Schlaganfall bei Bayerns letzter Cowboy

Fred Rai: Der Pferdeflüsterer stirbt beim Ausritt

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Fred Rais Welt waren Pferde und Musik; für einen spektakulären Auftritt wie 1999 im Hofbräuhaus war er stets zu haben.

München - Am kommenden Freitag wollte er wieder die Tore zu seiner Western City öffnen. Doch wenn am 1. Mai die Saison in dem Freizeitpark bei Dasing im Kreis Aichach-Friedberg beginnt, wird Fred Rai fehlen.

Bei einem Ausritt gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Tessa Bauer in der Nähe des Parks starb der 73-jährige Gründer am Freitagabend. Vermutlich erlitt er bei einem Ausritt einen Schlaganfall, stürzte vom Pferd und konnte auch vom sofort alarmierten Notarzt nicht mehr gerettet werden.

Fred Rai war bekannt als Pferdeflüsterer, singender Cowboy, Sänger sowie als Gründer und Intendant der süddeutschen Karl-May-Festspiele, die er seit 2005 in Dasing veranstaltete und die heuer am 27. Juni mit Der Schatz im Silbersee beginnen sollten. Natürlich mit Fred Rai, der gerne in die Rolle des Bösewichts schlüpfte. In diesem Sommer wollte er als Colonel Brinkley auftreten, der vor keiner Missetat zurückschreckt.

Hoch zu Ross im Hofbräuhaus

Für die Festspiele hatte Fred Rai, der als Manfred Raihle geboren wurde, immer wieder prominente Mitwirkende gewinnen können. Wie beispielsweise Horst Janson, der mehrfach zum Ensemble gehörte und Old Shatterhand und Old Surehand mimte. Als Stargäste bei den Premieren konnte der umtriebige Intendant auch Winnetou-Darstellerlegende Pierre Briece und Ralf Wolter begrüßen, der die Rolle des Sam Hawkens gespielt hatte.

Auf Wunsch seines Vaters hatte Rai eine Ausbildung als Versicherungskaufmann gemacht und war in dieser Branche erfolgreich. Seine Liebe galt aber schon immer den Pferden, dem Westernreiten und der Countrymusic. Ab Mitte der 70er- Jahre wurde er mit seinem Pferd Spitzbub als singender Cowboy berühmt, der auch ins Münchner Hofbräuhaus hoch zu Ross einritt.

Fred Rai war aber auch ein ausgewiesener Pferdekenner und Experte für die Verhaltensweise dieser Tiere. Er prägte einen eigenen Reitstil (siehe unten) und engagierte sich im Tierschutz. Sein letztes Buch heißt Wiedersehen im Paradies. Er war überzeugt, dass nicht nur Menschen, sondern auch Tiere nach ihrem Tod weiterleben. Nun reitet Fred Rai also durch die ewigen Jagdgründe.

Das sind die Besonderheiten beim Rai-Reiten

Der ehemalige Turnierreiter erlernte auf seiner Ranch in Tombstone (US-Staat Arizona) das Westernreiten und befasste sich mit dem Verhalten der Pferde. Aus diesem Wissen heraus entwickelte er einen eigenen Reitstil, bei dem Freizeit- und Wanderreiter weitgehend auf Gebisse, Sporen und Gerte verzichten. Stattdessen werden die Tiere möglichst nur mit feinen Druck- und Gewichtshilfen gelenkt. Wichtiger Bestandteil der Lehre ist auch die positive Verstärkung durch Belohnung und entsprechende Ansprache der Tiere. 1993 gründete Fred Rai den Europäischen Pferdeschutzbund sowie die Bundesvereinigung für RAI-Reiten. Inzwischen gibt es mehrere Ausbildungsstätten in Europa. Foto: People Picture

Volker Pfau

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