„Kuchen verteilt“

G7-Gipfel: Unternehmer rechnen mit harten Tagen

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In Schloss Elmau findet heuer der G7-Gipfel statt.

Garmisch-Partenkirchen - Die Politiker tagen abgeschottet in einem abgelegenen Tal. Gar nicht einsam wird es während des G7-Gipfels hingegen in Garmisch zugehen. Die örtliche Wirtschaft erwartet dennoch kaum Impulse.

Wenn Angela Merkel, Barack Obama und Co. Anfang Juni auf dem G7-Gipfel in Schloss Elmau Weltpolitik machen, wird das nahe gelegene Garmisch-Partenkirchen aus allen Nähten platzen. Rund 5000 Journalisten bauen dann ihre Arbeitsplätze im Eissportzentrum auf, und auch von den 15 000 Sicherheitskräften werden viele in der beschaulichen Marktgemeinde untergebracht. Dennoch sind sich Ladenbesitzer, Unternehmer und Politiker einig: Außer den Hoteliers wird an dem Treffen der Staats- und Regierungschefs sieben führender Industrienationen kaum jemand verdienen. Die Hoffnungen ruhen auf dem touristischen Werbeeffekt.

„Wir nehmen an, dass wir einsam sein werden“

„Die Erfahrungen aus Heiligendamm haben gezeigt, dass der Einzelhandel eher mit problematischen Tagen rechnen muss. Die Region ist mit Journalisten und Politikern bestückt, die arbeiten müssen - aber kaum Zeit haben, um durch die Fußgängerzone zu flanieren“, erklärt Wirtschaftsreferent Claus Gefrörer (CSU). Die Werbegemeinschaft Garmisch-Partenkirchen rechnet ebenfalls mit Umsatzeinbußen: „Wir nehmen an, dass wir einsam sein werden“, sagt die Vorsitzende Michaela Nelhiebel.

Auch der G7-Gipfel selbst, mit benötigten Dienstleistungen von der Versorgung bis zur Entsorgung, wird nach Einschätzung des Gewerbeverbands kaum Impulse bringen. „Das große Geld wird von unseren örtlichen Mittelständlern nicht gemacht“, ist der Vorsitzende Florian Möckl überzeugt. Die Organisation des Gipfels liege in den Händen eines Berliner Unternehmens. „Wir haben das Gefühl, dass die größten Stücke des Kuchens schon verteilt sind, bevor man überhaupt eine Chance hat, von hier aus etwas zu ergattern.“

Auch in der Gastronomie dürfte es keinen großen Umsatzschub geben, da die Stäbe der Politiker ebenso wie Journalisten und Sicherheitskräfte mit Essen und Trinken versorgt werden. Bei der Hotellerie sieht es hingegen anders aus: „Es wird eine sehr gute Auslastung sein, davon bin ich überzeugt“, betont Tourismusdirektor Peter Ries.

Einbußen für Gemeinde: Politiker zahlen keine Kur-Abgaben

Im Gemeindesäckel wird sich der Andrang auf die Betten aber nicht positiv bemerkbar machen, im Gegenteil: „Wir müssen gehörige Abstriche machen bei den Kur-Abgaben“, berichtet Gefrörer. Denn weder für die Sicherheitskräfte noch für die anderen Beteiligten wird die sonst übliche Abgabe von zwei Euro pro Nacht und Nase fällig. Der Grund: Die Abgabe trifft nur Gäste, die „zu Kur- und Erholungszwecken“ anreisen - nicht aber diejenigen, die arbeiten müssen. Die Politiker in der Region sind darüber nicht ganz glücklich, werden aber durch höhere Fördersätze für bestimmte Infrastrukturmaßnahmen besänftigt.

Aber: Werbung für die Tourismusregion

Noch mehr als über die willkommenen Zuschüsse dürften sie sich über die kostenlose Werbung freuen; der Tourismus ist eines der wichtigsten Standbeine der örtlichen Wirtschaft. „Wir erhoffen uns, dass die Medien im Rahmen der Berichterstattung die gesamte Urlaubsregion um die Zugspitze erwähnen und ins Bild nehmen“, sagt etwa Gefrörer. Bislang wird die Region vorrangig als Winterdestination wahrgenommen - der G7-Gipfel soll sie nun auch als lohnenswertes Ziel für einen Sommerurlaub bekanntmachen.

Es ist eine landschaftlich reizvolle Gegend, aus der sich Deutschlands höchster Berg erhebt. Zwischen schroffen Felswänden sind tiefen Klammen eingeschnitten, Seen glitzern, windschiefe Heuhütten schmiegen sich in saftige Almwiesen. Es sind solche Bilder, die die Touristiker transportieren wollen. Bilder von Krawallen, von steinewerfenden Demonstranten und prügelnden Polizisten wären hingegen eine Katastrophe.

Angst vor Ausschreitungen: Viele Häuser versichert

Dennoch gibt es sogar einen Wirtschaftszweig, der von der Angst vor Ausschreitungen profitiert. „Viele, die Häuser besitzen, haben eine Versicherung gegen innere Unruhen abgeschlossen“, sagt Nelhiebel. „Auch Privatleute, die in der erwarteten Demonstrationsgegend wohnen, denn viele Leute haben an ihren Häusern ja schöne Gemälde.“ Solche Fassadenmalereien zu restaurieren, ist im Fall der Fälle deutlich teurer, als Farbbeutel-Kleckse weiß zu übertünchen.

Überhaupt keine Chancen auf zusätzliche Geschäfte rechnen sich hingegen die Andenkenhändler aus. „Ich glaube nicht, dass der Markt da ist“, meint etwa Rudi Simon von der T-Shirt-Factory. „Touristen werden keine hier sein, die Sicherheitskräfte werden kaum Souvenirs kaufen, und die Demonstranten werden mit Bussen rein- und rausgefahren.“ Mit ironischem Unterton fährt er fort: „Putin kommt nicht - schade, die Russen kaufen sehr gut -, und Barack Obama hat nicht viel Zeit.“ Guido Koss vom Souvenirladen Froschkönig zieht aus der erwarteten Flaute Konsequenzen: „Ich werde die Chance nutzen, zumachen und mal über ein längeres Wochenende wegfahren - das geht sonst ja nie.“

dpa

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