Und das ist noch ein Schnäppchen

Wahnsinn! G7-Zaun kostet 2,2 Millionen Euro

+
Der Zaun verschwindet derzeit wieder.

Elmau - Erst waren es knapp 2, jetzt sind's 2,2 Millionen Euro, die der Zaun rund ums Schloss Elmau kostet. Ein Schnäppchen im Vergleich zu Heiligendamm.

Es gibt diese Sätze, die werden Politiker nie wieder los: Einen Zaun wie in Heiligendamm werde es nicht geben. In dieser und ähnlichen Varianten von CSU-Innenminister Joachim Herrmann im Vorfeld des G7-Gipfels versichert. Oder auch: „Wir wollen keinen festen, geschlossenen Zaun“, formuliert von Staatskanzleichef Marcel Huber (CSU).

Und dann kam doch ein solcher Zaun, der Schloss Elmau auch optisch in eine Hochsicherheitszone verwandelte. Wohlwollend formuliert, hat sich Herrmann an sein Versprechen gehalten: Anders als um das Grand Hotel Kempinski kam im idyllischen Elmau kein Draht-Bollwerk samt Beton-Fundament, sondern lediglich ein Steinschlagzaun samt Stahlseilen und Verankerungen am Boden. Die Arbeiten zum Abbau dazu laufen seit Tag eins nach dem Treffen der Mächtigen.

Tausende protestieren gegen G7-Gipfel

Bei den Kosten stimmten die Vorher-Nachher-Angaben nur fast überein. Der Zaun werde knapp zwei Millionen Euro kosten, hieß es im April. Offiziell sind daraus nun bis zu 2,2 Millionen Euro geworden. Auf- und Abbau inklusive. Das teilt das Staatliche Bauamt Weilheim auf Tagblatt-Anfrage mit. Die endgültige Abrechnung fehlt noch. „Aber mehr wird’s nicht“, sagt Leiter Michael Kordon.

Ein Schnäppchen im Vergleich zu Heiligendamm: Die zwölf Kilometer lange Sperre – in Elmau waren’s knapp sieben Kilometer – hatte 12,5 Millionen Euro verschlungen. Was wohl der aufwändigen Machart geschuldet war.

Doch auch das Modell Elmau hat durchaus Zeit und Einsatz erfordert: Etwa acht Wochen waren die Mitarbeiter der Firma Geo Alpinbau aus Tirol mit dem Aufbau beschäftigt. Vier Wochen, schätzen sie, brauchen sie für den Abbau. Zehn Männer sind aktuell in der Nähe des Schlosses beschäftigt – für sie „ein Auftrag wie jeder andere“, sagt Polier Alois Schreiber. Auch am G7-Zaun findet der Baustellenleiter keine Besonderheit.

Werbung jedenfalls will das Unternehmen mit der „technischen Sperre“, wie sie im Polizeijargon heißt, wohl nicht machen. Wieder ein Unterschied zu Heiligendamm: Hersteller Frank Neumann wollte 2008 laut einem Medienbericht „zehn Meter Musterzaun“ wieder aufstellen, als Anlaufpunkt für Touristen. In Elmau beziehungsweise Tirol dürfte daran niemand einen Gedanken verschwenden. Aber nichts werde weggeworfen, alles wieder verwendet, versichert Schreiber.  Der Freistaat beziehungsweise Bund bezahlt also – ein Déjà-vu mit 2007 – für einen Zaun, den er quasi nur geliehen hat.

kat/joho

auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Ex-Ski-Star schwer gestürzt: „Ich hatte einen großen Schutzengel“
Ex-Ski-Star schwer gestürzt: „Ich hatte einen großen Schutzengel“
Sepp Haslinger: Wetterkerze wieder voll daneben
Sepp Haslinger: Wetterkerze wieder voll daneben
So skurril wurde der Balkan-Bandenchef überführt
So skurril wurde der Balkan-Bandenchef überführt
Mutter des WM-Mörders: "Er tötet mich, wenn er rauskommt"
Mutter des WM-Mörders: "Er tötet mich, wenn er rauskommt"

Kommentare