Mutprobe mit Höllen-Sauce: Acht Schüler in der Klinik

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Rettungskräfte beim Einliefern der Patienten in die Augsburger Kinderklinik.

Augsburg - Chili-Sauce ist eigentlich nur zum Würzen da. Doch zehn Jungs aus Augsburg-Oberhausen haben am Mittwoch den Gebrauch von Chili nicht ganz richtig verstanden - und landeten im Krankenhaus.

Chili-Sauce ist eigentlich nur zum Würzen da. Ein paar Tropfen ins Essen – und schon hat das Gericht eine Super-Schärfe. Doch zehn Jungs aus Augsburg-Oberhausen haben am Mittwoch den Gebrauch von Chili nicht ganz richtig verstanden. Unter dem Motto „Wer hält’s am längsten aus?“ tranken die 13- bis 14-Jährigen in der der großen Pause pure Chili-Sauce. Doch die Mutprobe ging völlig daneben: Wenige Minuten später hatten alle zehn Schüler starke Vergiftungserscheinungen. Acht von ihnen kamen ins Kinderkrankenhaus!

Endlich einmal eine richtige Mutprobe durchziehen, dachten sich wohl die zehn Realschüler – und bestellten im Internet eine super-starke Chili-Sauce. Die „Crazy-Gibbon“-Marke sollte es sein. Der Vertreiber warnt vor der brutalen Schärfe: „Man muss schon verrückt sein, um eine Chili-Sauce mit 553 000 Scoville zu probieren!“ Scoville ist die internationale Einheit für Schärfe(siehe Kasten). Und was die Schärfe bewirkt, schrieb der Vertreiber gleich hinzu: Wie kleine Äffchen würde man nach dem Verzehr durch die Wohnung hüpfen. Die richtige Dosierung fällt deswegen logischerweise minimal aus: ein bis zwei Zahnstocherspitzen von der Höllen-Flüssigkeit reichen satt! Völlig begeistert bestellten sich die Schüler die Sauce – und gleich als extra große Flasche.

Am Mittwoch war es dann soweit. Einer der Achtklässler brachte die Flaschen mit, gemeinsam öffneten sie die höllische Sauce. Der Mutigste traute sich zuerst! Nacheinander trank dann jeder aus der Pulle. Mit schlimmen Konsequenzen: War es den Buben erst richtig heiß, brannte es plötzlich stark im Mund. Wenig später schwitzten die Schüler, der Kreislauf raste und nach und nach ging es ihnen immer schlechter: Übelkeit, Schüttelfrost und sogar Kreislaufkollaps!

Der Notarzt musste selber erst mal schlucken, als ihm die Teenies gestanden, woher ihr Zustand rührt. „Sowas ist uns das erste Mal in zehn Jahren passierte“, sagte BRK-Sprecher Manuel Holder. Chili ist seiner Meinung nach nicht zu unterschätzen: Schnell komme es zum Kreislaufkollaps, Hautverätzungen oder gar Nierenversagen. „Es ist zwar von Person zu Person unterschiedlich, trotzdem muss man sehr aufpassen.“

AW

Die Scoville-Skala ist eine Skala zur Abschätzung der Schärfe von Früchten der Paprikapflanze. Hat eine Gemüsepaprika einen Grad 0 bis 10, liegt eine Peperoni schon bei bis zu 500 Einheiten. Die Tabascosauce wird bei 2500 bis 5000 Grad eingestuft. Das ist jedoch nichts gegenüber der Sauce, die die Buben aus Augsburg tranken. Hier lag der Scoville-Wert bei 530 000. Die schärfste Chili-Sauce der Welt The Source liegt bei 7,1 Mio. Scoville. Im Vergleich dazu: Pfefferspray bringt es nur auf 2.000.000 Scoville.

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