So war es wirklich

Gondel-Drama in Garmisch: Jetzt sprechen die Jugendlichen

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Der 16-jährige Andre S. (links, Namen geändert) hing kopfüber aus einer Gondel der Kreuzeck-Bahn. Sein Freund Thomas Z. (18) musste alles mitansehen.

München - Kopfüber hing der 16-jährige Andre S. (Name geändert) aus einer Gondel - alle glaubten an eine Mutprobe. Doch aus Spiel war Ernst geworden, erzählt Andre nun.

Aus einem vermeintlich harmlosen Spiel wurde am Montag bitterer Ernst. Der 16-jährige Andre S. (alle Namen geändert) hatte gleich mehrere Schutzengel, als er am späten Nachmittag von einer Gondel der Kreuzeck-Bahn in Garmisch-Partenkirchen mitgerissen wurde und minutenlang über dem Abgrund hing. In der tz melden sich jetzt die waghalsigen Jugendlichen zu Wort. Der unfreiwillige Stuntman: „Ich hatte riesengroße Angst.“

Der Schrecken sitzt den Münchner Schülern noch immer in den Gliedern. „Das hätte alles so schlimm enden können“, sagt Kumpel Thomas Z. „Wir haben erst viel zu spät bemerkt, was für ein blödes Spiel wir da eigentlich spielten.“ Und das ging so: Die vier Spezl machten sich am Montag gegen 15.30 Uhr mit der Kreuzeck-Bahn auf zur letzten Abfahrt. Während sie in der Gondel nach oben fuhren, schlossen sie die irre Wette ab. Wer zuletzt aussteigt, hat gewonnen. „Mein Kumpel meinte, er habe das schön öfter gespielt und da sei immer alles gut gegangen“, sagt Thomas Z.

Doch dieses Mal ging fast alles schief. Der 18-Jährige und einer der Freunde verließen die Kabine an der Bergstation noch rechtzeitig. Während sich Alex F. (16), einer der zwei verbliebenen Freunde schon damit abgefunden hatte, mit der Gondel wieder ins Tal zu fahren, wollte Andre S. in letzter Sekunde noch aussteigen. Dann begann das Drama: Mit seinem Softboot blieb der Snowboarder hängen, sodass die automatisch schließende Gondeltür seinen Knöchel einklemmte. Thomas Z.: „Wir haben sofort geschrien, dass jemand die Bahn anhalten soll. Ein Mann hat dann den Nothalt gedrückt. Wir hatten alle richtig Panik.“

Doch da hing Andre S. bereits kopfüber aus der Gondel. „Das waren bestimmt mehr als zehn Meter Höhe“, meint Thomas Z., der das Drama hilflos mitansehen musste. Zwar hatte der Stationsdienst die Bahn angehalten. Bis der Betriebsleiter im Tal aber von dem Vorfall erfuhr und die Fahrtrichtung ändern konnte, vergingen laut Thomas Z. „mindestens zwei Minuten“. Eine Ewigkeit für den eingeklemmten Schüler, der aus seinem Schuh zu rutschen drohte. Er schrie: „Bitte helft mir, ich kann nicht mehr lange.“ Kein Wunder, dass die Kräfte des 16-Jährigen schnell nachließen. Die Freunde hatten da bereits einen anstrengenden Skitag hinter sich. Thomas Z.: „Ich möchte mir gar nicht vorstellen, was passiert wäre, hätte der Schuh nicht gehalten und hätte der andere nicht von innen dagegen gehalten.“ Zur tz sagte der unfreiwillige Stuntman: „Ich weiß nur noch, wie ich mit meinem Helm auf den Betonboden geknallt bin. Dann hing ich schon in der Luft. Es ging alles so schnell.“ Als die Gondel zurück in die Bergstation fuhr, war die Erleichterung bei dem Quartett riesig. Trotzdem mussten die Schüler zum Rapport bei den Bahnbetreibern. Laut Thomas Z. haben die Freunde ihre Lektion gelernt: „Wir sind froh, dass alle lebend davongekommen sind.“

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