Prozess wegen Steuerhinterziehung

Frau erstöhnt sich drei Millionen Euro - Geld futsch

Mit Telefonsex zur Millionärin – das ist in Bayern glatt möglich

München - Bruni B. (56, Name geändert) nennt sich schlicht Bürokauffrau. Allerdings eine, die in wenigen Jahren mit sexy Stöhnen mehr verdient haben soll als die meisten im Leben. Problem: Mit der Steuer nahm's Bruni nicht so genau.

Sie wirkt so gar nicht, wie es ihre Kunden gerne glauben würden. Klein, schmächtig, Typ biedere Hausfrau. Und bescheiden dazu, denn Bruni B. (56, Name geändert) nennt sich schlicht Bürokauffrau. Allerdings eine, die in wenigen Jahren mit sexy Stöhnen mehr verdient haben soll als die meisten im Leben. Die Anklage vor der Wirtschaftsstrafkammer beim Landgericht Landshut wirft der Niederbayerin nämlich vor, von 2005 bis 2009 in Passau mit ihrer Sex-Hotline Umsätze in Höhe von rund drei Millionen Euro gemacht zu haben. Dafür wäre einiges an Steuern fällig gewesen. Die Betonung liegt auf wäre …

Denn in all den Jahren, so die Anklage, habe die Frau keine Abgaben an den Staat entrichtet. Aufgerechnet: knapp 400 000 Euro Umsatzsteuer, 443 000 Euro Einkommens- und 203 000 an Gewerbesteuer. Insgesamt über eine Million.

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Der Prozessauftakt gestaltete sich schwierig. Bruni B. fühlte sich verhandlungsunfähig. „Ich bin manisch-depressiv und habe gerade einen Aufenthalt im Bezirkskrankenhaus hinter mir.“ Tabletten, die sie nähme, verursachten ihr große Magenschmerzen. Doch sie befolgte ein wenig den Rat des Vorsitzenden Richters Alfons Gmelch. „Es wäre sicherlich hilfreich, wenn der Mühlstein, der Ihnen wegen des Verfahrens im Magen liegt, aus dem Weg geräumt wird.“

Ihr Lebenslauf war dann gespickt mit der Aufzählung von Krankheiten, Unfällen und unermüdlichen Fleiß, den sie in ihrem bisherigen Leben an den Tag gelegt habe. Ihre Lehre als Bürokauffrau habe sie wegen eines schweren Unfalls nicht abschließen können. Danach habe sie sich mit Gelegenheitsarbeiten und als Fabrikarbeiterin durchgeschlagen. Für ihre zwei Kinder habe sie allein gesorgt. Im Jahr 2000 habe sie dann bei einer Bekannten, die bei Passau einen speziellen Telefonservice betrieb, angefangen: „Die hat jemand für die Nachtschicht gesucht. Da habe ich dann 21 Stunden am Tag gearbeitet.“ 2003 habe sie sich dann selbstständig gemacht und das Gewerbe angemeldet.

Doch zur Anklage sagte sie nichts. Derzeit lebt Bruni B. wieder in bescheidenen Verhältnissen, die Millionen sind verschwunden. Ein Beamter des Finanzamtes Passau konnte zum Verbleib wenig beitragen. „Wohin die Einnahmen geflossen sind, konnte nicht geklärt werden.“ Auffallend sei gewesen, dass sie kontinuierlich Abhebungen im unteren vierstelligen Bereich getätigt habe. Ging es hier um Schutzgelder, Geldwäsche? Beides wies die Angeklagte zurück. Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt.

ws

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