Autohof am Wasserschutzgebiet Ranna

Nürnberg fürchtet um sein Trinkwasser

Plech/Nürnberg - Eigentlich könnte es den Nürnbergern egal sein, wenn im 50 Kilmeter entfernten Plech ein Autohof entsteht - eigentlich: Denn aus Plech bezieht Nürnberg Trinkwasser. Ein Bürgerentscheid soll Aufschluss geben. 

Ein geplanter Autohof im oberfränkischen Plech gefährdet nach Ansicht des Nürnberger Energieversorgers N-Ergie die Trinkwasserversorgung in Bayerns zweitgrößter Stadt. Man werde alle Möglichkeiten ausschöpfen, um den Bau der Tank- und Rastanlage zu verhindern, sagte eine Sprecherin. Das Gelände grenze direkt an das Wasserschutzgebiet Ranna an. Und aus Ranna komme mehr als ein Drittel des Nürnberger Trinkwassers. Die Lagerung wassergefährdender Stoffe in der geplanten Anlage und der zunehmende Lkw-Verkehr gefährdeten für das Wasser.

Der Plecher Bürgermeister Karlheinz Escher (Überparteiliche Wählergruppe) wies die Vorwürfe zurück. Der Investor werde alle nötigen Auflagen erfüllen. „Natürlich wollen wir das Wasser schützen“, sagte er. Technisch sei das machbar.

Aber der Widerstand aus Nürnberg ist nicht das einzige Problem, das die Gemeinde mit den Plänen hat - auch Teile der Bevölkerung sind skeptisch. An diesem Sonntag (24. November) soll es deshalb einen Bürgerentscheid geben. Der Gemeinderat habe sich zwar einstimmig für das Projekt ausgesprochen, betonte Escher. Dennoch habe die Kommune den Bürgerentscheid initiiert. „Wir wollen wissen: Stehen die Bürger dahinter oder nicht.“

Direkt an der Autobahnausfahrt an der A9 habe man vor einigen Jahren ein Gewerbegebiet ausgewiesen, dort gebe es bereits zwei Supermärkte und ein Schnellrestaurant. Ein Autohof stärke dieses Gebiet weiter. Außerdem verhindere man so, dass die schweren Lastwagen auf der Suche nach Parkplätzen in die angrenzenden Dörfer fahren. Geplant seien 60 Lkw-Stellplätze - seh wenig im Vergleich zu großen Rastanlagen. „Wir wollen die Anlage nicht überfrachten“, versprach Escher.

Die Landtags-Grünen kritisieren, dass umweltfachliche Stellungnahmen und die konkreten Pläne der Öffentlichkeit noch nicht zugänglich seien. Die stellvertretende Landtagspräsidentin Ulrike Gote und der mittelfränkische Abgeordnete Markus Ganserer haben deshalb einen offenen Brief an Escher geschrieben.

dpa

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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