Ansturm auf die Grenzbrücke

Freilassing: Das neue München für die Flüchtlinge?

+
Freiwillige kümmern sich an der Saalachbrücke um erschöpfte, verängstigte Flüchtlinge. Hier wird ein Kind betreut, dem als Schlafplatz nur die Straße bleibt.

Freilassing - Sie hatten nur noch Meter bis zum Ziel. Eine kurze Zeit, dann hätte die gefährliche Reise ein vorläufiges Ende gehabt. Rund 700 Flüchtlinge warteten in der Nacht auf Donnerstag, nach Einstellung des Zugverkehrs von Salzburg nach Bayern, auf der Saalachbrücke auf ihre Einreise nach Deutschland.

 Dort, bei Freilassing, kontrolliert die Bundespolizei. Irgendwer brachte ein Gerücht in Umlauf: Deutschland schließt die Grenze! Als dazu ein Schichtwechsel bei den Beamten für Verzögerung sorgte, folgten Tumulte. Immerhin: Dank Dolmetschern und behutsamen Vorgehens der Bundespolizei ließen sich die verängstigten Menschen beruhigen. Fatma Gürel, Ärztin aus Hallein, sagte dem ORF: „Niemand wusste, ob sie rüber dürfen. Wir haben ihnen erklärt, dass sie alle nach Deutschland kommen, es halt aber Ordnung braucht.“

Freilassings Bürgermeister Josef Flatscher befand sich da ebenfalls auf der Brücke, die Deutschland mit Österreich verbindet. „Ich bin ja schon lange hier, aber so etwas habe ich noch nicht erlebt.“ Der Vorfall blieb aber auch das einzige Negative an diesem Abend, an dem die Grenzstadt auch dank BRK und Malteser eine immense Aufgabe schulterte. 1000 Flüchtlinge kamen in einer leerstehenden Halle unter, 200 weitere in einer Turnhalle. Flatscher: „Ich muss die Freilassinger loben, wie sie helfen, wie sie Verständnis aufbringen.“

Normalerweise kommen die Flüchtlinge mit Bussen von der Grenze weg zu Sonderzügen. Diese fahren dann Einrichtungen in ganz Deutschland an. Nur falls Züge nicht zur Verfügung stehen, kommen die Menschen nach Freilassing. „Wir haben das im Griff“, sagt Flatscher, der sich gleichzeitig wenigstens ein absehbares Ende des Ansturms herbeiwünscht. „Salzburger kommen nicht mehr zum Einkaufen zu uns, Pendler müssen Geduld haben.“ Gestern warteten auf einer Grünfläche weitere 400 Asylbewerber auf eine Einreise. Mittlerweile befürchtet Flatscher, dass dies immer so weitergeht. Freilassing, für Flüchtlinge das neue München? Flatscher hofft, dass mit Ende des Oktoberfests seine Kommune entlastet wird. „Das ist aber“, so räumt er ein, „reine Spekulation.“

auch interessant

Meistgelesen

Keine Rettungsgasse: Feuerwehrlern platzt der Kragen
Keine Rettungsgasse: Feuerwehrlern platzt der Kragen
Sepp Haslinger: Wetterkerze wieder voll daneben
Sepp Haslinger: Wetterkerze wieder voll daneben
So skurril wurde der Balkan-Bandenchef überführt
So skurril wurde der Balkan-Bandenchef überführt
Meridian lässt Unglückszüge von Bad Aibling nachbauen
Meridian lässt Unglückszüge von Bad Aibling nachbauen

Kommentare