Mitarbeiterin erkrankt

Tuberkulose-Fall in Otterfinger Kinderhaus

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„In diesem Stadium ansteckend“: Daher werden Kinder aus dem Haus für Kinder nun untersucht.

Otterfing - Eltern sind beunruhigt, Kinder schlucken eine Prophylaxe: Im Otterfinger Haus für Kinder ist eine Kinderpflegerin an einer offenen Tuberkulose erkrankt. Jetzt soll ein Infoabend Ruhe schaffen.

Die Nachricht traf sie wie ein Blitz. Ein Fall von Tuberkulose. In der Krippe, die ihre zweijährigen Zwillinge besuchen. „Ich war völlig durcheinander“, sagt Karen Madlung. Da ihre Mädchen Zoé und Kim Kontakt zu der erkrankten Kinderpflegerin hatten, stürmte die Otterfinger Mutter mit ihnen ins Krankenhaus Agatharied. Die Ärzte stellten „Auffälligkeiten an der Lunge“ fest, besonders bei Zoé. Das Gesundheitsamt schickte die drei in eine Spezialklinik nach Wangen im Allgäu. Dort dürfen die Kleinen nur mit Mundschutz ihre Abteilung verlassen.

Eine für eine Krippengruppe zuständige Kinderpflegerin im gemeindlichen Haus für Kinder in Otterfing ist an offener Tuberkulose (TBC) erkrankt. Das bestätigt Michael Wohlfahrt, Leiter des Gesundheitsamtes in Miesbach, am gestrigen Montag auf Anfrage des Holzkirchner Merkur. Um keine Unruhe zu stiften, seien nur die Betroffenen informiert worden. 138 Kinder und zehn Leute aus dem Personal werden untersucht und sollten eine Prophylaxe nehmen. Bei fünf Kindern gab es Auffälligkeiten. Inzwischen ist auch das im selben Gebäude befindliche Montessori-Kinderhaus im Visier. Insgesamt gebe es im Landkreis drei Fälle offener Tuberkulose.

Kinderpflegerin am 11. Juni in Fachklinik eingeliefert

Die Kinderpflegerin kam laut Wohlfahrt am Mittwoch, 11. Juni, mit Verdacht auf Tuberkulose in eine Fachklinik nach Gauting. Am Dienstag, 17. Juni, erfuhr er, dass es sich um eine offene Lungen-Tuberkulose handelt. Das heißt, vereinfacht ausgedrückt, dass das Tuberkel-Bakterium über die Atemwege nach außen dringt. „In diesem Stadium ist die Krankheit ansteckend.“ Zuvor könne das Bakterium viele Wochen, Monate, sogar Jahre unbemerkt im Körper schlummern. Die Kinderpflegerin habe sich wohl im Ausland angesteckt und bereits in der Vergangenheit an TBC gelitten. „Aber sie hat nichts versäumt, sie kann nichts dafür.“ TBC äußere sich durch hüsteln über Wochen hinweg, Gewichtsverlust, erhöhte Temperatur. Die Frau wird behandelt, mit einem starken Mix aus Antibiotika. Nach zwei bis drei Wochen sei sie nicht mehr ansteckend. Die Behandlung dauere gut sechs Monate.

Bereits am Tag vor der Gewissheit habe das Amt ein Schreiben an die Krippeneltern verfasst, in dem es mitteilte, dass „möglicherweise eine ansteckende Form von Tuberkulose“ vorliege, sagt Wohlfahrt. In einem zweiten Brief fehlte das Wort „möglicherweise“. Dabei wurden Kindergarten-Eltern informiert. „Weil erst da bekannt war, dass auch diese Kinder direkten Kontakt zu der Person hatten.“ Nur so könne man sich anstecken. Bei infizierten Kindern breche die Krankheit häufiger aus als bei Erwachsenen; der Verlauf sei schwerer. Deshalb ist der Fall auch so brisant.

Obwohl Wohlfahrt ein Protokoll abliefern kann, fühlen sich einige Eltern zu spät oder unzureichend informiert. So wie Eve Döring, ihr vierjähriger Sohn besucht den Kindergarten: „Was ist das für eine Informationspolitik?“, fragt sie. „Viele Eltern sind enttäuscht von der Gemeinde.“ Am Anfang waberten Gerüchte durch den Ort, Eltern verständigten sich per What’s App. Die Verunsicherung war groß. Den Aushang, der am letzten Tag in der Einrichtung hing, bevor diese ihre Türen für eine Woche Ferien schloss, hatte sie verpasst. Manche Eltern hätten ihren Urlaub abbrechen müssen. Döring holte sich selbst die Infos. „Ich habe jetzt einen Abschluss in Tuberkulose“, sagt sie sarkastisch. Ihr Sohn schluckt brav die Prophylaxe. „Das sind dicke Tabletten.“ Von den Nebenwirkungen mal ganz zu schweigen. Er bleibt dem Kindergarten erstmal fern.

Ulrike Stockmeier, die Bürgermeister Jakob Eglseder in dessen Urlaub vertritt, wehrt sich: „Wir haben alles Menschenmögliche getan.“ Auch wenn über Fronleichnam und die Ferien einiges schwierig war. Die betroffenen Räume seien desinfiziert und gelüftet. „Wir haben guten Gewissens am Montag wieder geöffnet.“ Der Betrieb laufe normal. Der Kindergarten will sich nicht äußern. Leiterin Petra Krüger sei im Krankenstand, was aber nichts mit der TBC zu tun habe, so Stockmeier.

Karen Madlung bekam gestern die erlösende Nachricht: „Der Bluttest ist negativ“, sagt sie mit zittriger Stimme. Am Donnerstag dürfen die drei nach Hause. In drei Monaten steht nochmal ein Test an. Fürs Erste haben es Zoé und Kim geschafft.

Infoabend am Dienstag

Ein Infoabend am heutigen Dienstag um 20 Uhr in der Schulaula in Otterfing soll Eltern aufklären. Heike Hergenröder vom Gesundheitsamt ist vor Ort. 

Marlene Kadach

Tuberkolose-Fall im Haus für Kinder: Was sagen Sie dazu?

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