Hobby-Okkultisten nerven Einheimische

Die Geisterkapelle vom Uhlberg

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Die Kapellenruine im Wald: Erbaut wurde das Kircherl im 15.Jahrhundert. Hier trafen sich später auch Sekten

München - Geisterjäger und Hobby-Satanisten suchen immer wieder eine uralte Kirchenruine am Uhlberg (nahe Treuchtlingen) heim – weil es dort angeblich spuken soll. Die Einheimischen sind genervt.

Wenn die Sonne untergeht, kommen sie. Sie lieben die Dunkelheit. Dann schleichen sie durch den finsteren Wald in Richtung verfallener Kapelle. Von wem die Rede ist? Von Vampiren? Zombies? Nein! Viel schlimmer: von gelangweilten Jugendlichen! Genau die suchen nämlich immer wieder gerne eine uralte Kirchenruine am Uhlberg (nahe Treuchtlingen) heim – weil es dort angeblich spuken soll. Das Problem: Die Geisterjäger und Hobby-Satanisten verirren sich regelmäßig im Gehölz, finden nicht mehr heim. Und so muss immer wieder die Polizei zur Hilfe eilen. Nervig!

Die Kapelle von innen: 26 Meter ist sie lang. In der Mitte ist noch eine Feuerstelle der letzten Besucher zu sehen

Mitte dieser Woche war es wieder so weit: Da entschlossen sich drei Burschen zu dem angeblichen Geisterort zu fahren und sich mal so richtig zu gruseln. Da die Gespensterjäger aber eher zur fußfaulen Sorte gehörten, fuhren sie mit ihrem Auto fast direkt vor die Ruine. Es kam, wie es kommen musste: Plötzlich steckte ihr Wagen im schlammigen Waldboden fest. In Horrorfilmen springt in dieser Situation dann meist der irre Serienkiller aus dem Unterholz – hier kam wenig später die rettende Polizei. Die hatten die verzweifelten Burschen nämlich gerufen, um ihnen aus dem Schlamassel zu helfen. Kein Einzelfall: Erst wenige Wochen vorher mussten die Beamten die Handys von ein paar Jugendlichen orten, weil sich die Kapellen-Pilger im Wald verirrt hatten. Und im Frühling gab es zwei ähnliche Fälle.

Was hat es nur mit dieser Ruine auf sich? Im Internet bezeichnen Hunderte Gänsehaut-Fans den Ort „als einen der grusligsten in ganz Bayern“. Soll doch dort unter anderem die „weiße Frau“ umgehen. Erstmals erwähnt wird die Kapelle jedenfalls im Jahr 1466. Hundert Jahre später wird sie während der Bauernkriege zerstört. Angeblich sollen dort damals noch schnell Schätze vergraben worden sein – gefunden hat bis jetzt niemand etwas. Einheimische sprechen heute noch davon, dass eine weiße Gestalt sowie mehrere Raben das Gemäuer nachts bewachen würden. Und dass man auch manchmal Stimmen hört …

Alles nur Legenden? Bei den Hobby-Geisterjägern gilt es mittlerweile jedenfalls als regelrechte Mutprobe, auf dem Uhlberg eine Nacht zu verbringen. „Das hältst du kaum aus“, schwärmt ein Gruselfan im Internet. Das Problem sind aber nun auch die Hinterlassenschafften der Jugendlichen. Wer zu der alten Ruine tagsüber wandert, findet dort umgedrehte Kreuze und Schmierereien an den Wänden. „Und es wird leider immer mehr“, klagt ein Heimatforscher.

Was also tun? Die Stadt Treuchtlingen hat jedenfalls nicht vor, gegen die nächtlichen Pilger irgendwie vorzugehen: „Dieser Ort hat schon immer eine hohe Anziehungskraft gehabt“, sagt Bürgermeister Werner Baum gegenüber der tz. „Früher, so vor hundert Jahren, wurden da gar Tiere geopfert. Die Besuche der Jugendlichen sehen wir eher unkritisch.“ Heißt also: Sie werden wieder kommen, wenn die Sonne untergeht …

Armin Geier

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