Spott über Geretsried

Frau beschwert sich über Fronleichnamsprozession und ahnt nicht, was dann los ist

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Bei der Fronleichnamsprozession trugen die Gläubigen der Stadtkirche das Allerheiligste zu vier Altären in Geretsried. 

Eine Geretsriederin weiß nicht, was eine Fronleichnamsprozession ist und beschwert sich bei der Polizei darüber. Nicht weiter schlimm? Von wegen. Als die Sache öffentlich wurde, war im Internet der Teufel los. 

Geretsried – Deutschland schaut auf Geretsried – und spöttelt. Grund dafür ist die Meldung der Polizeiinspektion über einen „kuriosen“ Vorfall am Rande der Fronleichnamsprozession. Eine Anwohnerin hatte sich bei den Beamten über die Notwendigkeit und die störende Lautstärke der „Demonstration“ im Stadtteil Gartenberg beschwert. Diese Nachricht verbreiteten überregionale Medien – und sie löste in sozialen Netzwerken Unverständnis aus. Wer nicht wisse, was Fronleichnam ist, hätte nichts in Bayern zu suchen, so der Tenor. Und darüber beschweren dürfe sich auch niemand – die Prozession der Gläubigen gehöre ins Oberland wie die Kirchen- und Kuhglocken.

Dieser „Shitstorm“ hat Pfarrvikar Thomas Neuberger zu einer Stellungnahme veranlasst, die er auf der Facebookseite der katholischen Stadtkirche Geretsried veröffentlicht hat. „Es gibt ganz andere Dinge, über die wir uns aufregen könnten“, sagt Neuberger. „Zum Beispiel die Tatsache der Shitstorms, die Art, wie die Menschen miteinander umgehen.“

Der Pfarrvikar lobt die Polizeibeamten in seinem Kommentar, die „vorbildlich christlich gehandelt“ hätten, weil sie der Bürgerin erklärten, dass hinter der Prozession der in Bayern geltende Feiertag steckt. Und er lobt die Bürgerin, die nicht im Kreis der Familie über die „Demonstration“ geschimpft hat, sondern auf die Polizei zugegangen ist und ihre Meinung damit öffentlich gemacht hat.

Dass die Prozession beobachtet wird, ist für Neuberger nicht ungewohnt. Viele Zaungäste würden interessiert schauen, einige aber auch verwundert. „Der Blick ,Was soll das?‘ gehört dazu“, sagt der Pfarrvikar. Das störe ihn nicht. „Ich sehe auch vieles, was ich nicht verstehe.“

Die Polizei war eigentlich nur vor Ort, um den Verkehr zu regeln

Neben der Gartenbergerin beschäftigen die Kirchengemeinde zwei weitere Vorfälle, die sich am Rande der Fronleichnams-Prozession am vergangenen Donnerstag zugetragen haben. „Am Johannisplatz hat jemand laut Rockmusik aufgedreht, als wir gekommen sind“, berichtet Pfarrvikar Neuberger. „Ein anderer hat als Reaktion auf die Prozession seinen entblößten Hintern vom Balkon gestreckt.“ Davon hat die Polizei nichts mitbekommen – die übrigens nicht zur Begleitung oder zum Schutz vor Ort waren, sondern lediglich, um den Verkehr zu regeln. „Ortsübliche Prozessionen sind nicht erlaubnispflichtig“, erklärt Emanuel Luferseder, stellvertretender Leiter der Geretsrieder Inspektion. Mit den Wellen, die die Polizeimeldung geschlagen hat, haben die Beamten nicht gerechnet. „Die Kollegen haben den Medien die Nachricht als ,Kurioses‘ an die Hand gegeben, weil ihnen so etwas bisher noch nie untergekommen war“, erläutert Luferseder. Es sei aber nicht die Tatsache gewesen, dass die Frau nicht wusste, dass eine Fronleichnamsprozession abgehalten wurde, sondern dass sie auf die Erklärung der Polizei mit Unverständnis reagierte.

Dennoch: „Es ist ihr gutes Recht, ihre Meinung zu äußern“, betont der Polizeihauptkommissar. Das sei kein Grund, jemanden im Internet zu diskreditieren oder zu beleidigen. Auf die Kommentare im Netz achtet Luferseder ohnehin nicht. Die könne man „zu 80 Prozent ungesehen in die Tonne treten“. Dass es „ein Gesetz geben muss, dass Beleidigung und Häme im Netz verbietet, sagt doch schon alles, oder?“

sw

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