Er wollte 2000 Euro von jedem

Wirt erpresst Gemeinde: "Sonst kommen die Asylbewerber"

Frankenried - Ein Wirt aus der kleinen Gemeinde Frankenried im Kreis Regen hat versucht, die Bürger dort zu erpressen. Sein Deal: Kauft mein Hotel für 2000 Euro pro Person, oder ich stelle es für Asylbewerber zur Verfügung.

Alles sollte schnell gehen, denn sonst sind sie im Dorf, die Asylbewerber. In Frankenried (Kreis Regen) gab es Planungen für eine Aufnahmeeinrichtung, einer ersten Heimat für 80 Flüchtlinge. Zunächst sollten diese in der Pension von Christian L. unterkommen, doch der Verkauf des Hauses an einen Investor platzte Anfang der Woche. Doch L. hatte ja noch ein zweites Haus, das Hotel Himmelsblick. Auch das hätte mit Asylbewerbern gefüllt werden können. Christian L. aber hatte sich einen Alternativplan zurechtgelegt.

Diesen Plan erklärte er am Mittwochnachmittag bei einer eiligst einberufenen Bürgerversammlung in der Stube des Hotels – jedenfalls wird er so in der PNP zitiert: „Entweder die Frankenrieder kaufen das Hotel, oder ich werde es der Regierung von Niederbayern als Asyl­unterkunft anbieten.“ Wie der Kauf der Immobilie laufen könnte, da hatte er bereits eine klare Vorstellung: Die Frankenrieder sollten ihm für 2000 Euro pro Person das Hotel abnehmen! Da waren die 40 von den 140 Einwohnern der Dorfgemeinschaft, die es zum Termin geschafft hatten, erstmal baff.

Nein, dabei handelte es sich nicht um einen schlechten Witz, sondern das ernst gemeinte Angebot des Hoteliers. „Woher soll jetzt jeder von uns von jetzt auf gleich 2000 Euro haben?“, riefen Bürger. Ein Befürworter des Plans appellierte: „Ist es nicht jedem von uns 2000 Euro auf zehn Jahre wert, das Hotel zu kaufen? Dann bleibt Frankenried Frankenried! Das Dorf muss zusammenhalten. Ich wäre dabei.“ Für diese Aussage erntete er Applaus.

Der Regener Landrat Michael Adam.

Der Regener Landrat Michael Adam mochte es nicht fassen, was er da hörte. „Das ließ mir nicht nur die Schamesröte aufsteigen. Aussagen wie, ,Damit Frankenried Frankenried bleibt‘ erinnern mich an dunkle Kapitel der deutschen Geschichte.“ Für uns und die Regierung von Niederbayern ist klar, dass das Objekt in unseren Planungen keinerlei Rolle mehr spielen wird.“ Nicht, um die Frankenrieder vor Asylbewerbern zu bewahren, sondern weil er es „unerträglich fände, dass jemand aus der Situation der Menschen in dieser Form Gewinn schlagen könnte“. Die Folge: Frankenried werde nicht mehr berücksichtigt.

Und so hatte das geschmacklose Angebot irgendwie seinen Zweck erfüllt. Im Dorf ist die Aufregung vorüber, Asylbewerber bleiben weg – nur der Hotelier kann sich einen anderen Käufer suchen. Die 80 Flüchtlinge kamen dann nach Regenhütte.

tz

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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