Das erklärt ihr Anwalt

Mollaths Ex sieht Verfahren gelassen entgegen

Nürnberg - Die Ex-Frau von Gustl Mollath ist ins Visier der Justiz geraten. Doch sie sieht den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gelassen entgegen, erklärt ihr Anwalt.

Die wegen Verdachts auf Prozessbetrug und Unterschlagung ins Visier der Justiz geratene Ex-Ehefrau von Gustl Mollath sieht den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gelassen entgegen. „Das weitere Verfahren wird meine Mandantin mit aller Gelassenheit abwarten“, sagte ihr Anwalt Jochen Horn am Montag der Nachrichtenagentur dpa. Näher wolle sich seine Mandantin öffentlich nicht zu den Vorwürfen äußern, betonte der Anwalt. Gegenüber der Staatsanwaltschaft werde sie aber Stellung nehmen, sagte Horn.

Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth bestätigte am Montag Medienberichte, wonach es Ermittlungen gegen Mollaths Ex-Frau wegen Prozessbetrugs und Unterschlagung gibt. Die Anklagebehörde reagiere damit auf eine Anzeige vom vergangenen Sommer.

Ex-Frau soll Unwahrheit gesagt haben

Mollaths Anwalt Gerhard Strate wirft der Ex-Ehefrau vor, im Zusammenhang mit einem Antrag seines Mandanten auf Prozesskostenhilfe im Jahr 2007 die Unwahrheit gesagt zu haben. Ihr Anwalt habe seinerzeit schriftlich erklärt, dass sie aus Mollaths früherem Haus in Nürnberg-Erlenstegen keine Wertsachen oder Unterlagen mitgenommen habe. Daraufhin sei Gustl Mollath die Prozesskostenhilfe verweigert worden.

Der Nürnberger hatte seinerzeit seine damalige Frau in einem Zivilverfahren auf Auskunft und Schadenersatz im Zusammenhang mit dem angeblichen Verschwinden seines Eigentums verklagt. Mollath war zu diesem Zeitpunkt bereits in der Psychiatrie untergebracht. Sein Haus stand vor der Zwangsversteigerung.

Persönliche Dinge "rechtswidrig an sich genommen"

In diesem Sommer - so Anwalt Strate in einer Erklärung vom August - habe Mollaths frühere Ehefrau dagegen in zwei Interviews erklärt, sie habe Mollaths persönliche Dinge bei Bekannten untergestellt. Dies beweise, meint der Mollath-Anwalt, dass sie die persönlichen Sachen von Gustl Mollath „rechtswidrig an sich genommen“ habe.

Der 56-Jährige saß von 2006 bis Sommer 2013 in der Psychiatrie, weil er seine damalige Frau misshandelt und Autoreifen zerstochen haben soll. Er selbst sah sich stets als Opfer eines Komplotts seiner Ex-Frau und der Justiz, weil er Schwarzgeldgeschäfte bei der HypoVereinsbank aufgedeckt hatte. Anfang August ordnete das Oberlandesgericht Nürnberg die Wiederaufnahme des Verfahrens sowie Mollaths umgehende Freilassung an. Anfang September gab das Bundesverfassungsgericht schließlich einer Beschwerde des Nürnbergers statt und erklärte seine Unterbringung in der Psychiatrie seit 2011 für verfassungswidrig.

