Wanderer verirrt sich wegen Neuschnee

Bei -10 Grad: Dramatische Suchaktion in der Nacht

+
Zu Fuß machen sich Einsatzkräfte der Bergwacht Oberau durch den Schnee auf die Suche nach dem Wanderer.

Oberau - Völlig erschöpft, nass bis auf die Haut und stark unterkühlt: Ein 33-jähriger Belgier ist von der Bergwacht mit Unterstützung von drei Hubschraubern am Krottenkopf gerettet worden.

Drei Hubschrauber hatten Kurs auf die Weilheimer Hütte im Estergebirge genommen. Aus dem Tal machten sich Kräfte der Bergwacht-Bereitschaften Oberau und Ohlstadt auf den Weg zur Kuhalm. Gemeinsam suchten sie am Freitagabend nach einem 33-jährigen Belgier, der in etwa 1700 Metern Höhe vom Weg abgekommen war. Ihm war der Neuschnee zum Verhängnis geworden. Nach einer dramatischen Suchaktion konnte der Wanderer rund zweieinhalb Stunden nach seinem Notruf im Gelände gerettet werden – erschöpft, völlig durchnässt und schon stark unterkühlt. „Die Nacht“, sagt der Oberauer Bereitschaftsleiter Josef Lohr, „hätte er ziemlich sicher nicht geschafft.“

Der 33-Jährige war am Freitag von Wallgau aus über den Wildsee und die Kuhalm Richtung Weilheimer Hütte aufgestiegen. Schon etwas spät: Er hatte in Oberau übernachtet, durch den Schneefall und die zahlreichen gesperrten Straßen war allein schon die Fahrt ins Isartal ein Abenteuer. Im Estergebirge wollte der Mann eine Kältemessstation aufstellen. Doch durch den Wintereinbruch in der Nacht lag etwa ein halber Meter Neuschnee in dem Bereich. Die Folge: Der Belgier kam vom Weg ab und fand in der Dunkelheit nicht mehr weiter. Kurz vor 21 Uhr rief er den Wirt der Weilheimer Hütte an; zu diesem Zeitpunkt war der Wanderer bereits völlig erschöpft. Der Wirt wiederum alarmierte die Bergwacht.

Da zunächst nicht klar war, ob ein Rettungshubschrauber zur Verfügung steht, stellte die Bereitschaft Oberau nach Angaben von Lohr mit zwölf Helfern Suchtrupps zusammen. Die Ehrenamtlichen machten sich mit ihrem Rettungsfahrzeug auf den Weg zur Kuhalm, um von dort aus zu Fuß nach dem Mann zu suchen. Dabei mussten sie auch zweimal umgestürzte Bäume mit der Seilwinde des Fahrzeugs aus dem Weg räumen. Damit weitere Kräfte in das Gebiet befördert werden können, banden die Oberauer drei Kameraden aus Ohlstadt mit ihrem Bergrettungsfahrzeug ein. Die Oberauer Feuerwehr stellte außerdem zwei Männer, die gegebenenfalls weitere umgeknickte Bäume beseitigen sollten.

„Der Erschöpfte konnte zunächst nicht gefunden werden, sein Zustand verschlechterte sich zusehends“, schildert Lohr die dramatische Aktion. „Der Belgier hielt Gottseidank mit dem Hüttenwirt Kontakt.“ Der Wirt forderte den gut ausgerüsteten Wanderer auch auf, seine Kleidung zu wechseln. Doch die zweite Garnitur war ebenfalls schnell nass. Und in dem Gebiet lagen die Temperaturen bereits bei rund minus zehn Grad. Die Zeit drängte also massiv. Zwischenzeitlich waren der Polizeihubschrauber Edelweiß 3, der mit einer Wärmebildkamera nach dem Belgier suchte, sowie der Rettungshubschrauber Christoph München und der Helikopter Edelweiß 7 der Polizei eingetroffen; die zweite Polizeimaschine ist mit einer Winde ausgerüstet, die den 33-Jährigen gegebenenfalls aus dem Gelände hätten holen können.

Doch kurz vor 23.30 Uhr entdeckten die Einsatzkräfte den Belgier: Der Hüttenwirt erkannte einerseits die Stirnlampe des Wanderers und andererseits die Beleuchtung der Suchtrupps – er dirigierte die Helfer zum Opfer. Und der Polizeihubschrauber erfasste den Mann mit der Wärmebildkamera. Christoph München nahm den 33-Jährigen im Bereich Angerlboden/Lochtal auf und flog ihn ins Tal. Der Notarzt der Bergwacht untersuchte den Mann, ein Rettungswagen brachte ihn zur weiteren Behandlung in das Klinikum Garmisch-Partenkirchen. Bergwacht-Bereitschaftsleiter Lohr ist erleichtert über das glückliche Ende des Einsatzes. „Wir haben selten einen Patienten“, meint er, „der so unglaublich dankbar für seine Rettung war wie der Belgier.“

Auch interessant

Meistgelesen

Sirenen: Heute um 11 Uhr Probealarm in Bayern
Sirenen: Heute um 11 Uhr Probealarm in Bayern
Allerheiligen 2017: Wie lange dauert das Tanzverbot in Bayern?
Allerheiligen 2017: Wie lange dauert das Tanzverbot in Bayern?
„Es war nicht die erste Alte, die ich umgenietet habe“
„Es war nicht die erste Alte, die ich umgenietet habe“
Nach Unfall mit Pferdekutsche nun auch Ehemann gestorben
Nach Unfall mit Pferdekutsche nun auch Ehemann gestorben

Kommentare