Stadt und Angehörige verständigen sich

Ginkgo-Mahnmal für NSU-Opfer

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So soll das Denkmal laut einer Fotomontage der Stadt Nürnberg aussehen.

Nürnberg - Nach monatelangen Verhandlungen hat sich die Stadt mit den Angehörigen der NSU-Opfer auf ein Mahnmal verständigt. Zudem soll nun jährlich ein Verständigungspreis vergeben werden.

Nürnberg will mit einem Mahnmal aus Ginkgo-Bäumen und einer Informations-Stele an die Opfer der rechtsextremen Terrorzelle NSU erinnern. Das Mahnmal solle auf einer Grünfläche in direkter Nachbarschaft der „Straße der Menschenrechte“ entstehen, sagte Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD) am Donnerstag. Auf das Konzept hatte sich die Stadt mit Angehörigen der drei Nürnberger Ermordeten verständigt. Der Einigung waren mehrmonatige schwierige Verhandlungen über Charakter und Ort des Mahnmals vorausgegangen.

Gedacht werden solle der Nürnberger NSU-OpferEnver Simsek, Abdurrahim Özüdogru undIsmail Yasar auch mit einem jährlich vergebenen und mit 30 000 bis 40 000 Euro dotierten Verständigungspreis, sagte Maly. Damit sollten Jugendgruppen ausgezeichnet werden, die sich um eine internationale Verständigung bemühten. Nürnberg verhandele mit München und der Staatsregierung darüber, eine gesamtbayerische Auszeichnung daraus zu machen. Die Stadt sei mit dem Preis den Bitten der Nachkommen der Opfer gefolgt, „das Gedenken an die Opfer in die nächste Generation zu tragen“.

Ein "Symbol der Hoffnung"

Maly verteidigte noch einmal das Konzept des aus vier Bäumen bestehenden Ginkgo-Mahnmals, das unter anderen ein Teil der Angehörigen zunächst für nicht aussagekräftig genug gehalten hatte. Drei Bäume sollten an die drei Nürnberger Opfer der rechtsextremen Terrorzelle erinnern, einer an alle anderen Opfer rechtsradikaler Gewalt. Dabei seien die Bäume „ein Symbol der Hoffnung mit einer in die Zukunft gerichteten Botschaft“. Bei einem Besuch in Nürnberg hätten sich auch die Angehörigen davon überzeugen lassen, dass der Platz am Kartäusertor ein angemessener Gedenkort sei. Das Mahnmal soll am 21. März, dem Internationalen Tag der Menschenrechte, eingeweiht werden.

Debatte über den Standort des Denkmals

Ursprünglich hatte das städtische Menschenrechtsbüro dafür den 9. September 2012 - den 12. Todestag von Enver Simsek - ins Auge gefasst. Die Debatte über den Standort des Mahnmals verzögerte den Termin jedoch. So hatte die Ombudsfrau des Bundestages für die Opfer und Hinterbliebenen der Zwickauer Terrorzelle, Barbara John, Vorbehalte gegen den Gedenkort am Kartäusertor. Gemessen an der „brutalen Form des Rassismus“ hielt sie den Ort für unangemessen. „Sowas gehört ins Zentrum, wenn man das Bekenntnis ablegen will, dass sowas nie weder in der Stadt passieren darf“, hatte sie in einem dpa-Interview gesagt.

Dem „Nationalsozialistischen Untergrund“ (NSU) werden die Morde an einer Polizistin sowie an neun Männern türkischer und griechischer Herkunft zur Last gelegt. Fünf Morde wurden in Bayern begangen - zwei in München und drei in Nürnberg. Erstes Opfer wurde am 11. September der in Nürnberg lebende Türke Enver Simsek.

dpa/lby

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