Polizei ermittelt in Peißenberg

Grundstücksstreit eskaliert: Hütte über Nacht plattgemacht

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Reiner Dietrich (59) vor den Trümmern seiner Holzhütte: der traurige Höhepunkt in einem Grundstücksstreit in Peißenberg?

Peißenberg - Es gibt schönere Momente als jenen, Montagfrüh in die Arbeit zu kommen, zum Fenster rauszuschauen und dann feststellen zu müssen, dass das, was mal da war, nun futsch ist. Plattgemacht. Zerstört.

Wie die schöne selbstgezimmerte Blockhütte der Familie Dietrich vom Subaru-Autohaus im Gewerbegebiet von Peißenberg. Dort war auf einem Areal am Freitagabend noch jene Hütte gestanden, mit Küche, Mikrowelle, Fahrrädern und Möbel drinnen. Jetzt sind nur noch Trümmer übrig.

Das Tatwerkzeug, da­rauf weist die Spurenlage hin, könnte ein Bagger gewesen sein. Doch wer war’s und warum? Die Polizei Weilheim, für die feststeht, dass der Abriss nicht abgesprochen war, taxiert den Schaden auf 9000 Euro. Es wird ermittelt wegen Sachbeschädigung. Hintergrund dürfte ein Grundstücksstreit sein, denn der Grund und Boden ist zwar verplant, dürfte es aber nicht sein. Das erklärt Melanie Dietrich (31) so: „Auf dem Stück Land ist für uns eine Grunddienstbarkeit (siehe Stichwort) eingetragen, und zwar seit wir Ende der 1990er Jahre das Autohaus hier gebaut haben. Ohne diese hätten wir das gar nicht machen dürfen. Wir brauchen das Grundstück zwingend, um den Betrieb aufrecht zu erhalten.“ Auf dem Teil des Areals stand die Hütte, von Schwiegervater Reiner Dietrich (59) selbst aus Bohlen gezimmert.

Nun hat aber der Nachbar dieses Fleckerl Pfaffenwinkel erworben. Melanie Dietrich vermutet, „ohne zu wissen, dass auf dem Stück eben diese Dienstbarkeit liegt“. Seit dies aber klar war, wollte der Mann, ein Unternehmer, ihnen die Grundstücksrechte abkaufen, wogegen sich die Familie aber sträubt. „Wir wollen und können es nicht“, sagt dazu Melanie Dietrich. Dennoch plante der Nachbar weiter, er will zwei Lagerhallen errichten – auch auf dem umstrittenen Grundstück. Der Bauausschuss der Marktgemeinde segnete das Vorhaben Mitte Januar ab. Es liegt nun im Landrats­amt Weilheim-Schongau. Doch wer setzte den Bagger in Bewegung? „Ich war das nicht“, sagt der Nachbar der tz. Er dachte, der Vorbesitzer „habe seine eigene Hütte umgeschoben“. Es habe dazu zuvor eine Frist bis zum 8. Januar gegeben. Angeblich habe Reiner Dietrich gesagt: „Dann soll die Hütte eben weggeschoben werden.“ Und genau das wurde nach Meinung des Nachbarn gemacht, nicht aber von ihm. Der Grundstücksbesitzer will dazu nichts sagen. Melanie Dietrich bestreitet energisch, dass sie aufgefordert worden seien, die Hütte zu entfernen: „Die Zerstörung kam aus heiterem Himmel!“

Es wurden also erst mal Fakten geschaffen in Peißenberg. Melanie Dietrich ist es schleierhaft, „dass jemand quasi im Faustrecht sich Grund und Boden erobern will“. Dabei hatte man mit dem Nachbarn bis vor Monaten ein gutes Auskommen gehabt. Das Verhältnis kühlte aber immer mehr ab, je länger die Dietrichs auf ihr verbrieftes Recht beharrten.

Laut Familie Dietrich prüft nun das Landrats­amt die rechtliche Situation um den Streifen Land. Es bleibt die Frage, weshalb dies nicht schon vor der Einreichung der Pläne zum Hallenbau geschehen ist.

Wusste am Ende der jetzige Grundstückseigentümer am Ende gar nicht, was er sich da zugelegt hat?

tz- Stichwort:

Grunddienstbarkeit

Die Grunddienstbarkeit wird in §1018-1029 BGB geregelt. Sie ist eine Belastung eines Grundstücks zugunsten des Eigentümers eines anderen Grundstücks. Angewandt wird sie meist zur Regelung von Rechtsbeziehungen unter Nachbarn, um durch Wege-, Überfahrts- oder Leitungsrechte die Nutzbarkeit eines Grundstücks zu regeln. Die Grunddienstbarkeit wird stets zugunsten des jeweiligen Eigentümers eines anderen Grundstücks bestellt. Wird also das Grundstück verkauft, geht sie auf den jeweils neuen Eigentümer über. Sie erlöscht u.a., wenn sie befristet ist, wenn beide Seiten eine Löschung bewilligen oder sie nicht mehr ausgeübt werden kann.

mc/vp

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