Erhöhte Ansteckungsgefahr

Grippewelle: Halb Bayern liegt flach

München - Lokführer liegen flach, in den Notaufnahmen der Krankenhäuser herrscht Ausnahmezustand. Die Grippewelle in Bayern breitet sich immer weiter aus - und wir haben es noch lange nicht hinter uns.

Es ist ein Novum in der Geschichte der Deutschen Bahn. Normalerweise sind es Störungen an Signalen oder Oberleitungen, die für Zugausfälle sorgen. Zurzeit aber ist es die Grippewelle. Rund zehn Prozent der Lokführer der S-Bahn München sind krankgeschrieben, das sind mehr als doppelt so viele wie sonst üblich, meldete vor einigen Tagen die Deutsche Bahn. Fahrgäste müssen weiterhin damit rechnen, dass die eine oder andere S-Bahn nicht kommt. Das Virus erweist sich in vielen Fällen nicht nur als besonders hartnäckig, es breitet sich in Bayern auch immer weiter aus.

Bis zum Wochenende hatten die bayerischen Gesundheitsbehörden 2709 Influenza-Erkrankungen registriert. Das sind 2214 Fälle mehr als vor einem Jahr. Die tatsächliche Zahl der Patienten schätzen Experten weitaus höher, schon allein deshalb, weil nicht alle Patienten mit Influenza-Symptomen beim Arzt getestet werden.

Seit die Grippewelle zu Jahresanfang den Freistaat erfasst hat, zeigt die Zahl der Neuerkrankungen steil nach oben. Eine Ende ist noch nicht in Sicht. Am stärksten betroffen ist nach Angabe des bayerischen Gesundheitsministeriums derzeit die Oberpfalz. Dort waren in der Vorwoche 257 neue Fälle gemeldet worden. In Oberfranken waren es 199 neue Fälle, in Niederbayern 107.

Doch auch andernorts ist die Grippewelle längst angekommen: Der ärztliche Bereitschaftsdienst Rosenheim meldete am Wochenende mit 25 Einsätzen fast doppelt so viele wie sonst. Bei der Rettungsleitstelle Fürstenfeldbruck spricht Schichtleiter Dieter Schümann gegenüber unserer Zeitung von einer „sehr angespannten Lage“. Es sei derzeit nicht leicht, die Patienten unterzubringen. „Oft müssen wir vier oder fünf Krankenhäuser abtelefonieren, bis wir eine Zusage bekommen“, sagt er.

In München sei die Lage „angespannt, aber machbar“, so Stefan Kießkalt von der Münchner Branddirektion. Zwar hätten auch hier einige Krankenhäuser am Wochenende einen Aufnahmestopp verhängt, aber das nur stundenweise. 850 Influenza-Fälle registrierten die Münchner Behörden in den ersten fünf Wochen dieses Jahres. Im Vorjahreszeitraum waren es nur 125.

Die Grippewelle und der in Teilen von Bayern ebenfalls grassierende Norovirus bringen die Notaufnahmen in Bayerns Kliniken vielerorts an ihre Grenzen. Wartezeiten von mehr als drei Stunden, Notbetten in den Gängen, völlig überlastete Ärzte und Pfleger – alles dies ist dieser Tage keine Seltenheit. Erst am Freitag haben vier Kliniken in Nürnberg und Fürth einen Notruf abgesetzt. In ihren Notaufnahmen herrsche „Land unter“.

Siegfried Hasenbein, Geschäftsführer der Bayerischen Krankenhausgesellschaft, macht hierfür auch die sogenannten Selbsteinweiser verantwortlich. „Viele von ihnen gehören nicht in die Krankenhausnotaufnahme, weil sie klassische ambulante Notfälle sind“, so Hasenbein.

Ein weiterer Grund für die Engpässe sei die Personalknappheit. Diese resultiere zum einen aus dem Fachkräftemangel und aus Krankheitsfällen. Zum anderen liege sie an der unzureichenden Finanzierung gerade jener Fälle, die eigentlich in die ambulante Notfallversorgung statt ins Krankenhaus gehörten.

Was die diesjährige Grippewelle so gefährlich macht, ist, dass sie von einem besonders heimtückischen Erreger, dem Subtyp H3N2 des Influenza-A-Virus, getragen wird. Im Vergleich zu vergangenen Jahren ist die Zahl der schwer Erkrankten besonders hoch. Betroffen sind vor allem ältere Menschen. Im ostbayerischen Landkreis Amberg-Sulzbach sind bereits zwei Menschen an den Folgen des Virus gestorben.

H3N2, der für drei Viertel aller Erkrankungen verantwortlich ist, ist sehr variabel. Gegen ihn sollte eigentlich die Grippeimpfung schützen, tut dies aber nur bedingt. Der Grund: Das Virus hat sich, nachdem das Vakzin bereits produziert worden war, genetisch verändert. Experten raten dennoch zur Impfung, sie könne den Krankheitsverlauf lindern. Auch Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml rief zur Impfung auf: „Auch jetzt ist es dafür noch nicht zu spät.“

Beatrice Ossberger

Rubriklistenbild: © dpa

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