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G7-Gipfel: Rosenheimer Bundespolizei-Chef im Interview – Ordnungshüter vor Mammutaufgabe

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Von: Michael Weiser

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Demonstranten und Polizisten am 07.06.2015 in Garmisch-Partenkirchen (Bayern) bei einer Demonstration im Rahmen des G7-Gipfels.
Ein Bild vom letzten G7-Gipfel im Jahr 2015: Hunderte Gipfelgegner marschierten damals von Garmisch in Richtung Elmau – begleitet von der Polizei. © Christian Charisius/dpa

Der G7-Gipfel in Elmau ist eine Herausforderung für alle Beteiligten. Ludger Otto, der Leiter der Bundespolizeiinspektion in Rosenheim, erklärt im Interview, worauf es bei den Vorbereitungen ankommt.

Rosenheim/Elmau – Eigentlich leitet er die Bundespolizeiinspektion in Rosenheim, momentan ist er dort aber kaum noch zu sehen. Ludger Otto muss in München die Vorbereitungen für den G7-Gipfel im Juni in Elmau (Landkreis Garmisch-Partenkirchen) koordinieren. Im Interview berichtet er darüber, wie sich die Polizei vorbereitet, und verrät, was aus seiner Sicht ein Einsatzerfolg wäre.

Sie waren bereits bei den Vorbereitungen zum Gipfel 2015 dabei und wissen, wie es läuft. Ist die Vorbereitung schon Routine?

Otto: Das ist nun schon was anderes. Weil ich dieses Mal Leiter des Vorbereitungsstabes der Bundespolizeidirektion in München bin. Derzeit ist alles im Fluss, aber wir sind im Plan. Im Vergleich zu 2015 haben wir dieses Mal deutlich weniger Vorlaufzeit. Der Gipfel 2015 ist fast anderthalb Jahre vorher bekanntgegeben worden. Dieses Mal verkündete Bundeskanzler Olaf Scholz erst im Dezember, dass das Staatschef-Treffen wieder in Elmau stattfindet. Es gab zuvor schon unbestätigte Gerüchte, die dadurch aufgekommen waren, dass die Polizei des Freistaats Bayern und die Bundespolizei Hotelzimmer angemietet haben. Aber offiziell war das erst kurz vor Weihnachten. Noch im Dezember haben wir begonnen, einen Vorbereitungsstab aufzubauen, der Anfang Januar dann voll arbeitsfähig war.

Wer unterstützt Sie bei dieser Mammutaufgabe?

Otto: Wir haben in München einen Vorbereitungsstab, der so um die 30 Mitarbeiter umfasst. Mit Kolleginnen und Kollegen aus ganz Deutschland, die entweder eine besondere Expertise haben oder schon im Vorbereitungsstab 2015 waren. Wir haben ein gutes Team zusammengestellt, das sehr zielorientiert und mit viel Elan arbeitet. Es wird natürlich nicht alles im Vorbereitungsstab in München geplant, sondern auch in den Dienststellen, die dann sogenannte Einsatzabschnitte bilden. Diese haben Planungsgruppen zusammengestellt. Auch das Präsidium in Potsdam wirkt mit.

G7-Gipfel in Elmau: „Es geht nicht ums Verhindern von Demonstrationen“

Warum eigentlich schon wieder Elmau?

Otto: Ich kann nur mutmaßen, dass es mit der kurzen Zeit der Vorbereitung zusammenhängen könnte. Und natürlich auch mit dem Wissen, dass der Gipfel 2015 sehr friedlich und ohne gewalttätige Demos verlaufen ist.

Rechnet man mit größeren Demonstrationen und Auseinandersetzungen?

Otto: Im Skistadion in Partenkirchen werden schon Arrestzellen in Containern eingerichtet. Dieser Aufbau liegt aber nicht in unserer Verantwortung, sondern in der Landespolizei, die dort eine Gefangenensammelstelle einrichtet. Natürlich werden wir sie mitnutzen können. Das gab es 2015 auch schon. Trotzdem sage ich: Der größte Einsatzerfolg bei einer solchen Großveranstaltung ist es, wenn wir hinterher sagen können, dass wir wenig zu tun hatten. Es geht auch immer um Prävention.

Da wäre es doch begrüßenswert, wenn in der Zeit des Gipfels überhaupt niemand ins Voralpenland reist.

Otto: Es geht uns wohlgemerkt nicht ums Verhindern von Demonstrationen. Das Recht auf Meinungsäußerung ist in der Verfassung verankert. Die Bundespolizei ist aber vor allem zuständig für grenz- und bahnpolizeiliche Aufgaben. Wir werden durch Kontrolle, Überwachung und Aufklärung polizeibekannte Gewalttäter, die etwa mit der Bahn oder über die Grenzen anreisen, möglichst schon bei der Anreise feststellen. Beim G20-Gipfel in Hamburg gab es ja gewalttätige Auseinandersetzungen, das waren nicht nur Personen aus Deutschland, da kamen auch viele Personen aus den Nachbarländern.

G7-Gipfel in Elmau: Rosenheimer Bundespolizeichef – Hamburg „hat mich erschreckt“

Hamburg hat gezeigt, wie ein Gipfel aus den Fugen geraten kann. Bereitet Ihnen das schlaflose Nächte?

Otto: Nein. Aber erschreckt hat mich damals, welche Dimensionen an Gewalt zu sehen waren. Da macht sich jeder seine Gedanken, weil jeder weiß: Ich hätte bei diesen Einsätzen auch dabei sein können. Für mich war das in Deutschland in diesem Ausmaß bis dahin nicht vorstellbar.

Wie ist denn das Echo auf den anstehenden Gipfel? Eher „Nicht schon wieder“ oder Begeisterung?

Otto: Ich kann da nur aus persönlicher Sicht sagen: Auf der einen Seite ist es eine immense Mehrbelastung für die Polizei. Wir haben insgesamt schon gut zu tun, weil beispielsweise ja auch Maßnahmen im Zusammenhang mit der Ukraine auf uns zukommen. Auf der anderen Seite verspüre ich bei den Mitarbeitern in meinem Team eine gewisse Vorfreude, weil es auch eine Herausforderung ist, so einen Einsatz vorzubereiten.

G7-Gipfel in Elmau: Sicherheit in der Pandemie – Testkonzepte werden entwickelt

Leiden Ihre Planungen unter Corona? Gibt es gerade viele Ausfälle bei der Polizei?

Otto: Wir sind dabei, entsprechende Hygiene- und Testkonzepte zu entwickeln, um eine weitere Verbreitung auszuschließen. Wir werden sicherlich etwas mehr machen, als die Infektionsregeln eigentlich vorsehen.

Sie sind neben Ihrer Funktion als Leiter des Vorbereitungsstabs noch nicht lange Chef der Bundespolizeiinspektion Rosenheim. Hätten Sie sich mehr Zeit zum Einarbeiten gewünscht, bevor so eine Großaufgabe kommt?

Otto: Es ist nicht so, dass es im Bereich der Bundespolizeidirektion München nicht auch andere gäbe, die das übernehmen könnten. Bei der Europameisterschaft 2020, für die ich in der Bundespolizeidirektion München ebenfalls den Vorbereitungsstab geleitet habe, war ich an der Thematik dicht dran. Das hat sicherlich eine Rolle gespielt. Zudem bin ich gut vernetzt mit der Landespolizei, aber auch mit anderen Sicherheitsbehörden und -organisationen oder Rettungskräften. Das ist ein großer Vorteil.

Interview: Michael Weiser

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