Franz Josef Strauß

Zum 100. von FJS: Was ist dran an den alten Vorwürfen?

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Franz Josef Strauß: Heiß geliebt von den Bayern und doch auch sehr umstritten. 

München - Korruption, Schmiergeld, Vetternwirtschaft: Pünktlich vor den Feiern zum 100. Geburtstag von Franz Josef Strauß sind die alten Vorwürfe wieder da. Zeit für eine nüchterne Betrachtung.

Das war deutlich: Bayern, Strauß, „und das verklärte Erbe eines korrupten Landesvaters“, heißt es auf dem Titel des neuen „Spiegel“. Im Innenteil serviert das Magazin vermeintlich neue Details über eine „Briefkastenfirma“, über die sich der CSU-Übervater „über Jahre“ habe „schmieren“ lassen. Der „Spiegel“ hat die neuen Hinweise nicht alleine ausgegraben, sondern eine neue Biographie ausgewertet: „Franz Josef Strauß. Ein Leben im Übermaß“ des Journalisten Peter Siebenmorgen. Wie man hört, ist der Autor selbst nicht glücklich, dass sein eigentlich ausgewogenes Buch nun zu einer Art Anklageschrift gegen Strauß verwandelt wurde.

Denn: So neu, wie es den Anschein hat, sind die Vorwürfe nicht. Die gleichen Hinweise, die Siebenmorgen publiziert, tauchen im Wesentlichen auch im Buch von Horst Möller auf. Der ehemalige Chef des Münchner Instituts für Zeitgeschichte hatte im Juni eine über 800 Seiten starke Strauß-Biographie vorgelegt, aus der unsere Zeitung damals mehrere Teile vorab veröffentlichte. Vermeintliche oder tatsächliche Straußsche Finanzaffären fasst Möller in einem eigenen Kapitel zusammen: Unter der Überschrift „Franz Josef Strauß und das Geld“ nennt er Fakten, trennt aber auch Tatsachen von Gerüchten. Sein Fazit: Strauß „wollte durchaus Geld verdienen und hat es verdient“. Doch „in der eigentlichen Frage, ob es Begünstigungen gegeben hat, lassen die vorliegenden Unterlagen kein Fehlverhalten erkennen“. Korruption im strafrechtlichen Sinne sieht Möller bei Strauß nicht – denn das würde bedeuten, dass Strauß für Geld unlautere Gegenleistungen lieferte. „Die Herrschaft des Verdachts ersetzt Beweise“, formuliert Möller dazu. Korruption also nicht. Doch Möller ergänzt: „Nicht alles, was rechtlich erlaubt ist, ist zwangsläufig guter politischer Stil.“

Strauß ging früh „geschickt“ mit Geld um, schreibt Möller. Schon als Landrat in Schongau in den 1940er-Jahren verdiente er „zunehmend überdurchschnittlich“. 1953 – da war er schon Bundestagsabgeordneter – schloss er mit einem Verlag einen Beratervertrag für das Verfassen von Artikeln ab, für monatlich 600 DM. „Damals für einen Nebenjob keine geringe Summe.“

Das Büro Eureco gründeten Strauß, seine Frau Marianne, der Strauß-Spezl Reinhold Kreile und die Firma Eureco GmbH (an der Strauß wiederum beteiligt war) 1964. Es war eine Art Büro zur Kontaktpflege, über das Firmen und Privatleute Kontakt zu Strauß suchten. Zum Beispiel der Rüstungsmanager Friedrich Karl Flick. Zum Beispiel auch der Inhaber des auf Kunststoff-Fußböden spezialisierten Pegulan-Werks, Fritz Ries, der mit Eureco oder Strauß selbst einen Beratervertrag schloss – der 1964/65 mit zehn Schecks à 6000 DM honoriert wurde. Eine erkennbare Gegenleistung, schreibt Möller, gab es nicht. Ries hatte sich wohl weit mehr erhofft, als er tatsächlich bekam. Als er aber bat, Strauß möge für eine Auftragsvergabe auf Landräte Einfluss nehmen, wies dies Marianne Strauß „entsetzt“ zurück. Der Gewinn, der auf Franz Josef Strauß allein 1964 über Eureco entfiel, war dennoch stattlich: 22 229,55 DM. Die Einkünfte wurden, soweit zu sehen, ordentlich versteuert.

Geheimnisumwittert: Welches Erbe hat FJS seinen Kindern hinterlassen

Strafrechtlich relevant war in den 1960er-Jahren so ein Verhalten nicht. Strauß beging offenbar nie den Fehler, privat die Hand aufzuhalten und gleichzeitig Firmen Aufträge zuzuschanzen, betont Möller. Auch nicht während seiner Zeit als Bundesverteidigungsminister, als das Ministerium den Starfighter bestellte und davon BMW, MAN oder Messerschmitt profitierten – Firmen, die später Verträge mit Eureco abschlossen.

Dass die Familie Strauß zunehmend vermögend wurde, lag auch an Marianne Strauß, eine gelernte Volkswirtin, die als Brauereibesitzerstochter eine Menge Eigenkapital mit in die Ehe brachte.

So kaufte sie auf beider Namen, aber zum Teil von ihrem Erbe, ein Anwesen an der CòCôte d’Azur. Manchmal verspekulierte sich das Ehepaar – als der Erlös aus dem Verkauf eines Schwabinger Mietshauses in Kanada reinvestiert wurde, gab es einen herben finanziellen Verlust. Freilich: „Andere Immobilienkäufe oder Geldanlagen in Wirtschaftsunternehmen waren erfolgreicher“, schreibt Möller. Eine solche Beteiligung war wohl, dass Strauß 1978 mit 15 Prozent als stiller Teilhaber bei der Contas-Werbegesellschaft seines Freundes Walter Schöll einstieg – was ordentlich Gewinn abwarf, jährlich 70 000 DM, schätzt Möller.

Rechtlich unangreifbar, im Stil aber zweifelhaft war schließlich, dass Strauß 1984 über die Baur-Stiftung Testamentsvollstrecker wurde. Er ließ einen Juristen der Staatskanzlei prüfen, ob das statthaft sei – und bekam eine positive Antwort, weil „die Ausübung eines Testamentsvollstreckeramtes“ nicht mit der Arbeitszeit eines Ministerpräsidenten kollidiere. So strich er hohe Summen, 250 000 bis 300 000 DM jährlich, ein.

Geheimnisumwittert ist schließlich, welches Erbe Franz Josef Strauß seinen Kindern nach seinem Tod 1988 hinterlassen hat. Behauptungen über sagenhafte 300 Millionen DM, die der Strauß-Kritiker Wilhelm Schlötterer in Umlauf brachte, wurden gerichtlich untersagt. Historiker Möller, der den Erbschein einsehen durfte, weist die 300 Millionen weit weg ins Reich der Legenden, sagt aber, es handele sich um ein „erhebliches Vermögen“. Die Strauß-Kinder gingen gestern zum Anwalt. Sie prüfen, gegen den „Spiegel“ juristische Schritte einzulegen. Dass ihr Papa korrupt gewesen sei, wollen sie nicht stehen lassen.

Münchner Merkur und tz haben zum 100. Geburtstag von Franz Josef Strauß eine Sonderbeilage herausgegeben. Diese können Sie hier für 1,99 Euro als E-Book herunterladen.

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