Hinrichtung in Wien

Granatenmord: Führt eine Spur nach Bayern?

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Der Tatort in Wien.

Wals-Siezenheim - Die Handgranatenopfer von Wien hatten Firmen in Wals-Siezenheim, gleich gegenüber von Freilassing (Kreis Berchtesgadener Land) unter der gleichen Adresse. Nahm hier das Drama seinen Anfang?

Dreihundert Kilometer sind es von der Staatsgrenze am Walserberg bis nach Wien. Dreihundert Kilometer, die für zwei Männer zwischen Leben und Tod lagen: In der Nacht auf Samstag, exakt um 2.50 Uhr, zeriss eine gewaltige Explosion die Stille im Wiener Stadtteil Ottakring. Eine Handgranate war gezündet worden – in einem BMW X5 lagen die zerfetzten Körper des Oberösterreichers Zlatko N. (45) und des aus Sachsen stammenden Horst W. (57). Wie es aussieht, sind beide Opfer eines Anschlags. Beide hatten zudem Firmen in Wals-Siezenheim, gleich gegenüber von Freilassing (Kreis Berchtesgadener Land) unter der gleichen Adresse. Nahm hier das Drama seinen Anfang?

Die Kripo in Wien steht vor einem einzigen Rätsel. Nicht nur, dass die Obduktion am Dienstag ergab, dass der gebürtige Bosnier Zlatko N. vor der Explosion mit mehreren Schüssen hingerichtet worden war, Horst W. dagegen ausschließlich aufgrund der Explosion starb und sich bei ihm keine Schussverletzungen fanden. Den Ermittlern ist auch völlig unklar, wo das Motiv für die grausame Tat liegen könnte.

Stecken mafiöse Strukturen dahinter? Der gebürtige Bosnier N., Vater von zwei Töchtern und SPÖ-Gemeinderat in Mondsee, galt in der Nachbarschaft und bei seinen Ratskollegen als zuvorkommend, höflich und hilfsbereit. Dass er in illegale Machenschaften verwickelt gewesen sein könnte, will sich in seiner Heimat keiner vorstellen. „Ein Familienmensch“, erinnert sich der SPÖ-Fraktionschef. Mit zwei Lkw war Zlatko N. im Import-Geschäft tätig. Bei seiner Firmenadresse tauchte er selten auf, zuletzt anscheinend am Freitagabend um 17.30 Uhr. Von da an hatte er keine sieben Stunden mehr zu leben.

Offenbar war er von der Firma, auf die nur ein kleines Türschild hinweist, abgeholt worden. Vielleicht sogar von Horst W., der zuletzt in Wien Schmierstoff- und Import-Exporthandel betrieb. Der BMW X5, in dem die Leichen entdeckt wurden, war jedenfalls ausgeliehen, und zwar von einem Bekannten von Zlatko N. Das Leasingauto stammt aus Bulgarien.

Im Kofferraum wurden neuwertige weiße Kanister gefunden. Leer. Sie werden auf Spuren hin untersucht. Eine Schusswaffe fand sich am Tatort bislang nicht.

Ein Fall wie im Drogen-Thriller

Waren die zwei Opfer von Wien in Drogengeschäfte verwickelt? Fakt ist: Im Dreiländer-Eck von Deutschland, Tschechien und Österreich boomt zurzeit der Handel mit der Chemiedroge Crystal Meth. Gestern bat die niederbayerische Polizei gar um Unterstützung, weil die Lage immer schlimmer wird. Ein Grund ist sicher auch die Popularität der US-Serie Breaking Bad. In ihr werden ein harmloser Chemielehrer und ein ehemaliger Schüler zu Drogenbaronen. Schnell schwimmen sie wegen Chrystal Meth in Geld. „Die wirken auf manche Kleinkriminelle wie Vorbilder“, so ein Polizist zur tz.

mc

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