Am Großvenediger

Wieder stirbt ein Bergretter in der Lawine

Landkreis - Ein 29-jähriger Miesbacher ist am Montagabend in Osttirol von einer Lawine verschüttet worden. Bislang blieben alle Bergungsversuche erfolglos.

Sie hatten noch rund 400 Höhenmeter vor sich, bis zur Johannishütte, wo sie übernachten wollten. Von dort aus sollte eigentlich gestern der Gipfel des Großvenedigers (3657Meter ) gestürmt werden. Doch zur Hütte schafften es die vier Tourengeher aus dem Kreis Miesbach nicht mehr: Von oben raste eine Lawine auf die Männer zu und riss drei von ihnen mit. Zwei konnten sich retten, doch ein Miesbacher (29) wurde unter gewaltigen Nasschneemassen verschüttet. Gestern musste die Suche nach ihm abgebrochen werden. Es gibt nur wenig Hoffnung.

Damit müssen die Retter von der Bergwacht Bayern schon wieder trauern – denn wie der jetzt Verschüttete war auch der Steingadener Andi W. bei den Helfern. Der 34-Jährige war erst am Sonntag von einer Wechte mit in den Tod gerissen worden. Und Anfang März fand mit dem Rottacher Philipp H. (29) ein engagierter Bergretter den weißen Tod.

Seit Tagen herrscht in Tirol ab dem Nachmittag erhebliche Lawinengefahr (Stufe drei). Die vier Kameraden – zwei Miesbacher (29 und 59), ein Waakirchner (65) und ein Fischbachauer (67) – sahen bei Beginn der Tour zum Großvenediger zunächst aber kein Problem darin: Vormittags prognosizierte der Warndienst schließlich nur geringe Gefahr. Doch mit der Temperatur stieg auch das Risiko – und als sich die Kameraden gegen 17.30 Uhr auf etwa 1700 Metern Höhe aufhielten, verlor über ihnen der Schnee immer mehr die Bindung zum Untergrund – es kam mit rasender Geschwindigkeit eine riesige Nasschneelawine herunter. Während sich einer der Männer hinter einem Felsen vor ihr schützen konnte, wurden alle anderen mitgerissen – bis zum Dorferbach. „Einer wurde total, einer bis zum Hals und der dritte nur oberflächlich verschüttet“, sagte Alpinpolizist Günther Gasser. Zwei konnten sich selbst befreien. Zu dritt suchten sie nun nach dem 29-jährigen Kameraden.

Die Bergwachtler mussten erkennen, dass die Suche im rund zehn Meter dicken Lawinenkegel aussichtslos war. Einer von ihnen fuhr ab und holte Hilfe. Einsatzkräfte waren dann bis in die Nacht und am Dienstagmorgen aktiv. Dann musste abgebrochen werden. Grund: Durch den Temperaturanstieg war erneut mit Selbstauslösungen von weiteren Lawinen zu rechnen.

Erst am Sonntag waren im Lechtal in Tirol zwei Bergwachtler aus dem Kreis Weilheim-Schongau von einer Schneewechte mit in die Tiefe gerissen worden. Einer der beiden hatte sich tödliche Verletzungen zugezogen.

mc

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