Nach Dauerregen

Gegen Ende kommt das Katholikentags-Gefühl auf

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Gläubige beim Abendgebet auf dem Katholikentag am Freitagabend.

Regensburg - Kurz vor dem Finale bekommt der Katholikentag endlich das Gesicht, das sich Veranstalter und Gäste gewünscht haben. Ein großes, sonniges Kirchenfest unter weiß-blauem Himmel.

Zum Ende des größten Kirchenfestes der deutschen Katholiken zeigt sich Regensburg endlich von seiner Schokoladenseite: Menschen mit dem blauen Katholikentagsschal waren am Samstag in jedem Winkel der Welterbestadt zu sehen. Manche sonnten sich am Donauufer, andere genossen nach tagelangem Regen und Kälte die Wärme vor den Cafés und manche holten sich in einem der Trachtengeschäfte ein bayerisches Andenken. Jedenfalls kamen endlich auch die Geschäftsleute auf ihre Kosten und das typische Katholikentags-Feeling mit Zehntausenden Besuchern war überall in der 140 000-Einwohner-Stadt zu spüren.

Am Mittwoch und Donnerstag hatte Dauerregen den Kirchentagsgästen auf das Gemüt geschlagen, auch am Freitag war es noch recht kühl in der Oberpfälzer Stadt. Endlich Sonne, endlich Wärme - hieß es dann am Samstag auch auf dem Grieser Spitz an der Donau, wenngleich die Wege noch etwas matschig waren. Aber bereits von der Ferne weht der Geruch von gegrillten Würstchen und Steaks über die Meile.

Ursula Rosner-Mehringer leitet den Imbiss und ist trotz des verregneten Starts begeistert: „Es ist ein so niveauvolles Fest. Die Besucher sind intellektueller und leiser als bei herkömmlichen Volksfesten.“ Zwischen Wurstsemmeln und Kaffee habe sie viele Kontakte. „Es ist doch nicht alltäglich, dass wir mit Nonnen und Priestern reden“, betont sie. „Es ist ein Bereicherung hier zu arbeiten.“

Leonhard Meixner aus Hilpoltstein nahe Nürnberg ist mit seiner Frau erst am Samstag angereist. Das Ehepaar müht sich ein wenig mit dem umfangreichen Programm. „Die Auswahl ist so riesengroß. Wir können uns kaum entscheiden, wohin wir gehen wollen.“ Zunächst waren sie am Dom, um ein Konzert zu hören. „Da war es aber so voll, dass wir gar nicht reingekommen sind. So schlendern wir halt über die Meile und freuen uns auf spontane Konzerte auf dem Weg“, erläutert Meixner.

Überall in Regensburg sind Open-Air-Bühnen aufgebaut

Denn überall in der Stadt sind Open-Air-Bühnen aufgebaut. In den ersten Tagen ein trauriges Bild, nur wenige Unerschütterliche verloren sich davor und lauschten im Dauerregen den Konzerten. Am Wochenende nun ist alles ganz anders: die Ränge sind schon am Vormittag voll. „Ich hoffe, keiner ist traurig, dass heute endlich die Sonne rausgekommen ist“, begrüßt der Sänger der „Steyler Musikapostel“ das Publikum in der Ruine der Stiftskirche Obermünster.

Unterdessen schieben sich die Menschenmassen über die Steinerne Brücke. Viele der Katholikentagsgäste finde es schade, dass sich das neben dem Dom wichtigste Regensburger Wahrzeichen trotz des blauen Himmels so wenig fotogen präsentiert. Doch leider ist die älteste Steinbrücke Deutschlands seit Jahren eine Dauerbaustelle, noch bis 2017 wird das herausragende Denkmal für insgesamt 20 Millionen Euro generalsaniert.

Auf der gegenüberliegenden Seite der Donau hat Schwester Ruth Pucher sich eine besondere PR-Aktion für ihren Orden, die Missionarinnen Christi, ausgedacht. „Noch etwas für die Nasenspitze?“, fragt die Ordensfrau, die aus Bayern stammt und nun in Wien lebt. Sie verteilt Sonnenmilch, damit niemand mit einem schmerzhaften Sonnenbrand den Katholikentag verlässt. Immer wieder bleiben Gäste stehen und cremen sich ein - und manche informieren sich dann am Stand über die Missionarinnen. „Wir wollen einfach mit den Menschen ins Gespräch kommen“, sagt Pucher mit der Sonnenmilchflasche in der Hand.

dpa

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