Die quälende Frage nach dem Warum

Ein Dorf nimmt Abschied von Franziska (12)

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Rote Rosen auf dem weißen Sarg: In der Kirche von Möckenlohe nahmen am Mittwoch Familie und Freunde Abschied von Franzi, die am Sonntag ermordet worden war

Möckenlohe - In Möckenlohe, dem Heimatort der ermordeten Franziska, haben Freunde und Familie am Mittwoch Abschied genommen. Die quälende Frage nach dem Warum bleibt.

Als die Glocken der Maria-Himmelfahrts-Kirche in Möckenlohe erklangen, stiegen hunderte rote Luftballons in den wolkenverhangenen Himmel. Rote Herzen mit letzten Grüßen für die ermordete Franziska ...

Die kleine Dorfkirche konnte all die Gäste gar nicht fassen, die am Mittwochnachmittag Abschied von der zwölfjährigen Schülerin nehmen wollten. Über Nacht war der weiße Kindersarg in der Aussegnungshalle auf dem Friedhof aufgebahrt worden. Auf dem Bild neben dem Kreuz lacht Franziska unbeschwert. Und so erinnerte dann auch Pfarrer Sebastian Bucher an das Mädchen: „Sie hat gern gelacht, gesungen und getanzt. Sie genoss ihr Leben und half anderen, ihr Leben zu genießen.“

Kein Wort sollte an den Täter erinnern, der Franzi nur wenige 100 Meter von der Kirche entfernt aufgelauert und in seinen Wagen gezerrt hatte. „Uns fehlen die Worte, warum gerade Franziska durch ein Verbrechen aus dem Leben gerissen wurde“, sagte Ortspfarrer Ulrich Hildebrand nur.

Tatsächlich sind die schrecklichen Umstände ihres Todes auch drei Tage nach dem Leichenfund im Ratheiweiher Ortsgespräch. „Das ist ein Hammerschlag“, gestand Pfarrer Hartmann im tz-Gespräch vor dem Requiem: „Das wird uns noch lange beschäftigen und ist mit dieser Verabschiedungsfeier nicht abgeschlossen.“

Seit Montag hatte sich Franziskas Klasse von der Eichstätter Maria-Ward-Schule auf diesen Abschied von ihrer Kameradin vorbereitet. Ein Trauerraum bot Platz für Gespräche. Auf der Empore der Kirche sangen sie, begleitet von Orgel und Flöte, einen irischen Segensgruß: „Und bis wir uns wiedersehen, halte Gott dich fest in seinem Arm.“ Niemand schämte sich der Tränen.

Die Polizei hatte den Friedhof weiträumig abgesperrt, damit Verwandte und Freunde ungestört blieben. Wie sehr vor allem die Eltern des Mädchens auf Schutz angewiesen sind, zeigte sich, als Franzis Mutter von Trauer gezeichnet die Kirche durch einen Seiteneingang betrat. Sie musste gestützt werden.

Täter Stefan B. sitzt in Untersuchungshaft. Nach seinem Geständnis schweigt er nun.

Warum musste Franziska sterben? „Diese Frage schreit zum Himmel“, sagte Pfarrer Bucher, der erst am Samstag Franziskas Tante auf ihrem letzten Weg in Irgertsheim begleitet hatte. Antworten gab es auch am Mittwoch keine. Nur eine Gewissheit konnte der Geistliche Franzis Freund Daniel und ihren Mitschülern mit auf den Weg geben: „Wie sie auf Erden euer Freund war, so wird sie es im Himmel sein. Sie wird euch helfen, wie sie es auf Erden tat.“ Als sich die Trauergesellschaft zerstreute, blieb ein von Franzis Klasse gestaltetes Transparent zurück: „Wir vermissen dich.“ Die Zwölfjährige wird nun eingeäschert und in den nächsten Wochen im engsten Familienkreis beigesetzt.

Der Täter schweigt nun nach dem Geständnis. „Wir ermitteln akribisch weiter“, hieß es am Mittwoch von der Polizei.

jv

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