Virus überrollt Bayern

Achtung, hier wütet die Grippe!

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Die Karte zeigt, wo derzeit besonders viele Patienten an Erkältungen und Grippe erkrankt sind. GRAFIK VERGRÖSSERN

München - Die einen liegen mit hohem Fieber im Bett. Die anderen quälen sich mit Husten und Schnupfen: Bayern wird derzeit von einer heftigen Grippe- und Erkältungswelle überrollt – und ein Ende scheint nicht in Sicht.

Bayerns Hausärzte haben derzeit viel zu tun: Ihre Wartezimmer sind voll von hustenden, schniefenden und fiebernden Patienten, auch das von Dr. Florian Meier in Miesbach. „Seit zwei bis drei Wochen ist es katastrophal“, sagt er. „Wir haben viele Patienten mit Erkältungen, aber auch Magen-Darm-Erkrankungen – und Influenza.“ Allein heute habe er drei Patienten behandelt, die an der echten Grippe leiden. In den vergangenen Wochen seien es wohl sogar 20 bis 25 gewesen, sagt er.

Die Influenza zwingt derzeit viele Bayern ins Bett. Allein in der vergangenen Woche sind dem Bayerischen Landesamt für Gesundheit in Erlangen 1210 Fälle gemeldet worden – die bislang höchste Zahl in diesem Winter. Besonders heftig hat es dabei Oberbayern erwischt. 485 der registrierten Fälle kommen von dort. Dazu trägt wohl auch die Landeshauptstadt bei. Aus dem dicht besiedelten München werden oft hohe Zahlen gemeldet. In der vergangenen Woche waren es 142. Zum Vergleich: In ganz Niederbayern waren es mit 149 kaum mehr.

Auch in der Oberpfalz wütet die Grippe. Hier hat man 279 Fälle gezählt. Insgesamt wurden in Bayern seit Anfang des Jahres 3311 Fälle der echten Grippe gemeldet.

Deutschland liegt flach: Die Karte zeigt, wo derzeit besonders viele Patienten an Erkältungen und Grippe erkrankt sind. Die Daten stammen von etwa 700 ausgewählten Haus- und Kinderarztpraxen.

Die meisten stammen dabei aus den etwa 150 Referenzpraxen des Berliner Robert-Koch-Instituts (RKI). Im Gegensatz zu den meisten anderen Medizinern nehmen diese Haus- und Kinderärzte bei jedem Patienten mit Influenzaverdacht einen Nasenabstrich, der später im Labor untersucht wird. Der Anteil der positiv getesteten Proben ist ein gutes Maß, um die Aktivität der Grippeviren einzuschätzen – und die ist derzeit hoch. Bei etwa 65 Prozent der eingesandten Proben werden tatsächlich Influenzaviren nachgewiesen. „Die Grippe ist angekommen“, sagt Dr. Nikolaus Frühwein, Allgemeinarzt in München und Präsident der Bayerischen Gesellschaft für Immun-, Tropenmedizin und Impfwesen. Auch seine Praxis ist voll, er hat wenig Zeit. „Das geht ganz schön rum“, sagt er. Und ja, auch er hätte schon ein paar Patienten gehabt, deren Symptome auf eine Influenza hindeuten: Im Gegensatz zu einer Erkältung, die eher schleichend beginnt, setzen die Beschwerden bei der echten Grippe schlagartig ein. Typisch sei auch hohes Fieber, nicht selten über 40 Grad, erklärt Frühwein. Manche Patienten klagen auch über Husten, Hals-, Kopf- und Gliederschmerzen.

Besonders häufig trifft es offenbar jüngere Menschen, wie der Miesbacher Hausarzt Meier beobachtet hat. Er vermutet, dass unter den Älteren einfach mehr geimpft sind. Denn nach den Impfempfehlungen des RKI rät man unter anderem allen ab 60-Jährigen und Patienten mit chronischen Erkrankungen zu einer Impfung. Sie haben ein besonders hohes Risiko für einen schweren Verlauf.

Wer sich jetzt noch impfen lassen möchte, muss wissen: Es dauert bis zu zwei Wochen bis der Körper nach der Spritze einen Impfschutz aufgebaut hat. Allerdings könne derzeit keiner vorhersagen, wie lang die aktuelle Grippewelle noch anhält, gibt Frühwein zu bedenken.

Hände waschen und Abstand halten!

Ist bereits ein Familienmitglied erkrankt, sollte man sich häufiger als sonst die Hände waschen – generell bei einer Grippewelle zu empfehlen – und ein wenig Abstand halten, rät Frühwein. Doch die Viren sind tückisch: Bereits drei bis vier Tage, bevor überhaupt die ersten Symptome auftreten, könne ein Patient einen anderen Menschen anstecken, sagt Frühwein.

Antibiotika zwecklos

Wen es erwischt hat, der könne wenig tun. Antibiotika etwa helfen gegen Viren nicht – weder gegen die Erreger der Influenza noch gegen Erkältungsviren.„Viel trinken und am besten ins Bett legen“, rät darum Frühwein. „Und gehen Sie bloß nicht in die Arbeit, sondern lassen sich krankschreiben!“

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Das gilt auch für all diejenigen, die eine Erkältung erwischt hat. Statt eine Woche husten und schniefen die Patienten in diesem Winter oft gleich zwei Wochen – und fühlen sich oft auch danach noch nicht richtig fit, wie Dr. Florian Meier beobachtet hat. Sein Dachauer Kollege Dr. Stefan Benzinger berichtet Ähnliches aus seiner Praxis: Die Patienten fühlten sich kränker. Auch komme es öfter zu Komplikationen, wie etwa einer Lungenentzündung.

Andrea Eppner

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