Erding: Schüler protestieren gegen Pizza-Verbot

Corpus Delicti: Pizza-Schachteln sorgen am Gymnasium Erding II für Streit. Foto: Macht

Erding - Was als kleine Änderung der Hausordnung begonnen hat, hat sich innerhalb weniger Tage zu einem Schülerprotest hochgeschaukelt. Am Gymnasium Erding II streitet man über Pizza-Kartons und zu viel Müll.

Pizza vom Lieferservice - für viele Schüler am Gymnasium Erding II ist sie das Mittagessen erster Wahl. 20 bis 40 Pizzen bestellen sie am Tag. Der Schulleitung ist das ein Dorn im Auge. „Wir wissen nicht mehr, wohin mit dem Müll“, klagt die stellvertretende Direktorin Andrea Hafner. Das Problem: Die Schachteln stapeln sich auf den Mülleimern, weiterer Abfall landet daneben. Ein kleiner Passus in der Schulordnung sollte Abhilfe schaffen: „Speisen oder sonstige Nahrungs- und Genussmittel werden nicht von außen angeliefert und nicht hier verzehrt“, lautet der Satz.

Nun wurde die Satzung verteilt. Den Stein ins Rollen gebracht hatte Schulleiter Hermann Bendl mit einer Durchsage. „Drakonische Strafen“ soll er den Schülern zufolge angekündigt haben, sollte sich am Müllproblem nichts ändern. „Das haben viele als offensiv und wenig höflich empfunden“, sagt Schulsprecher Valentin Sattinger. Unter den Jugendlichen regte sich Widerstand.

Im sozialen Netzwerk Facebook hat sich die Gruppe „Für eine freie Wahl des Mittagessens am GymEdII“ gegründet. 323 Schüler sind dort Mitglied. Besonders die Kollegstufe 13 habe „ziemlich rebellisch und ein wenig überzogen“ reagiert, so Sattinger. Er berichtet von Plakaten mit der Aufschrift „Wir essen was wir wollen“ und einem Aufruf, die Chipkarte für die Kantine zurückzugeben.

Mit der neuen Hausordnung sind viele Schüler unzufrieden. „Sie denken, die Schulleitung will sie zwingen, in der Kantine zu essen“, glaubt Sattinger. Einige hätten den Zusatz derart überspitzt ausgelegt, dass es auch verboten sei, ein Pausenbrot mitzubringen. „Das ist natürlich Unsinn“, sagt Hafner. „Es hat keiner was dagegen, wenn die Schüler Pizza vom Lieferservice essen. Wir wollten mit dem Verbot nur erreichen, dass es nicht mehr so viele Schachteln gibt.“

Schuld an der übertriebenen Auslegung der Satzung ist nach Sattingers Meinung auch deren ungenaue Formulierung. Vergangene Woche haben Schüler und Schulleitung über das Thema gesprochen, aber noch keine konkrete Lösung gefunden. Über Ostern wollen sich alle Gedanken machen, wie man das Müllproblem lösen könnte. Darüber denken auch die Schüler nach. Die Vorschläge, die sie auf Facebook verbreiten, reichen von einem Pizzamülleimer über einen Mülldienst bis hin zum Erlass einer Schulverfassung. Sattinger hält eine Testphase für das Beste. „Wenn wir uns acht Wochen lang Pizza liefern lassen dürfen, und den Müll richtig entsorgen, dann sollte das Verbot aufgehoben werden. Wenn es nicht klappt, sind wir selber schuld.“

So viel Staub die neue Hausordnung aufgewirbelt hat, so froh sind die Beteiligten darüber. „Jeder spricht über das Müllproblem und sucht nach Lösungen. Das ist gut“, sagt Hafner. Das sieht auch Ulla Dieckmann so. „Es ist super, dass die Schüler sich rühren. Auch die Älteren, die in wenigen Wochen ihr Abi haben, ergreifen Partei“, sagt die Elternbeiratsvorsitzende. Ihr Vorschlag zum Pizza-Problem: Die Ordnung so umformulieren, dass alle dahinter stehen - Schulleitung und Personalrat ebenso wie Elternbeirat und Schüler. (vam)

Auch interessant

Meistgelesen

Gewalttat in Unterfranken: Polizei entdeckt zwei Leichen - Fahndung eingestellt
Gewalttat in Unterfranken: Polizei entdeckt zwei Leichen - Fahndung eingestellt
Audi R8 schleudert über A9, rammt Auto, der Fahrer flieht - Polizei nennt kriminelle Details
Audi R8 schleudert über A9, rammt Auto, der Fahrer flieht - Polizei nennt kriminelle Details
Auto kracht in stehenden Sattelzug - dramatische Bilder von der Unfallstelle
Auto kracht in stehenden Sattelzug - dramatische Bilder von der Unfallstelle
Frau inszeniert mit Antenne Bayern falschen Polizei-Einsatz: Grund rührt zu Tränen - „Musste auch heulen“
Frau inszeniert mit Antenne Bayern falschen Polizei-Einsatz: Grund rührt zu Tränen - „Musste auch heulen“

Kommentare