"Bin entsetzt über die geringe Hemmschwelle"

Handwerker stiefelt Bürgermeister wegen Auftragsmangel

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Bernd Reisenweber.

Ebersdorf bei Coburg - Bernd Reisenweber, Bürgermeister von Ebersdorf bei Coburg, wurde regelrecht zusammengeschlagen – von einem Handwerksmeister aus dem eigenen Ort!

Auf das Bild vom tatkräftigen Bürgermeister müssen die Einwohner von Ebersdorf bei Coburg derzeit verzichten. Bernd Reisenweber ist bis Sonntag krankgeschrieben. Der 52-Jährige wurde vergangene Woche regelrecht zusammengeschlagen – von einem Handwerksmeister aus dem eigenen Ort!

Er sei am Donnerstagabend beim 50. Geburtstag eines guten Freundes gewesen, erzählt der Bürgermeister der tz. Gefeiert wurde in Coburg. „Gegen ein Uhr wollte ich dann mit dem Taxi heim.“ Vor dem Lokal habe ihn ein Handwerksmeister aus seiner Gemeinde angesprochen, der auch bei der Feier war. „Er hat sich beschwert, dass er keine Aufträge mehr von der Gemeinde bekomme.“

Er habe kurz mit dem Mann geredet und ihm aufgezählt, dass er in letzter Zeit durchaus nicht zu kurz gekommen sei. „Er hat laufend Aufträge bekommen.“ Aktuell sei er mit der Renovierung einiger Trafohäuschen im Ort betraut. „Ich bin dann Richtung Taxistand.“ Der 46-Jährige sei ihm gefolgt und habe weiter lamentiert. „Und dann hat er ohne Vorwarnung ausgeholt, sich rumgedreht und mir voll auf die Nase geschlagen.“

Der Bürgermeister ging zu Boden und bekam von seinem Kontrahenten noch Stiefeltritte ins Gesicht verpasst. Bernd Reisenweber, der seit 2002 dem Rathaus des 6000-Seelen-Ortes in Oberfranken vorsteht, kam ins Krankenhaus. „Ich habe drei Klammerpflaster im Gesicht, ein Auge ist blau und der Beckenknochen tut sakrisch weh.“

Viel schlimmer schmerzen aber die seelischen Wunden. „Ich bin entsetzt über die geringe Hemmschwelle, die der Angreifer hatte.“ Dass man aus so einem nichtigen Anlass als Bürgermeister verprügelt werde. „Er kennt mich doch“, sagt Bernd Reisenweber. „Wir hätten uns doch zusammensetzen und darüber reden können.“

Gestern fand er einen Umschlag mit einer Entschuldigung in seinem Briefkasten. „Ich vertraue unserer Justiz“, sagt der Bürgermeister dazu. Der Täter werde das ausbaden müssen. Vor Gericht und – viel schlimmer noch – in Ebersdorf.

Volker Pfau

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