Neun Stunden Todesangst

Die Geisel aus dem Ingolstädter Rathaus berichtet

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Der Geiselnehmer legte ein Geständnis ab.

Ingolstadt - Tatjana S. (26) berichtete zum Prozessauftakt am Dienstag mit bewundernswerter Klarheit von den schlimmsten Momenten ihres Lebens: Sie war neun Stunden in der Hand eines Geiselgangsters.

Als um 8.26 Uhr ein Unbekannter auf ihrer Büronummer anrief und nur in den Hörer atmete, wusste die 26-jährige Sekretärin sofort: Er ist es – Stalker Sebastian Q. (26), der ihr schon in den Monaten zuvor das Leben zur Hölle gemacht hatte, und der erst drei Wochen zuvor aus der Haft entlassen worden war. „Er sagte nichts. Mir war aber klar, dass er heute kommt.“

Dann stand der Lagerist auch schon in der Tür des Dritten Bürgermeisters, Sepp Mißlbeck (70). „Er hatte eine Waffe in der Hand, drohte, er habe jetzt das Sagen. Dann machte er die Vorhänge zu. Er sah sein Messer an und sagte: Das wird er heute noch brauchen.“ Neben Tatjana S. und Mißlbeck brachte Sebastian Q. noch zwei weitere Rathausmitarbeiter in seine Gewalt. Seine Forderung: ein Vieraugengespräch mit Tatjana S. über ihre „Beziehung“ – und eine Entschuldigung der Stadt, die ihm nach den Übergriffen auf Tatjana S. Hausverbot für alle städtischen Einrichtungen erteilt hatte.

Als Q. im Internet entdeckte, dass bereits die ganze Welt über seine Wahnsinnstat berichtete, wurde er wütend, Tatjana S.: „Er schrie, er schießt mir in den Kopf.“ Als sie ihn mit Blick auf das vor dem Rathaus aufgezogene Spezialeinsatzkommando (SEK) gefragt habe, wie er hier wieder rauskommen wolle, habe er geantwortet: „Wer sagt, dass ich hier rauskommen will?“

Mit gezielten Schüssen setzte die Polizei Sebastian Q. am Abend des 19. August 2013 außer Gefecht. Gestern gestand der Angeklagte alles, bat seine Geiseln über seinen Verteidiger um Entschuldigung: „Er hatte nicht vor, ihnen Schaden zuzufügen.“ Ihm droht die Einweisung in die Psychiatrie. Urteil am 24. Oktober.

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