tz-Redakteur erlebt Albtraum

Ein Geisterfahrer raste auf mich zu!

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Ihm kam das Auto entgegen: tz-Redakteur Michael Dürr (mit Hund Jogi). Kleines Bild: Horror Geisterfahrt: Scheinwerfer tauchen plötzlich vor einem auf.

Aiglsbach - tz-Redakteur Michael Dürr war am Mittwochabend auf der A93 in Richtung München unterwegs, als ihm plötzlich ein Geisterfahrer entgegen kam. Er kam gerade noch mal mit dem Schrecken davon - andere hatten nicht so viel Glück.

Mittwochabend, kurz nach 20.45 Uhr. Während der FC Bayern eben seinen Champions-League-Kick gegen Manchester begonnen hat, sitzt tz-Redakteur Michael Dürr in seinem dunkelblauen 3er BMW. Er kommt von einem Familientreffen in Regensburg und fährt auf der A 93 in Richtung München. Hund Jogi schläft auf dem Rücksitz, im Radio legt Bayern-3-Mann Matthias „Matuschke“ Matuschik auf. Die Fahrerei gestaltet sich entspannt, wohl wegen des Fußballspiels herrscht kaum Verkehr an diesem trockenen und windstillen Abend. 150 Stundenkilometer sind für diese Verhältnisse nicht zu schnell.

Plötzlich stoppt die Musik. „Wir unterbrechen für eine Falschfahrermeldung“, sagt Matuschke, doch Vielfahrer Dürr hört gar nicht so richtig hin, er denkt: „Schon viel zu oft gehört, die Sache vom Geisterfahrer.“ Erst, als von der A 93 die Rede ist, merkt er auf. Gott sei Dank wiederholt Matuschke die Meldung Wort für Wort noch einmal, danach ist klar: Wenn der Geisterfahrer tatsächlich existiert, kommt er dem tz-Redakteur aus Richtung München entgegen. Allerdings ist er noch weit weg: Matuschke hat die Ausfahrten Wolznach und Mainburg genannt, Dürr ist da noch nicht einmal auf Höhe Aiglsbach. Vom Gas zu gehen, scheint dennoch eine gute Idee. „Man kann ja nie wissen.“

Fahrzeug raste kerzengerade auf der linken Spur entlang

Tatsächlich passiert es nur einen Wimpernschlag später: Zwei Scheinwerferlichter tauchen aus dem Dunkel auf! Dürr glaubt, seinen Augen nicht trauen zu können. Er zieht seinen BMW von der rechten Spur auf den Standstreifen, da sind die Scheinwerfer auch schon vorbei. Das Fahrzeug hat sich auf einer kerzengeraden Spur befunden – Dürr meint, einen Audi in der Dunkelheit erkannt zu haben. Doch keine Schlangenlinien oder sonst etwas Auffälliges. Bis auf die Tatsache, dass das Auto quasi auf Dürrs Überholspur in falscher Richtung gefahren war!

Der tz-Mann aktiviert sofort die Freisprechanlage im Auto und wählt die 110. Es dauert gefühlt endlose Sekunden, ehe jemand abhebt. Dürr gibt durch, dass der Falschfahrer schon viel weiter ist als eben im Radio gemeldet. Und keine Minute später unterbricht Matuschke das Programm erneut. Er spricht ins Mikrofon, dass er den Geisterfahrer eben erst gemeldet habe, merkt aber, dass sich der Standort des Wagens deutlich in Richtung Regensburg geändert hat und die Verkehrsteilnehmer darüber informiert werden sollten.

"Die A 93 ist nach einem Unfall gesperrt"

Rätsel Geisterfahrt

Warum jemand zum Falschfahrer wird – es bleibt ein Rätsel. Denn, wenn sich ein Unfall ereignet, endet dieser oft tragisch – auch für den Geisterfahrer. Oder er kann, wenn er rechtzeitig die Autobahn verlässt, nicht gefunden werden. Alkohol, Drogen, Suizidabsicht oder Verwirrtheit spielen oft eine Rolle. Das bayerische Innenministeriums notierte im Jahr 2012 exakt 204 Geisterfahrten in Bayern.

