Verträge mit Kaltenbrunn schon unterschrieben

Diese Asylbewerber wollen dringend arbeiten, aber ...

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Ab nach Kaltenbrunn: Die Arbeitsverträge mit Käfer haben die Gmunder Asylbewerber längst unterschrieben. Jetzt kommt es auf das Arbeitsamt an. Hajo Fritz (l.) und Cornelia Karg vom Helferkreis bangen mit.

Gmund - Sie wollen ihren Lebensunterhalt selbst bestreiten – und dürfen nicht. Eigentlich sollten zwölf Asylbewerber ab Donnerstag im Biergarten auf Gut Kaltenbrunn arbeiten. Eigentlich.

Am Donnerstag eröffnet nach sieben Jahren Stillstand das Gut Kaltenbrunn unter der Regie von Feinkost-Großgastronom Michael Käfer. Im Biergarten und Restaurant werden Gäste ihren Schweinebraten und die Aussicht genießen, während Bedienungen Bier servieren und Tische abräumen. An dem emsigen Treiben sollten eigentlich auch zwölf Asylbewerber aus Gmund beteiligt sein. Eigentlich. Die Männer aus Eritrea und Nigeria wollen im Selbstbedienungsbereich des Biergartens arbeiten. Die Verträge mit Käfer sind bereits unterzeichnet, die jungen Männer hätten schon am Eröffnungstag loslegen sollen. Doch noch schlummern die Arbeits-Anträge irgendwo in den Weiten des Münchner Arbeitsamtes.

Für Hajo Fritz und seine Schützlinge ist die Warterei schwer auszuhalten. Der Gmunder kümmert sich ehrenamtlich um die Asylbewerber, die in seiner Gemeinde in der Seeturnhalle wohnen. Zusammen mit seinen Mitstreitern vom Helferkreis hat er sich um die Zusammenarbeit mit Käfer bemüht. Die Betreiber der Guts-Gaststätte zeigten sich von Anfang an „sehr kooperativ“, sagt Fritz. Im Personalbüro habe man die Arbeitsverträge schnell vorbereitet und jedem einzelnen Asylbewerbern genau erklärt, was ihn erwartet. Den Männern wurden 450-Euro-Jobs als Spüler oder Tischabräumer angeboten. Die kamen gut an. „Alle waren der Meinung, dass sie sich das, was sie vom Staat bekommen, verdienen müssen.“ Drei Viertel des Verdienten müssten die Gmunder Asylbewerber an die Sozialkasse zurückzahlen.

Ob sie das dürfen, steht auf einem anderen Blatt. Das Arbeitsamt müsse laut Fritz nun prüfen, ob Deutsche, EU-Bürger oder anerkannte Flüchtlinge für die Stellen in Frage kommen. Ist das nicht der Fall, kommen die zwölf Gmunder Asylbewerber zum Zug. Hajo Fritz glaubt fest daran. „Käfer hat uns gesagt, sie kriegen keine Mitarbeiter für die Jobs.“ Für das Gastro-Unternehmen seien die Asylbewerber als Beschäftigte ideal. Sie sind sehr flexibel, können spontan arbeiten, wenn beispielsweise Biergarten-Wetter ist. Und abgesehen vom Nutzen wolle Käfer gern helfen, sagt Sprecher Jürgen Welte. „Das ewige Warten ist doch schlimm für diese Menschen.“

Abwarten mag auch Hajo Fritz nicht mehr lange. Immer wieder versuchen die Mitglieder des Helferkreises und Käfer-Mitarbeiter, beim Arbeitsamt die Dringlichkeit des Anliegens vorzubringen – bisher ohne Erfolg. „Man landet in einer Warteschleife und legt nach einer Stunde genervt auf.“ Die zwölf Asylbewerber haben unterdessen den direkten Weg gewählt und sich am Montagmorgen – ihr Arbeitsvertrag gilt seit diesem Tag – zum Gut Kaltenbrunn aufgemacht. Dort musste man sie wieder heimschicken. Gegen die „administration“ (dt. Verwaltung), so hat es Fritz den Männern bei ihrer Rückkehr in die Seeturnhalle erklärt, kommt in Deutschland eben niemand an.

So sieht es in den anderen Tal-Gemeinden aus:

Tegernsee: Von den Asylbewerbern, die hier leben, konnte noch keinem eine Arbeitsstelle vermittelt werden. „Unsere Bemühungen laufen“, sagt Eva Nentwich, die im Auftrag der Nachbarschaftshilfe Tegernseer Tal die ehrenamtliche Hilfe koordiniert. Geplant sei, Praktika zu organisieren, um den Unternehmen „die Scheu zu nehmen“. Die Tegernseer Asylbewerber seien hochqualifiziert. Unter ihnen gebe es beispielweise Friseurinnen, Automechaniker und Kommunikationstechniker.

Kreuth: Eine Asylbewerberin arbeitet laut Bürgermeister Josef Bierschneider im Rahmen eines Ein-Euro-Jobs im Bauhof. Für die anderen habe man noch keine Stelle gefunden.

Bad Wiessee: Hier lebt bislang nur eine afghanische Flüchtlingsfamilie. Deren erwachsene Tochter arbeitet im Bade-Park an der Kasse.

Waakirchen: Laut Silvia Hartl hat der Kindergarten Schaftlach angefragt, ob einer der Asylbewerber im Ort als Spüler arbeiten möchte. Das werde vom Arbeitsamt derzeit geprüft. Derjenige wäre dann als Ein-Euro-Jobler bei der Gemeinde angestellt. Ansonsten sei man auf der Suche nach Arbeitgebern.

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