gaststätten. In diese Nebenräume dürfen nur Erwachsene. Vorübergehend aufgestellte Festzelte sind vom Rauchverbot ausgenommen. © dpa
THÜRINGEN: Thüringen hat sein Nichtraucherschutzgesetz im Juni abgeschwächt. Damit darf in Einraumkneipen wieder offiziell geraucht werden. In größeren Gaststätten ist der Griff zum Glimmstängel nur in separaten Raucherräumen erlaubt. © dpa

Ein junger, merklich angetrunkener Mann, mit Anti-Nazi-Sticker am Filzhut, ist der erste, der mit seinem Maßkrug aufspringt und auf Frankenberger zugeht. Er legt den Arm um ihn, zieht ihn zu sich und beginnt eine lebhafte Diskussion. Der unangenehmen Situation begegnet der Passauer Stadtrat mit gezwungenem Lächeln. Dann zündet sich der andere demonstrativ eine Zigarette an. Frankenberger sagt: „Heute ist der erste Tag, da kann man nichts erzwingen. In ein paar Monaten wird sich das einpendeln und Nichtrauchen zur Normalität werden.“

Am wenigsten sind die Bedienungen von ihm begeistert, die offenbar alle selbst rauchen. Eine ältere Kellnerin fuchtelt mit einer kalten Zigarette herum. „Ich würde keinen Raucher ermahnen, ich will doch keinen Umsatz verlieren“, sagt eine. Sie sei kein Sheriff, sondern Bedienung. Schnell rufen die ersten „Frankenberger raus!“. Andere lassen sich zu Schimpfworten hinreißen. Die Festwirte Herbert Weber und Werner Pongratz setzen sich mit Frankenberger an einen leeren Tisch. Über den Auftritt sind sie sichtlich wenig begeistert. „Das soll kein Hausverbot sein“, sagen sie, fordern ihn aber gleichzeitig auf, zu gehen. „Damit die Lage sich beruhigt.“

Tatsächlich hat sich eine aufgebrachte Menschentraube gebildet. Als Frankenberger abzieht, brandet Beifall auf, vor allem die Bedienungen applaudieren. „Ich habe nicht damit gerechnet, dass es so ausgeht“, sagt Frankenberger hörbar überrascht.

hd

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