Fußballer rastet aus: Spielabbruch

Bad Tölz - Mit einem Eklat endete am Samstag das A-Klassen-Lokalderby zwischen dem SV Wackersberg und dem SC Rot-Weiß Bad Tölz: Nach einer unfassbar brutalen Attacke wurde das Match beim Stand von 3:1 für Bad Tölz abgebrochen.

Die schönste Nebensache der Welt hat am Samstag ein paar Sprünge erhalten. Dass das Geschehen kurz vor der Pause völlig aus den Fugen geraten könnte, war indessen zunächst nicht abzusehen. In einem zwar kampfbetonten, aber nicht wirklich unfairen Spiel hatten die favorisierten Tölzer einen 3:1-Vorsprung herausgeschossen, und größere Zweifel, dass die deutlich überlegenen Kreisstädter am Ende gewinnen würden, gab’s wohl weder bei Spielern noch den etwa 100 Zuschauern. Doch dann überschlugen sich die Ereignisse.

Als sich eine Flanke in den Strafraum senkte, fiel der Wackersberger Abwehrspieler Norman Klein, in einer Spielertraube bedrängt von einem Angreifer, schreiend zu Boden. Einen Wimpernschlag später trat der 39-Jährige seinem Kontrahenten von hinten in die Beine. Dies war der Auftakt zu einer Szene, die wohl alle Beteiligten so bald nicht vergessen werden:

Die “besten” Tätlichkeiten im Fußball

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Wie von Sinnen ging der Tölzer auf seinen im Gras liegenden Rivalen los. Ein Fußtritt, und noch einer und noch einer. Und dann drosch der 25-Jährige weiter mit den Fäusten auf den Wehrlosen ein – bis ihn ein besonnener Mannschaftskamerad von seinem Opfer wegriss. Klein, der dem Vernehmen nach Prellungen erlitt, wurde wenig später ins Krankenhaus gebracht, wo er über Nacht zur Beobachtung blieb. Die Polizei nahm die Ermittlungen auf.

Das Spiel wurde auf Wunsch des SV Wackersberg abgebrochen. „Wir wollten deeskalieren. In dieser aufgeheizten Stimmung war ein Spielabbruch die einzig richtige Lösung“, sagt SV-Abteilungsleiter Michael Emerkofer, der zunächst um seine Fassung gerungen hatte: „Der hat zugetreten wie einer der S-Bahn-Schläger. Da ist jede Grenze weit überschritten worden.“ So sieht’s auch SV-Trainer Klaus Heller: „Das war ein krimineller Akt. So etwas habe ich noch nie gesehen – noch nicht einmal im Fernsehen.“

Vorwürfe gegen den Tölzer Verein insgesamt erheben die Wackersberger nicht, zumal sich Vorstand Wolfi Männer und Trainer Jens Millenet sofort entschuldigten. „Die können ja auch nix dafür“, sagt Emerkofer, fordert aber auch, „dass die Rot-Weißen entsprechende Konsequenzen ziehen“.

Wie Millenet berichtet, sei der Täter in der Kabine den Tränen nah gewesen. Der Spieler habe sich bei seiner Mannschaft für seinen Ausraster entschuldigt. Ob es über die sport- und strafrechtlichen Maßnahmen hinaus seitens des Vereins Konsequenzen gibt, ist noch offen. „Wir werden erst mal ein Gespräch führen und dann entscheiden“, kündigt Wolfi Männer an. Er verurteile die Tat auf das Schärfste, sagt der Vorstand, gibt aber auch zu bedenken, dass seine Spieler, besonders jene mit Migrationshintergrund, provoziert worden waren. Millenet geht so gar noch einen Schritt weiter: „Der Rassismus, der uns entgegengeschlagen ist, hat mich doch sehr verwundert.“

von Hans Staar

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