Fall Gustl Mollath - Eine Chronologie

Der Fall Gustl Mollath - Eine Chronologie

November 2002: Mollath wird von seiner Frau wegen Körperverletzung angezeigt. Er soll sie im August 2001 ohne Grund mindestens 20-mal mit den Fäusten geschlagen haben. Außerdem habe er sie gebissen, getreten und sie bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt. Mollath bestreitet die Vorwürfe. © dpa
Mai 2003: Die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth erhebt Anklage wegen gefährlicher Körperverletzung und Freiheitsberaubung. © dpa
September 2003: Die Hauptverhandlung beginnt vor dem Amtsgericht Nürnberg. Im April 2004 wird sie fortgesetzt. Ein Gutachter attestiert Mollath gravierende psychische Störungen. © dpa
Dezember 2003: Mollath erstattet Strafanzeige gegen seine Frau, weitere Mitarbeiter der HypoVereinsbank und 24 Kunden wegen Steuerhinterziehung, Schwarzgeld- und Insidergeschäften. © dpa
Februar 2004: Die Anzeige wird von der Staatsanwaltschaft abgelegt. Die Angaben seien zu unkonkret für ein Ermittlungsverfahren. © dpa
Juni 2004: Mollath muss zur Begutachtung ins Bezirkskrankenhaus Erlangen, kommt aber wieder frei. Im Februar 2005 wird er in das Bezirkskrankenhaus Bayreuth eingewiesen. Dort bringt er fünf Wochen zu. © dpa
August 2006: Ein Gutachter bescheinigt Mollath wahnhafte psychische Störung und paranoide Symptome. Das Landgericht Nürnberg spricht Mollath wegen Schuldunfähigkeit von der Anklage der Körperverletzung, Freiheitsberaubung und Sachbeschädigung frei. Aber es ordnet seine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus an, weil er eine Gefahr für die Allgemeinheit darstelle. Er ist bis heute im Bezirkskrankenhaus Bayreuth untergebracht. © dpa
Februar 2007: Der Bundesgerichtshof verwirft Mollaths Revision als unbegründet. © dpa
März 2012: Die bayerische Justizministerin Beate Merk (CSU) sagt im Landtag, Mollaths Strafanzeige wegen der Bankgeschäfte seiner Frau sei „weder Auslöser noch Hauptanlass noch überhaupt ein Grund für seine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus gewesen“. Seine Vorwürfe gegen die Bank hätten keinen begründeten Anfangsverdacht für Ermittlungen ergeben. © dpa
November 2012: Ein interner Revisionsbericht der HypoVereinsbank aus dem Jahr 2003 wird publik. Danach traf ein Teil von Mollaths Vorwürfen zu. Die Freien Wähler fordern Merks Rücktritt und einen Untersuchungsausschuss. © dpa
30. November 2012: Merk will den Fall Mollath komplett neu aufrollen lassen und ordnet einen Wiederaufnahmeantrag wegen möglicher Befangenheit eines Richters an. © dpa
18. März 2013: Die Staatsanwaltschaft beantragt die Wiederaufnahme wegen neuer Tatsachen, die dem Gericht bei der Verurteilung 2006 noch nicht bekannt gewesen seien. Entscheiden muss das Landgericht Regensburg. © dpa
26. April 2013: Der Mollath-Untersuchungsausschuss tritt erstmals zusammen. © dpa
28. Mai 2013: Das Landgericht Regensburg lehnt eine Entscheidung über Mollaths Psychiatrie-Unterbringung vor der Prüfung des Wiederaufnahmeantrags ab. © dpa
09. Juli: Der Untersuchungsausschusses geht zu Ende. SPD, Grüne und Freie Wähler sehen gravierende Fehler bei den Ermittlern und bei Merk und verlangten deren Entlassung. CSU und FDP sehen keine Fehler bei Merk. © dpa
22. Juli: Nach dem Landgericht Regensburg weist auch das Oberlandesgericht Nürnberg einen Befangenheitsantrag von Mollaths Anwalt gegen einen Richter ab. © dpa
24. Juli: Das Landgericht Regensburg weist die Anträge zur Wiederaufnahme des Mollath-Prozesses zurück. © dpa
6. August: Der seit Jahren in Bayern in der Psychiatrie sitzende Gustl Mollath kommt überraschend frei. Das Strafverfahren gegen ihn wird wieder aufgenommen. Das hat das Oberlandesgericht Nürnberg beschlossen. © picture alliance / dpa
5. September: Das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe gibt einer Beschwerde Mollaths statt. Seine Unterbringung in der Psychiatrie war demnach seit 2011 verfassungswidrig. Die damaligen Beschlüsse des Landgerichts Bayreuth und des Oberlandesgerichts Bamberg zur Unterbringung Mollaths seien nicht gut genug begründet gewesen. © dpa
12. Dezember: Das Landgericht Regensburg kündigt an, dass es Mollath erneut psychiatrisch begutachten lassen will. Mollath lässt über seinen Anwalt mitteilen, dass er dies ablehnt. © dpa
19. Dezember: Das Landgericht Regensburg teilt mit, dass das Wiederaufnahmeverfahren gegen Mollath am 7. Juli 2014 beginnt. © dpa
7. Juli 2014: Vor dem Landgericht Regensburg beginnt das Wiederaufnahmeverfahren gegen Mollath. © dpa
23. Juli 2014: Die beiden Verteidiger von Mollath - Gerhard Strate (Mitte) und Johannes Rauwaldt (rechts) - legen nach Unstimmigkeiten mit dem Nürnberger ihr Mandat nieder. Das Gericht bestimmt sie zu Pflichtverteidigern. © dpa
08. August 2014: Die Staatsanwaltschaft - Oberstaatsanwalt Wolfhard Meindl - fordert in ihrem Plädoyer einen Freispruch für Gustl Mollath. Der Anklagevertreter ist jedoch von der Schuld des 57-Jährigen überzeugt. Die Verteidigung verlangt einen Freispruch „ohne Wenn und Aber“. Mollath selbst sagt, er habe die Taten nicht begangen. © dpa
14. August. 2014: Das Landgericht Regensburg spricht Gustl Mollath frei. © dpa

Lesen Sie dazu auch:

Mollath: Glaubwürdigkeit der Ex-Frau erschüttert

Mollaths Ex: Er trug einen Strick um den Hals

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

Auch interessant

Kommentare