„Hoffentlich verschwindet der Typ von der Autobahn, ehe etwas passiert“, denkt Dürr und atmet erstmal durch. Dass er soeben vielleicht so viel Glück wie noch nie in seinem Leben gehabt hat, dass da ein ganz großer Schutzengel auf dem Beifahrersitz gesessen hat, kommt dem 58-Jährigen dagegen nicht in den Sinn. Noch nicht. Dann ist es 21.30 Uhr, Bayern-3-Moderator Matuschik verliest erneut Verkehrsmeldungen. „Die A 93 in Fahrtrichtung München ist ab der Ausfahrt Abensberg nach einem Unfall gesperrt“, sagt er – und fügt nach einem kurzen Moment hinzu: „Oh, da war doch der Geisterfahrer!“ (siehe Bericht unten).

Jetzt, erst jetzt, krampft sich Dürrs Magen zusammen. Jetzt, erst jetzt schwitzt er und seine Hände fangen an zu zittern. „Hoffentlich“, bittet er inständig, „hoffentlich ist niemandem etwas Schlimmes passiert.“ Dürr steuert den nächsten Parkplatz an, steigt mit schlotternden Knien aus. Dass er schon lange nicht mehr gebetet hat, kann er seit Mittwochnacht nicht mehr behaupten …

mdu

Falschfahrer schwer verletzt

Der Geisterfahrer, der Mittwochabend auf der falschen Seite in Richtung Regensburg raste, hat einige Ausweichmanöver provoziert und einen Unfall verursacht. Am schlimmsten erwischte es den Mann (47) selbst: Sein Audi zog an der Ausfahrt Siegenburg aus seiner Sicht nach links, krachte fast gegen einen Sattelschlepper, rammte die Leitplanke, überschlug sich mehrmals und blieb am Ausfahrtsschild liegen. Dabei wurde der Fahrer schwer verletzt, Lebensgefahr besteht bei ihm nicht mehr.

Diesen Weg legte der Geisterfahrer auf der A93 zurück (zum Vergrößern bitte hier klicken).

Schon kurz nach seiner Auffahrt auf die Autobahn meldeten Zeugen die Gefahr. Sie sprachen von einem dunklen Audi, der „mit sehr hoher Geschwindigkeit auf der linken Fahrspur in Richtung Regensburg“ rast – aber auf der falschen Fahrbahn. Eine Streife der Polizei fuhr nahe Elsendorf auf die richtige Fahrbahn in Richtung Regensburg auf und versuchte von dort vergebens, den Geisterfahrer zum Anhalten zu bewegen. „Der hatte gut 180 Sachen drauf“, berichtete ein Sprecher der Polizei. Einige Kilometer vor Siegenburg gefährdete der Audi mehrere Autos. Einer der Fahrer, ein 34-jähriger Tscheche, konnte gerade noch ausweichen. Er geriet aber mit seinem Wagen ins Schleudern und prallte gegen die Mittelleitplanke. Der Fahrer und seine Beifahrerin (23) wurden leicht verletzt.

Dann – kurz vor der Anschlussstelle Siegenburg – zog der Geisterfahrer auf einmal nach links, also auf die richtige rechte Spur, wo die Geisterfahrt dann ihr tragisches Ende fand. Der Fahrer aus dem mittelfränkischen Weißenburg wurde von Rettern aus seinem Wrack geborgen und mit dem Hubschrauber in die Klinik geflogen.

Weshalb er zum Geisterfahrer wurde, ist derzeit Gegenstand der Ermittlungen der Polizei, doch der Mann selbst ist nicht ansprechbar. Genauso unklar ist, wie er von Weißenburg aus auf die A 93 kam: ob über Landstraßen oder über die Autobahn 9 von Ingolstadt her.

mc

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