Zeugen melden Brand

Nach jahrelangem Streit: Gamshütte in Flammen

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In Flammen: Die Gamshütte in Garmisch-Partenkirchen.

Garmisch-Partenkirchen - Ihr Ende war schon ganz nah, der Abriss hatte längst begonnen. Nun ist die Gamshütte aber viel schneller Geschichte, als gedacht. Das Traditionshaus über Partenkirchen, das jahrelang Mittelpunkt eines Streits war, stand am Dienstag vollständig in Brand.

Die Flammen und Rauchschwaden am Wank waren weithin zu sehen. Die Martinshörner der vielen Feuerwehrfahrzeuge nicht zu überhören. Schnell zeichnete sich am Dienstagnachmittag ab, dass die Kameraden zu einem Großeinsatz ausrücken mussten. Gegen 14.40 Uhr ging der Alarm ein: Die Gamshütte brennt lichterloh!

Das Feuer ist der traurige Abschluss eines unschönen Streits, der sich schon seit Jahren hinzieht. Und: Es bringt viel schneller zu Ende, was ohnehin geplant war. Die Hütte sollte bis Jahresende dem Erdboden gleichgemacht werden.

Bilder: Gamshütte steht in Flammen

Der Abriss hatte längst begonnen. Zumindest kursierten Gerüchte im Ort und Fotos durch soziale Netzwerke wie Facebook: Auf 940 Metern ist hoch über Partenkirchen nichts mehr, wie es war. Die Terrasse – längst verschwunden – und in Wänden klafften riesige Löcher.

Was er wie plant, darüber wollte sich Gamshütten-Besitzer Bernhard Raubal auf Tagblatt-Anfrage am Montagnachmittag, einen Tag vor dem Feuer, nicht äußern. Im Gegenteil: Lieber hätte er die gesamte Berichterstattung unterbunden.

Von den „wilden Zuständen“ auf der Gamshütte hatte aber auch Peter Nagel gehört. Garmisch-Partenkirchens Tourismus-Chef wollte eigentlich mit Raubal Kontakt aufnehmen. Um Informationen zu bekommen. „Wir müssen unseren Gästen ehrlich sagen, was sie dort oben erwartet.“ Eine funktionierende Hütte. „Oder eine Baustelle mit toller Aussicht“, erklärte er noch am Mittwochvormittag. Wenige Stunden später hatte sich dieses Vorhaben erledigt, da bahnten sich die Flammen ihren Weg.

Brennende Gamshütte: Fotos von den Löscharbeiten

Sie zerstörten eine gemütliche Gaststätte, die Jung und Alt mochten – weil sie im Sommer und Winter nach kurzer Wanderung zu erreichen war. Besonderer Höhepunkt auf dem Weg: eine Hängebrücke über der Faukenschlucht, die erst vor wenigen Jahren eingeweiht worden war. Aber: So schön die Idylle am Wank, so hässlich der Streit.

Der Grund der Gamshütte gehört den bayerischen Staatsforsten

Zur Erinnerung: Raubal hat die Gamshütte 2004 gekauft. Der Grund gehörte aber schon immer den Bayerischen Staatsforsten, die ihn an Raubal verpachtet haben. 2013 verschlechterte sich das Verhältnis zwischen beiden Parteien. Zu dem Zeitpunkt war der damalige Pachtvertrag schon zwei Jahre ausgelaufen – ohne dass eine Verlängerung von Raubal voranlasst worden war. Daran hatte ihn der Forstbetrieb Oberammergau, wie dessen Leiter Meinhard Süß erklärte, aber mehrfach erinnert.

Die Folge: Ein definitiv letzter Pachtvertrag, der Ende 2015 ausläuft. Der Forst wollte ohne Raubal weitermachen und gab ihm die Option, die Hütte zu verkaufen. „Doch die wurde nicht angenommen“, erklärt Süß. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass Raubal tatsächlich hätte zurückbauen müssen. Wie es von Seiten des Garmisch-Partenkirchner Rathauses heißt, sind solche Arbeiten anzeigepflichtig. Der vorgesehene Abriss war dort bekannt.

Das Ende der Gamshütte, der Wegfall eines beliebten Angebots ist für Nagel aus touristischer Sicht ein „herber Verlust“. Auch wenn dieser wohl nur zeitlich begrenzt sein wird. Für Forstchef Süß ist klar: Es soll eine neue Gamshütte geben. Eine Nachfolgewirtschaft, die von ihrer Art her „mit dem Namen in der in Verbindung gebracht wird“. Konkrete Pläne gibt es dafür bislang aber nicht.

Wie schnell die alte Hütte Geschichte sein wird, hatte auch er sich gestern Früh noch nicht vorstellen können. Feuerwehr-Kameraden aus der Marktgemeinde und mehreren Kreis-Orten kämpften gemeinsam am Wank gegen die Flammen. Die einzig gute Nachricht des Tages: Verletzt wurde bei dem spekatulären Feuer am Berg niemand.

Nadja Hoffmann

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