Wenn aus Routine Lebensgefahr wird

Plötzlich zückt Mann ein Messer und droht: „Ich stech‘ euch ab“ - Polizistin schildert dramatischen Einsatz

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Mit dem Messer angegriffen: Beamtin M. Metnar erlebte bei einem Einsatz die steigende Gewaltbereitschaft gegen Polizisten am eigenen Leib.

Aus einem Routineeinsatz ist für zwei Polizisten in Vogtareuth eine lebensgefährliche Situation geworden: Ein Betrunkener griff die Beamten mit dem Messer an. Das ist in Bayern leider kein Einzelfall.

München/Vogtareuth - Es war ein Routineeinsatz: Die Polizeibeamtin M. Metnar wollte zusammen mit ihrem Kollegen einen Betrunkenen in Vogtareuth (Landkreis Rosenheim) in Gewahrsam nehmen. Plötzlich stand der Mann mit einem gezogenen Messer vor den beiden, wollte auf sie losgehen. „Ich stech’ euch alle ab, ihr Schweine!“, schrie der Betrunkene, als Metnar und ihr Kollege ihn in Gewahrsam nehmen wollten.

Im Dunkeln konnte die Polizistin in seiner Hand das Messer blitzen sehen. „Der Mann kam damit auf meinen Kollegen zu“, berichtet Metnar. Als sie am Montag im Innenministerium von dem Einsatz berichtete, stockte ihre Stimme. Selbst nach über einem halben Jahr belastet sie der Angriff sehr. Trotzdem möchte sie darüber sprechen.

Metnar überwältigt Betrunkenen mit Pfefferspray

Der Einsatz ging für sie und ihren Kollegen damals glimpflich aus. Sie blieben unverletzt. Mit einem Pfefferspray konnte die Polizistin den Täter überwältigen. Er wurde festgenommen und ist bereits verurteilt. Metnar hatte seitdem viele neue Einsätze. Ein beklemmendes Gefühl hat sie dabei nicht. „Aber ich bin vorsichtiger geworden“, sagt sie.

Ihre Geschichte ist leider kein Einzelfall. Wie Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Montag in München berichtete, hat die Gewaltbereitschaft gegen Polizeibeamten im vergangenen Jahr erneut zugenommen. „Diese Entwicklungen bereiten mir große Sorgen“, sagt der Innenminister. Bayernweit wurden 2018 insgesamt 7689 Fälle von verbaler und körperlicher Gewalt gegen Polizisten erfasst. Ein neuer Höchstwert seit 2010 - seitdem werden diese Fälle erfasst.

Zwei von drei Polizeiangreifern stehen unter Alkohol- oder Drogeneinfluss

17.367 Polizeibeamte in Bayern wurden Opfer von physischer und psychischer Gewalt. Auch das ist ein neuer Höchstwert. Rund 67 Prozent der Angreifer standen während der Tat unter Alkohol- oder Drogeneinfluss. Bei den meisten handelt es sich um sogenannte Mehrfachtäter.

Jeder Angriff gegen die Beamten sei ein Angriff gegen die Gesellschaft. „Das dürfen und werden wir nicht dulden“, betonte Herrmann am Montag. Die bayerische Polizei müsse besser geschützt werden, forderte er. Body-Cams, neue Dienstpistolen und härtere Strafen sollen Angreifer künftig abschrecken. Die Gewerkschaft der Polizei Bayern fordert zudem hohe Bußgelder bei aggressivem Verhalten gegenüber Polizei- und Rettungskräften. Werte und respektvolles Verhalten gegenüber Sicherheitskräften sollen außerdem schon in der Schule vermittelt werden. Auch Katharina Schulze, die Vorsitzende der Landtags-Grünen, fordert: „Wichtig ist, dass jeder Übergriff konsequent verfolgt und am Ende bestraft wird.“

Trotz allem, betonte Herrmann am Montag aber auch: Bayern war auch 2018 das Bundesland mit der niedrigsten Kriminalitätsrate. „Gewalt gegen Einsatzkräfte ist inakzeptabel“, sagte er und nutzte den Termin, um für einen respektvolleren Umgang mit Einsatzkräften zu appellieren.

In Regensburg kam es zu einer Auseinandersetzung zwischen Feiernden und der Polizei. Die Gruppe pöbelte und warf sogar mit Pflastersteinen nach Polizisten.

Ein Bürger wollte die Polizei dazu bringen, endlich die Wahrheit über Gewalttaten auszusprechen. Doch die schaut anders aus, als er annahm.

Franziska Konrad

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