Viele Kunden verlangen schon danach

Frühstart ins Spargeljahr: Jetzt hoffen die Bauern nur noch auf typisches Aprilwetter

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Sehnsucht nach dem weißen Stängel: Am Viktualienmarkt gibt es bereits Spargel aus Bayern, wie hier bei Tatiana Kettner an Leo’s Obststandl. Momentan ist das beliebte Gewächs noch ziemlich teuer.

Die Spargelsaison beginnt heuer früh. Die ersten Stangen aus Bayern werden bereits verkauft – auch dank neuer Anbaumethoden. So richtig los geht’s in den nächsten Wochen. Die Spargelbauern hoffen nun auf typisch bayerisches Aprilwetter.

München – An Leo’s Obst-Standl am Viktualienmarkt liegt er schon in der Auslage: Spargel aus Bayern. Allerdings ist der Preis noch ziemlich happig mit rund 30 Euro fürs Kilo. Das liegt an der Anbaumethode. Der Gäuboden-Spargel aus Niederbayern wird unterirdisch beheizt, damit er früher geerntet werden kann. Das kostet. „Eine Fußbodenheizung ist schließlich auch nicht billig“, sagt Verkäuferin Tatiana Kettner und lacht. Trotzdem ist der Spargelhunger der Münchner schon erwacht: „Sobald die Sonne rauskommt, wird er gekauft“, sagt Kettner.

Alle, die ihren Geldbeutel schonen möchten, gedulden sich am besten noch ein paar Tage. Denn in der ersten Aprilhälfte dürften auch die zahlreichen Spargelhütten an den Straßen, die derzeit schon aufgebaut werden, wieder mit frischem und etwas günstigeren Spargel versorgt sein. „Wir stehen in den Startlöchern“, sagt Claudia Westner vom Spargelerzeugerverband Südbayern, die auf ihrem Gut Haslangkreit Schrobenhausener Spargel anbaut. „Spätestens Anfang nächster Woche beginnt bei uns die Ernte.“ Offizieller Anstich für den Schrobenhausener Spargel ist der 10. April, der ebenfalls bekannte Abensberger Spargel bekommt seinen symbolischen Startstich drei Tage später.

133 000 Tonnen Spargel wurden letztes Jahr geerntet

Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland rund 133 000 Tonnen Spargel geerntet, mehr als 23 000 Tonnen davon auf 349 Betrieben in Bayern. Dabei waren die Spargelpreise besonders niedrig, weil die anhaltende Hitze die Stangen stark sprießen ließ – das Angebot war größer als die Nachfrage. Für die Verbraucher ein Segen, doch die Bauern ärgerte das, weil sie ihre Ware günstig abgeben mussten.

„Für uns beginnt jetzt die fünfte Jahreszeit“
Claudia Westner, Spargelbäuerin

Heuer ist der Spargel deutlich früher dran als in den Vorjahren, weil es in Februar und März vergleichsweise warm war. „Wie sich das auf die Ernte auswirkt, hängt aber vor allem von der Witterung in den nächsten Wochen ab“, sagt Spargelbäuerin Claudia Westner. „Am liebsten wäre uns ein gesunder Mix aus Sonne, Regen und Wolken.“ Typisch bayerisches Aprilwetter eben. Nur Schnee sollte keiner mehr kommen. Doch auch die Dürre vom vergangenen Sommer könnte noch Nachwirkungen haben. „Möglicherweise werden die Stangen generell etwas dünner“, sagt Westner.

Künstliche Beheizung ist die Ausnahme

Um der Witterung nicht völlig ausgeliefert zu sein, greifen mittlerweile die meisten Spargelbauern in Bayern beim Anbau auf Folien zurück. Dabei werden die sogenannten Dämme, in denen der Spargel angebaut wird, mit einer oder mehreren Schichten Plastikfolie abgedeckt, die je nach Bedarf die Sonnenwärme speichert oder reflektiert. Denn nicht nur die Kälte kann dem Spargel schaden – bei zu viel Wärme drohen die Stangen innen hohl zu werden. „Im Prinzip schafft man sich so ein Mini-Gewächshaus“, erklärt Stefan Kirchner vom bayerischen Landwirtschaftsministerium. Die künstliche Beheizung mit Warmwasser-Leitungen im Boden ist dagegen noch die Ausnahme – sie wird auch staatlich nicht gefördert. „In Einzelfällen kann es aber für einen Betrieb Sinn machen, wenn es Abwärme gibt, die sonst nicht genutzt wird, etwa von einer Biogasanlage“, sagt Kirchner.

Schrobenhausener Spargel wie der von Claudia Westner darf grundsätzlich nicht künstlich beheizt werden. „Wir haben uns bewusst dazu entschieden, dass unser Spargel ein saisonales Produkt bleiben soll.“ Für Westner gehören die weißen Stangen einfach zum Frühjahr. „Für uns beginnt jetzt die fünfte Jahreszeit. Wir freuen uns drauf.“ Und mit ihr viele Bayern, die schon jetzt nur noch daran denken können, ob sie den nächsten Spargel mit einer deftigen Sauce Hollandaise oder doch lieber mit zerlassener Butter genießen sollen.

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