Jugendlicher verteilt tausende Euro

Geldsegen in Bad Tölz gibt Rätsel auf

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Im Schutz einer Unterführung habe der Jugendliche Geld an andere Jugendliche verteilt.

Diese Nachricht sorgte deutschlandweit für ungläubiges Kopfschütteln: Ein 13-Jähriger aus Bad Tölz verschenkte auf offener Straße mehrere tausend Euro – angeblich, um Freunde zu gewinnen. 

Bad Tölz– Im ersten Moment dachte Halil Polat an Falschgeld. Wie sonst sollten Kinder an 100- und 500-Euro-Scheine kommen? Doch die Banknoten waren echt. Polats eigener Sohn (13) bekam 800 Euro in bar in die Hand gedrückt. Ein 13-Jähriger aus Bad Tölz hatte sie ihm gegeben, als er am Samstagnachmittag mit Freunden in einem Wohngebiet am östlichen Ortsrand der Kurstadt spielte. Wie viele Passanten der Jugendliche noch beschenkte, kann die Polizei nicht sagen. Laut Polats Sohn waren es allein am Lettenholz elf oder zwölf Kinder.

„Er hatte das Geld in einer blauen Tasche, insgesamt waren es 30 000 Euro“, erzählt der Jugendliche, der namentlich nicht genannt werden möchte. Im Schutz einer Unterführung verteilte der Schüler die Scheine. „Er sagte, dass er zu viel Geld hat und er es nicht braucht.“ Gegenüber der Polizei behauptete der Jugendliche später, dass er auf diesem Weg neue Freunde habe finden wollen. Seine Eltern können sich indes nicht vorstellen, dass ihr Sohn von allein auf so eine Idee kam. Deshalb ermitteln die Beamten laut dem Tölzer Polizei-Chef Bernhard Gigl nun im näheren Umfeld des 13-Jährigen. Sie wollen herauszufinden, ob ihn jemand zu der großzügigen Aktion angestiftet oder sogar Druck ausgeübt hat.

Vater verständigt die Polizei

Sicher ist, dass er nicht nur am Lettenholz Geldbeträge zwischen 100 und 4000 Euro verteilte. Die Polizei gabelte ihn ein ganzes Stück von dem Wohngebiet entfernt in der Nähe der Grund- und Mittelschule Süd auf. Zu diesem Zeitpunkt hatte er laut der Tölzer Polizei noch 12.888 Euro in seiner blauen Stoff-Tasche.

Polat hatte gegen 15 Uhr die Beamten verständigt, nachdem ihm sein Sohn von dem fragwürdigen Geldsegen erzählt hatte. Dem 47-Jährigen kam die Sache sofort merkwürdig vor. Außerdem verbietet ihm sein muslimischer Glauben, Geld von Fremden anzunehmen: „Das ist eine Sünde“, sagt er.

Doch das sehen anscheinend nicht alle so: Nur rund 4500 Euro wurden bis gestern auf der Polizei-Dienststelle in Bad Tölz abgegeben – zum großen Teil dank Polats Einsatz. Der 47-Jährige verbrachte den halben Samstag damit, andere Betroffene ausfindig zu machen. „Ich hoffe, dass die Eigentümer ihr Geld zurückbekommen.“

Interesse an dem kuriosen Fall ist groß

Das sind allerdings nicht die Eltern des Jugendlichen, wie es zunächst von Seiten der Polizei hieß. „Das Geld stammt aus dem Verwandtschaftsbereich und war nur suboptimal verwahrt“, formuliert es Polizei-Chef Gigl bewusst vage – auch, um den 13-Jährigen zu schützen. Denn das Medieninteresse an dem Fall ist gewaltig. Vom „Spiegel“ bis hin zu RTL – das Telefon von Gigl stand gestern kaum still. Dem Beamten wäre es lieber gewesen, wenn stattdessen mehr Betroffene wie Halil Polat angerufen hätten. Dazu wären sie laut Gigl sogar verpflichtet: „Wir bewegen uns im Bereich der Hehlerei“, erklärt er. Denn wenn ein Minderjähriger auf offener Straße so hohe Geldbeträge an wildfremde Personen verschenke, könne man durchaus darauf kommen, dass etwas nicht stimmt, findet Gigl. Juristen sprechen im Gegensatz zu einem „gutgläubigen“ von einem „bösgläubigen Erwerb“. Solche juristischen Feinheiten sind für Halil Polat nebensächlich. Für ihn steht fest: „Das einzig gute Geld ist erarbeitetes Geld.“

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