"Die gehören hier nicht her"

Gautrachtenfest: Trachtler wollen LaBrassBanda nicht

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Treten barfuß auf: Die Mitglieder von LaBrassBanda. 

Ruhpolding - Die Jungs von LaBrassBanda sollten eigentlich auf dem Gautrachtenfest in Ruhpolding auftreten. Doch nun wollen Traditionalisten die Band nicht spielen lassen.

Sie beherrschen ihre Blasinstrumente, sie singen bairisch, und Lederhosen ham’s auch noch an: Ja, LaBrassBanda sind zweifelsohne eine echt bayrische Kapelle. Nicht verwunderlich also, dass die Ausrichter des diesjährigen Gautrachtenfests in Ruhpolding die Burschen für einen Auftritt buchten.

Doch als dies die Chefs des Trachtenverbandes erfuhren, zog es denen regelrecht die Haferlschuhe aus: „La BrassBanda auf der Bühne– des geht gar ned!“, so der Tenor. Warum ned? Weil die ja gar keine echte Tracht anhaben und auch noch barfuß auf der Bühne stehen!

Der Musikstreit – er tobt seit Tagen. „Bei einem Gaufest wollen wir die althergebrachte, vollständige Tracht präsentieren“, erklärt Max Bertl, der Vorsitzende des Bayerischen Trachtenverbandes, seine Abneigung gegen die Musiker. Und diese würde LaBrassBanda eben nicht repräsentieren.

Max Bertl vom Bayerischen Trachtenverband.

Sein Vize wird gegenüber der tz noch deutlicher. „Wir wollen keinen Krieg, aber die gehören halt nicht aufs Gautrachtenfest“, so Vorstand Peter Eicher. Zudem sei die Band optisch unpassend („lange Haare“) – aber auch die Musik mit ihren Rockeinflüssen sei völlig fehl am Platz. „Wir hören uns ja privat auch mal moderne Sachen an – aber das passt halt einfach ned direkt auf unser Fest.“

Zur Erklärung: Für die eingefleischten Trachtler ist die Feier am 23. Juli in Ruhpolding eine Art Traditions-Schaulaufen. Da wird bei den 8000 Teilnehmern genau geprüft, ob die Trachten auch historisch korrekt sind. Immerhin ist dies schon die 124. Feier.

Heißt im Klartext: Die barfüßige Bande muss wieder ausgeladen werden. Eine Tatsache, über die LaBrassBanda-Sänger Stefan Dettl nur den Kopf schütteln kann: „Es ist eine Sache des fehlenden Respekts, nicht nur gegenüber uns, sondern gegenüber von Tausenden engagierten Trachtenvereinsmitgliedern, denen man keine eigene Meinung, kein selbst bestimmtes Heimatgefühl, keine angemessene Einstellung zum Brauchtum zutraut“, so der Musiker in einer Stellungnahme.

„Uns liegt die echte Tradition und die Pflege der bayerischen Tracht am Herzen. Und den meisten Leuten, die zu unseren Konzerten kommen, auch“, fügt Dettl an. Außerdem habe alles, was die Band spiele, seine Wurzeln in der klassischen Volksmusik. Nur: Diese Einflüsse wurden halt weiterentwickelt – und genau das scheinen die Traditionalisten partout nicht hören zu wollen.

Wie geht es weiter? Am 23. Juli wird nur in Haferlschuhen auf der Gau-Bühne getanzt werden – und dazu spielt eine züchtige Blaskapelle auf. Alle in Tracht, alle mit kurzen Haaren. Ja, wenn des ned pfundig is!

Armin Geier

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